Gebrauchtstapler Nach Fitnesskur so zuverlässig wie neu

Autor / Redakteur: Reinhard Irrgang / Jürgen Schreier

Gebrauchtstapler erfreuen sich steigender Beliebtheit und werden zunehmend zu einem gewichtigen Marktfaktor. Dies zeigen die Ergebnisse unserer Umfrage, die sich an Hersteller wie an Händler richtete. Nach professioneller Überholung gemäß hohen Standards arbeiten die „Youngtimer“ so zuverlässig wie Neue.

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Aus Alt mach Neu: Nach den Überholungsarbeiten sind Second-Hand-Geräte wie die Gabelstapler von Still so gut wie neu.
Aus Alt mach Neu: Nach den Überholungsarbeiten sind Second-Hand-Geräte wie die Gabelstapler von Still so gut wie neu.
(Bild: Still)

In welchem Umfang verkaufen beziehungsweise vermieten Hersteller und Händler überholte Gebrauchtstapler und welche Geräte sind am meisten nachgefragt? „Pro Jahr sind es weltweit einige Zehntausend Gebrauchtgeräte, wobei Mietgeräte hierbei nicht berücksichtig sind“, so Philippe Mulot, Bereichsleiter Used Trucks & STR und Leiter Sales Network Development bei Linde Material Handling. „Generell bieten wir Geräte aus dem kompletten Produktprogramm als Gebrauchtstapler an: Gegengewichtsstapler mit verbrennungsmotorischem und batterieelektrischem Antrieb, Palettenhubwagen und Gehgeräte, Mitfahr- und Kommissioniergeräte, Schubmaststapler, Hochregalbediengeräte sowie Großstapler.“

Wie Mulot betont, „genießen Gebrauchtstapler von Linde eine hohe Wertschätzung im Markt. Viele Kunden ziehen ein gebrauchtes Fahrzeug aufgrund dessen hoher Qualität, Zuverlässigkeit, Wirtschaftlichkeit und Ergonomie einem Neugerät mit weit weniger Ausstattung und Leistungsfähigkeit vor“. Besonders stark nachgefragt werden bei Linde die gängigen Serienprodukte aus den Segmenten verbrennungsmotorische Stapler, Elektrostapler und Lagertechnik.

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Toyota MH hat dezentrales Supermarkt-Konzept etabliert

„Wir haben in den vergangenen Jahren mit großem Erfolg unser dezentrales „Supermarkt-Konzept etabliert“, so Francois-Xavier Molliere, Leiter Gebrauchtgeräte Deutschland, Toyota Material Handling Deutschland (TMHD). Das Prinzip dahinter: „Über lokale Direktvertriebs-Niederlassungen bieten wir unseren Kunden qualitativ hochwertige Gebrauchtgeräte zur sofortigen Abholung an. Wie im Supermarkt wird das Angebot dann zeitnah wieder aufgefrischt. Dank dieser Idee konnten wir unser Geschäft mit den Gebrauchten in den letzten Jahren deutlich ausbauen. Am häufigsten nachgefragt werden unsere Gegengewichtsstapler mit verbrennungsmotorischem oder elektrischem Antrieb sowie Elektro-Hochhubwagen und Schubmaststapler.“

Jungheinrich arbeitet gebrauchte Stapler in Dresden auf

Jungheinrich arbeitet Gebrauchtfahrzeuge in Premiumqualität in seinem Gebrauchtgerätezentrum Dresden gemäß den „Jungheinrich-Vier-Sterne-Qualitätsstandards“ industriell auf. Diese beinhalten die Punkte Sicherheit, Technik, Optik und Zuverlässigkeit“, so das Unternehmen. Derzeit können etwa 4500 Fahrzeuge pro Jahr professionell aufgearbeitet werden. Diese Kapazität wird nach der Beendigung der Erweiterung des GG-Werkes Dresden auf rund 8000 Fahrzeuge pro Jahr steigen.

„Aktuell verkaufen wir rund 500 Gebrauchtgeräte pro Kalenderjahr,“ so Thomas Freitag, Fleet Manager Unicarriers Germany GmbH, weitere 150 sogenannte „Second-Life-Stapler“ sind vermietet. Dem stehen 1100 verkaufte Neugeräte pro Jahr gegenüber . „Dieses Verhältnis unterstreicht die Relevanz, die das Geschäft mit gebrauchten Geräten für uns hat.“

Überholung in Eigenregie sichert bei Linde MH hohe Qualität

Das Gabelstapler-Center Kamen, das als Handelsunternehmen unter anderem Gabelstapler von Cesab vertreibt, verkauft „rund 150 Gebrauchtgeräte pro Jahr“, so Kai Hilleringmann, Vertriebsleiter Neu- und Gebrauchtstapler. Besonders gefragt sind batterieelektrisch und verbrennungsmotorisch angetriebene Stapler als auch Schubmaststapler bis 7 m Hubhöhe.

