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Logistik in der Krise Nur 48 Stunden – Politiker und Logistiker müssen handeln

Redakteur: Robert Weber

Die Welt zittert vor einem Freitag. Ob er kommt, weiß keiner. Die Logistik spielt an diesem Tag eine entscheidende Rolle. Blickt MM Logistik-Redakteur Robert Weber in die Zukunft?

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(Bild: Bundesarchiv, Bild 102-00133 unter CC-BY-SA-Lizenz, wikimedia)

Es wird ein Freitag sein, die glitzernden Bürotürme der Banker werden verwaist und die Börsen geschlossen sein. Der Putztrupp zieht bereits durch die leeren Flure. Dann, kurz nachdem an der Wall Street die letzte Pforte zugesperrt worden ist, lässt die Europäische Union die Bombe platzen: Das hoch verschuldete Griechenland tritt aus der Eurozone aus – ab sofort. Den Politikern bleiben 48 Stunden zur Beruhigung der nervösen Märkte. Der Freitagskrimi im Fernsehen wird unterbrochen. Claus Kleber muss sich erst mal sammeln, bevor er mit der Meldung auf Sendung geht.

Wer konnte schon mit Lehman rechnen?

Die Wirtschaft steht an diesem Wochenende am Abgrund. Ein unrealistisches Horrorszenario? Die Lehman-Pleite konnte sich vorher auch niemand vorstellen. In den Vereinigten Staaten bereiten sich Unternehmen deshalb bereits auf den Fall der Fälle bereits vor und Logistiker spielen in den Planungen der Konzerne eine sehr wichtige Rolle. Zahlreiche Unternehmensberatungen arbeiten eifrig an Exit-Strategien, berichten US-Medien. Für Merrill Lynch ist es sogar vorstellbar, Lkw mit Bargeld zu beladen und nach Griechenland zu schicken, damit die Gelder lokaler Kunden und Angestellten gesichert sind. Manche Firmen planen, einen Mitarbeiter mit 50.000 Euro Bargeld im Zug Richtung Athen zu schicken. Das Computersystem von Ford ist mittlerweile auf die Rückkehr zur Drachme oder einer anderen Währung vorbereitet, wird berichtet.

Lkw bleiben in den Depots

In Deutschland sind Fischkonserven an diesem schwarzen Freitagabend gefragt. Denn die Logistiknetzwerke brechen im Zuge des Athen-Schocks kurzfristig zusammen. Kein Lkw verlässt mehr die Logistikzentren der Republik. Die Chefs rufen ihre Fahrer auf der Straße zurück in die Depots. Unternehmen vertrauen sich untereinander nicht mehr, denn keiner weiß, wie es auf den Konten des Gegenübers in der kommenden Woche aussieht und welche Bank mit in den Strudel des Griechenlandaustritts gerissen wird. Schockstarre. Dazu kommen die Spekulanten, die nach dem Wochenende auf steigende Preise hoffen und ihre Waren bunkern. Am Montag sind die Supermärkte zwar nicht leergefegt, aber die Auswahl ist eingeschränkt.

Noch am Freitagabend setzen sich die wichtigsten Notenbanker zusammen. Eine neue Währung für Griechenland muss gedruckt werden. Die EZB hat vorgesorgt und die Geldpressen in ganz Europa angeschmissen. Der Auftrag an die Logistiker: Dienstleister sollen griechische Banken schnell mit neuen Geldscheinen und Münzen versorgen.

Am Montagmorgen klingelt der Wecker. Die Welt dreht sich noch. Der Bäcker hat frische Semmeln und auch der Rewe ums Eck wird vom Logistikdienstleister zuverlässig beliefert. Alles nur ein böser Albtraum. Noch einmal durchatmen.

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