Hinterlandanbindung

NRW-Koalition gut für Rotterdam

| Redakteur: Bernd Maienschein

Im Rotterdamer Hafen bieten mehrere unabhängige Terminals ihre Dienste für den effizienten Umschlag und die Lagerung von Waren an (im Bild die Europe Container Terminals).
Im Rotterdamer Hafen bieten mehrere unabhängige Terminals ihre Dienste für den effizienten Umschlag und die Lagerung von Waren an (im Bild die Europe Container Terminals). (Bild: Freek van Arkel)

Der nordrhein-westfälische Koalitionsvertrag wird vom Hafenbetrieb Rotterdam positiv bewertet. Darin wird ein neues Logistikkonzept für Nordrhein-Westfalen angekündigt. Die angestrebte Modernisierung der Industrie hin zu einer nachhaltigen Industriegesellschaft sei auch wesentlicher Bestandteil der Rotterdamer Hafenperspektive 2030, wie die Niederländer in einer Pressemeldung schreiben.

„Dieser Koalitionsvertrag, der Anfang der Woche offiziell in NRW von SPD und Bündnis 90/Die Grünen unterzeichnet wurde, bietet diverse Anknüpfungspunkte, um die gute Zusammenarbeit zwischen NRW und Rotterdam in den nächsten Jahren weiter zu intensivieren. Unsere Interessen und Zukunftsprognosen sind nahezu deckungsgleich, insbesondere beim Aufbau einer nachhaltigen Industrie, dem Ausbau der logistischen Infrastruktur zwischen NRW und seinem wichtigsten Seehafen sowie bei der Förderung der Binnenschifffahrt“, so Hans Smits, CEO und Präsident des Rotterdamer Hafenbetriebs.

Binnenschiffe sollen Güterverkehrswachstum auffangen

Im Koalitionsvertrag wird ein neues Logistikkonzept für NRW angekündigt, unter anderem, um das erwartete Wachstum im Güterverkehr zwischen Rotterdam und NRW optimal abzuwickeln. Ein effizienter und nachhaltiger Transport soll vor allem durch eine größere Rolle und bessere Nutzung der Binnenschifffahrt gefördert werden. Der Hafenbetrieb Rotterdam möchte sich gerne konstruktiv an diesem Prozess beteiligen. Vor allem die Verbesserung der Infrastruktur, die Realisierung multimodaler Knotenpunkte und der Bau des dritten Gleises der Betuwelinie zwischen Emmerich und Oberhausen erachtet der Hafenbetrieb Rotterdam als wichtigste Vorhaben.

„Angesichts des prognostizierten Güterwachstums auf der Schiene zwischen Rotterdam und dem Ruhrgebiet ist es wichtig, so schnell wie möglich den ersten Spatenstich zum Bau des dritten Gleises zu setzen. Die ersten Planfeststellungsverfahren sind angelaufen, im nächsten Schritt sollten Bundes- und Landesregierung kurzfristig ihre Unterschrift unter die notwendige Finanzierungsvereinbarung zur Betuwelinie setzen. Es ist in unser aller Interesse, dass der Bau des dritten Gleises nicht durch eine fehlende Finanzierungsvereinbarung verzögert wird. Die Signale, die ich dazu bislang aus Berlin und Düsseldorf erhalten habe, sind allerdings positiv“, so Smits. Eine Einführung einer Maut für den Binnenschifffahrtsverkehr sei hingegen sehr kontraproduktiv. Eine effizientere Logistik zwischen NRW und Rotterdam fördere zudem die Konkurrenzfähigkeit der nordrhein-westfälischen Wirtschaft auf dem Weltmarkt.

Rotterdam will nachhaltige Industriegesellschaft fördern

Das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel einer Modernisierung der Industrie hin zu einer nachhaltigen Industriegesellschaft ist wesentlicher Teil der Rotterdamer Hafenperspektive 2030. Der Hafenbetrieb Rotterdam sei daher gerne bereit, sich auch bei der im Koalitionsvertrag genannten „Allianz moderner Industrie“ einzubringen. Dieses Bündnis wird aus den wichtigsten Vertretern aus Wissenschaft, Kammern, Mittelstand, Gewerkschaften und Industrie bestehen. Ein wesentlicher Punkt, der in der Arbeit der Allianz Berücksichtigung verdiene, sei aus Sicht des Hafenbetriebes Rotterdam die Rohstoffsicherheit und Versorgungssicherheit mit Energie.

Darüber hinaus arbeitet man in Rotterdam an verschiedenen Versuchsprojekten für CCS (Carbon Dioxide Capture and Storage) und sieht durchaus Möglichkeiten, um auch bei der Stromproduktion oder Chemie in NRW freiwerdendes CO2 abzufangen und wiederzuverwenden oder in leeren Gasfeldern unter der Nordsee zu speichern. Auch hier könne eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit von gegenseitigem Vorteil sein.

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