Die GS-Gabelstapler-Service GmbH, Braunschweig, unter anderem Händler für Geräte von Hyster, setzt pro Jahr rund 60 bis 70 gebrauchte Stapler an Endkunden ab, wie Geschäftsführer Torsten Franke berichtet. Davon seien rund 80 % der Frontstapler mit Diesel und Treibgasantrieb sowie Elektrostapler mit 3 und 4 t Nutzlast. Diese machen rund 80 % des Second-Hand-Geschäfts von GS-Gabelstapler-Service aus, rund 20 % sind Lagertechnikgeräte.

Leisten nun die Hersteller die Überholung selbst, werden die Arbeiten an Händler übertragen oder komplett von externen Dienstleistern durchgeführt? Linde MH arbeitet die Stapler in verschiedenen Aufarbeitungszentren in Europa im Rahmen des „Approved-by-Linde“- Programms selbst auf, das die Aufarbeitungsstandards Plus, Super und Ultra bietet. Wie Mulot erläutert, „garantieren einheitliche, für ganz Europa und darüber hinaus festgelegte Qualitätsstandards sowie ein standardisierter Aufarbeitungsprozess, dass der Kunde stets ein hochwertiges Produkt und hohen Service erhält“.

Auch Toyota setzt auf Eigenleistung, „denn nur dann können wir sicher sein, dass bei der Aufbereitung und Prüfung alles den hohen Toyota-Standards entspricht, auf die auch unsere Kunden vertrauen“. „Um unseren hohen Wiederaufbereitungs-Standard durchgängig gewährleisten zu können, nehmen wir die dafür erforderlichen Arbeiten selbst vor und lagern sie nicht an externe Firmen aus“, so Thomas Freitag. „In unseren Werkstätten durchlaufen alle Geräte vor dem Verkauf ein standardisiertes Programm.“

Standardisierte Programme für die Wiederaufbereitung

Die Aufbereitungsarbeiten werden von speziell für die Gerätetypen der Marke Unicarriers geschulten Monteuren durchgeführt. Freitag: „So können sich unsere Kunden darauf verlassen, zuverlässige Stapler zu erhalten, die sich optisch kaum von Neugeräten unterscheiden.“

Auch im Gabelstapler Center Kamen werden die Arbeiten in der eigenen Werkstatt von Monteuren durchgeführt, die für die unterschiedlichen Fabrikate ausgebildet wurden. Auf eigene Power setzt auch GS: „Die Überholung der Stapler leistet ausschließlich unsere eigene Mannschaft“, so Franke. Die Leistungen umfassen die technische Überprüfung, Schätzung der Instandsetzungskosten, Reparaturen, Wartung, UVV und AU. Nach der extern durchgeführten Lackierung werden die Geräte komplettiert und erhalten nach der Abnahme und Einpreisung das GS-eigene „Gebraucht-Siegel“.

Jüngere Stapler stammen oft aus der Demoflotte des Herstellers

Nach wie vielen Jahren Einsatz ab Verkaufszeitpunkt oder ab Full-Service- oder Rental-Vertragsbeginn sind die Stapler für die Wiederaufbereitung „reif“ und inwieweit hängt diese Zeitspanne vom Gerätetyp und von der Einsatzumgebung ab? Aus der Erfahrung von Linde ist dies abhängig vom Fahrzeugmodell und vom Einsatzfall. „Full-Service- und Rental-Verträge laufen aber in der Regel zwischen vier und sieben Jahren.“

Wie Francois-Xavier Molliere erläutert, handelt es sich bei den „Supermarktangeboten“ von Toyota Material Handling in der Regel um drei bis sechs Jahre alte Geräte. „Deutlich jünger und teilweise neuwertig sind Flurförderzeuge, die aus unserer Demo-Flotte stammen und Vorführzwecken dienten. Alle Stapler sind UVV-geprüft, mängelfrei, werkstattgeprüft und mit bis zu 12 Monaten Garantie ausgestattet.“ Die Kunden erhalten stets junge Geräte aus zweiter Hand, so Freitag: „Deswegen tauschen wir alle Stapler und Lagertechnikgeräte, die im Rahmen von Rental- oder Leasingverträgen im Einsatz sind, meist nach drei bis fünf Jahren gegen Neugeräte aus.“

Betriebsstunden bestimmen meist den Renovierungsbedarf

Wann die Stapler für eine Renovierung reif sind, hängt generell von den jeweiligen Einsatzbedingungen und Betriebsstunden ab. Für Toyota Material Handling „ist vor allem die Einsatzumgebung ausschlaggebend dafür, ob eine Aufbereitung noch möglich ist oder Sinn macht. Bei Geräten bis zu einem Alter von fünf Jahren ist das in der Regel kein Problem“, so Molliere. Ganz anders bei Maschinen, die beispielsweise in korrosiven Umgebungen oder in Gießereien im Einsatz waren.“

