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Forschung Netzwerk für intelligente modulare Ladungsträger

| Autor / Redakteur: Martin Graßl / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Das Forschungsprojekt „iSLT.NET“ vernetzt unternehmensübergreifend Akteure der Supply Chain, um Sonderladungsträger intelligenter zu nutzen und so den Logistikprozess transparenter und nachhaltiger zu gestalten.

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Mit seinem ganzheitlichen Ansatz setzt „iSLT.NET“ entscheidende Impulse für die Zukunft der Logistikbranche. Das Projekt durchleuchtet erstmals die gesamte Logistikkette.
Mit seinem ganzheitlichen Ansatz setzt „iSLT.NET“ entscheidende Impulse für die Zukunft der Logistikbranche. Das Projekt durchleuchtet erstmals die gesamte Logistikkette.
(Bild: 4smartlogistics)

Für den sicheren Transport von sperrigen und sensiblen Bauteilen wie Automotoren oder Maschinenantrieben sind Hersteller bisher auf Spezialanfertigungen angewiesen. Diese Sonderladungsträger (SLT) werden individuell und in geringer Stückzahl produziert. Weil sich SLT kaum wiederverwenden lassen und im Schnitt schon nach vier bis acht Jahren verschrottet werden, verursachen sie regelmäßig hohe Kosten und belasten die Umwelt.

Das Forschungsprojekt „iSLT.NET“, das im Technologieprogramm „PAiCE“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird, entwickelt ein unternehmensübergreifendes Netzwerk für intelligente modulare SLT. Im ersten Schritt entsteht ein standardisiertes Baukastensystem, das eine branchenweite Wiederverwendung der Module ermöglicht. Dadurch verdoppelt sich die Nutzungsdauer der Träger, die Anschaffungskosten sinken.

Die Idee von „iSLT.NET“ geht jedoch weit über das modulare System hinaus: Ziel ist es, ein ganzheitliches Rollenmodell für die digitale Transformation im Bereich Ladungsträgermanagement zu liefern, das die gesamte Prozesskette berücksichtigt.

Ein Teil des Projekts widmet sich daher dem Aufbau einer IoT-Infrastruktur. Dazu werden die SLT mit funkbasierter Technologie ausgestattet, die über Sensoren Daten wie Standort, Temperatur oder Beladungszustand eines Behälters erfasst. Die Daten sollen künftig über eine Cloud-Plattform allen Teilnehmern der Wertschöpfungskette bereitgestellt werden.

Dadurch gewinnt der Logistikprozess an Transparenz: Logistikströme lassen sich in Echtzeit verfolgen und auswerten. Wird zum Beispiel ein Behälter beschädigt, lässt sich der Verursacher leicht identifizieren, Schwund wird minimiert. Eine bessere Auslastung der SLT führt dazu, dass die Trägerbestände reduziert, Logistikketten beschleunigt und somit Kosten eingespart werden können.

Die Einsatzgebiete für die intelligenten Behälter sind vielfältig und reichen von der Überwachung der Kühlkette im Lebensmitteleinzelhandel bis zum Tracking von SLT in der Automobilindustrie. Um die Erkenntnisse aus dem Projekt weiterzuverfolgen, soll es eine Ausgründung geben, die sich mit einem End-to-End-System rund um das Thema Tracking von Gütern beschäftigt und die Forschungsergebnisse in den Markt überträgt.

Das Netzwerk: innovativer Ansatz und größte Herausforderung

Der grundlegend neue Ansatz, der Netzwerkgedanke, war zugleich die größte Herausforderung für das Forschungsprojekt: Um eine Lösung zu entwickeln, die den Anforderungen aller Akteure entspricht, hat sich eine funktionelle Sicht auf das Thema bewährt. Nur wenn alle Beteiligten ihre konkurrierenden Interessen zurückstellen und sich darauf konzentrieren, welchen Mehrwert das Netzwerk generiert, hat die innovative Idee eine Chance, in der Realität zu bestehen.

Erste Applikationen wurden bereits in der Praxis erfolgreich getestet und in einem iterativen Prozess bei einem Anwender implementiert. In dem Testszenario wurden mehrere SLT in den Logistikprozess eingeschleust. Die beteiligten Partner konnten die Träger jederzeit per App orten. Außerdem meldeten die Sensoren Schäden, die durch Erschütterungen der Ladung entstehen. Im realen Einsatz kann die Fracht in solchen Fällen gezielt überprüft und bei Bedarf nachgeordert werden.

Im Praxistext zeigte sich auch, dass sich vor allem dann positive Business Cases ergeben, wenn sämtliche Partner der Lieferkette einbezogen sind – wodurch sich der Netzwerkgedanke noch einmal bestätigt. ■

* Martin Graßl ist Product Manager Digital Applications bei der Gebhardt Logistic Solutions GmbH in 93413 Cham, Tel. (0 99 71) 84 10, info@gebhardt.eu

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