„Wann wir ein Gerät aus einem Leasing- oder Rentalvertrag zurückholen, um es für den Gebrauchtgerätemarkt vorzubereiten, richtet sich nicht allein nach dem Alter des Staplers, sondern maßgeblich nach der Betriebsstundenleistung“, so Thomas Freitag. „Geräte, die mehr als 1200 Betriebsstunden im Jahr im Einsatz sind, versuchen wir früher aus den bestehenden Verträgen zurückzuholen als weniger belastete. Das hat Vorteile für unsere Leasing- und für die Gebrauchtgerätekunden.“

Wartungsqualität bestimmt den Renovierungsaufwand

Welche Aggregate und Komponenten der Stapler am meisten renovierungs- oder erneuerungsbedürftig sind, hängt auch von der Wartungsqualität ab. Wie Linde meldet, handelt es sich bei den Gebrauchtstaplern „in aller Regel um Flottenfahrzeuge, die auf Basis eines Wartungsvertrags von Anfang an nach Herstellerempfehlung gewartet wurden. Dadurch vermeiden wir größere Reparaturen an unseren Fahrzeugen und der Kunde kann sicher sein, ein zuverlässiges, leistungsfähiges Gebrauchtfahrzeug zu erwerben – ausgezeichnet mit dem Prüfsiegel von Europas führendem Staplerhersteller. Zudem werden ausschließlich Linde-Original-Ersatzteile verwendet und „alle von Linde aufgearbeiteten Gebrauchtstapler entsprechen den aktuell gültigen Sicherheitsnormen und Richtlinien“.

Toyota überarbeitet Gebrauchtgeräte nach definiertem Standard

„Ob neu oder gebraucht, die Geräte entsprechen immer dem gleich hohen Toyota-Standard“, so Molliere, „auch weil sie ausschließlich mit Toyota-Original-Ersatzteilen ausgestattet werden.“ Und bei Unicarriers werden alle gebrauchten Geräte nach einem definierten Standardprogramm technisch und optisch komplett überarbeitet. Die Monteure prüfen alle Verschleißteile wie Räder und Dichtungen sowie sämtliche Hauptkomponenten: Motor, Getriebe, Hubzylinder und Steuerungssysteme; diese werden entweder instandgesetzt oder ausgetauscht.

Seitens der Händler meldet Torsten Franke, Geschäftsführer GS-Gabelstapler-Service, Hubmast, Lenkachse, den äußeren Zustand und den Lack als am erneuerungsbedürftigsten, Kai Hilleringmann nennt „Hubgerüste, Achsen, Motoren“.

Gebrauchte Gabelstapler sind für alle Branchen interessant

Beim Wiederverkauf der Gebrauchtgeräte setzen die Hersteller auf das eigene Netzwerk. So dürfen bei Linde ausschließlich autorisierte Vertragspartner und Tochtergesellschaften Fahrzeuge „nach unseren Standards aufarbeiten und diese an Endkunden weiterveräußern“, so Mulot. „Jeder Kunde kann deshalb darauf vertrauen, die gleiche Qualität wie bei Neufahrzeugen zu erhalten.“

Toyota Material Handling bietet auch die Gebrauchtgeräte in Deutschland über ein duales Vertriebsnetz an, also sowohl über Vertragshändler als auch im Direktvertrieb. Bei Unicarriers Germany erfolgt der Wiederverkauf beziehungsweise die Vermietung zu gleichen Teilen durch den Direktvertrieb und über das Händlernetz.

Welche Unternehmen aus welchen Branchen haben das größte Interesse an Gebrauchtgeräten? Wie Linde meldet, handelt es sich um „Kleinst- und kleinere Unternehmen sowie Großunternehmen für Mix-Flotten der unterschiedlichsten Branchen“. Gebrauchtgeräte „sind für alle Branchen interessant und das Geschäft wächst“, so Molliere. „Der Vorteil liegt auf der Hand, denn der Kauf eines wieder aufbereiteten Staplers ist eine kostengünstige Alternative, und das ohne Einbußen bei der Qualität.“

Second-Hand-Stapler sind attraktive Alternative als Stand-by-Gerät

„Ob kleine und mittlere Unternehmen oder Konzern – das Interesse an Gebrauchtstaplern ist bei Unternehmen aller Größen ähnlich“, weiß Freitag. Eine gute Lösung sind „die Stapler aus zweiter Hand immer dann, wenn der Einsatz eines Neugeräts nicht erforderlich ist oder wenn das Gerät schnell verfügbar sein muss. Beispielsweise eignen sie sich hervorragend als Stand-by-Gerät oder wenn Auftragsspitzen abgefangen werden müssen.“

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