Ifoy-Award Online sieben Sieger auf einen Streich

Autor / Redakteur: Bernd Maienschein / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Wie im Märchen muss es den Gewinnern des diesjährigen Ifoy-Awards vorgekommen sein: Im Februar, bei den Ifoy-Testtagen in Hannover, war (gefühlt) noch alles in Ordnung. Dann schlug das Covid-19-Virus erbarmungslos zu – alle Veranstaltungen wurden abgesagt und die Laune war im Keller. Die Ifoy-Organisation hat trotzdem einen Weg gefunden, die ermittelten Sieger würdig zu ehren – auf einer digitalen Bühne.

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Diesmal digital: Ifoy-Preisverleihung am Vorabend der „Hannover Messe Digital Days“ mit dem fliegenden Ifoy-Transformer „I-T20“.
Diesmal digital: Ifoy-Preisverleihung am Vorabend der „Hannover Messe Digital Days“ mit dem fliegenden Ifoy-Transformer „I-T20“.
(Bild: Ifoy)

Schon wieder eine Weltpremiere für die Ifoy-Organisation : Zum Auftakt der „Hannover Messe Digital Days“ am 14. und 15. Juli rockte am Vorabend die Ifoy-Preisverleihung im Transformers-Look die digitale Bühne. Der fliegende Roboter „I-T20“ – kurz für „IFOY Transformer 2020“ – hatte sich während der Preisverleihung in die Kategorien der Intralogistikauszeichnung verwandelt.

Die Ifoy-Juryvorsitzende Anita Würmser sagt zu dem neuen Konzept: „Besondere Zeiten erfordern besondere Lösungen. Und Veränderung ist der Schlüssel zum Erfolg. Die diesjährige Preisverleihung soll ein sichtbares Zeichen für die Kraft der Transformation setzen. Sie ist den besten Innovationen in der Intralogistik gewidmet und darüber hinaus den Menschen, die Logistik erst möglich machen.“

Seinen ersten Ifoy-Award schnappte sich Bosch Rexroth mit seiner Laser-Localization Software Locator in der Kategorie „Intralogistics Software“. Mithilfe eines Lasersensors bildet diese Lokalisierungssoftware automatisch die Umgebung ab – das ist die Basis für autonomes Fahren in Intralogistik und Produktion. Ausschlaggebend für die Juryentscheidung waren die einfache Inbetriebnahme der Software in Kombination mit der hohen Marktrelevanz und der hohen Qualität. Die Jurybegründung: „Die Innovation liegt in der Ausgestaltung des Locator, der konkret auf aktuelle Marktanforderungen ausgerichtet ist. Sowohl für die Automatisierung von Standard-Flurförderzeugen als auch für die Hersteller von Sonderlösungen ist der Locator eine interessante Innovation, da er sie vom Kompetenzaufbau in Sachen umgebungsbasierte Lokalisierung entkoppelt.“

Drohnen, wie diese hier unter dem Dach von Halle 4 der Deutschen Messe, werden künftig wohl vermehrt am Ifoy-Award teilnehmen.
Drohnen, wie diese hier unter dem Dach von Halle 4 der Deutschen Messe, werden künftig wohl vermehrt am Ifoy-Award teilnehmen.
(Bild: Bernd Maienschein)

In der Kategorie „Warehouse truck lowlifter“ hat der kompakte, wendige Combi-CS des irischen Spezialstaplerherstellers Combilift die Juroren überzeugt. Die patentierte Multipositionsdeichsel des Gabelhubwagens hatte es der Jury angetan. Die Jury: „Der Combi-CS bietet einen deutlichen Mehrwert in Sachen Betrieb und Sicherheit in engen Umgebungen und löst damit ein weit verbreitetes Problem.“ In solider Combilift-Qualität umgesetzt, sei das Fahrzeug eine sehr nutzerorientierte Lösung mit einer hohen Marktrelevanz.

Bei den „Warehouse truck highliftern“ war es wiederum der amerikanische Hersteller Crown, der das Rennen gemacht hat. Dessen Schubmaststapler hatte im Ifoy-Test mit dem Crown-typischen Komfort, vor allem aber mit einer um 25 % schnelleren Absenkgeschwindigkeit und der Rekuperation überzeugt.

Die Kraft der Transformation

Die Kategorie „AGV & Intralogistics Robot“ hat der autonome Routenzug „TractEasy“ des französischen Herstellers Easymile für sich entschieden. Der Elektroschlepper schafft eine Anhängerlast von 25 t und fährt mit bis zu 25 km/h sicher im Mischverkehr (Autos, Fußgänger, Fahrradfahrer). Bei den „Special Vehicles“ holte sich der Hybrid-Vollcontainerstapler SRSC45H9 des chinesischen Herstellers Sany die begehrte Trophäe. Er bietet Hubkapazität in der ersten, zweiten und dritten Reihe von 45, 31 und 15 t.

Die Paradedisziplin der Gegengewichtstapler konnte Still für sich entscheiden – mit dem im Oktober 2019 vorgestellten 2,5-t-E-Stapler RX 60. Die Jurymeinung dazu: „Noch nie zuvor war ein Stromer im Ifoy-Test so produktiv und eine so ernsthafte Alternative zu Verbrennern. Mit dem RX 60-25 in der High-Performance-Variante bricht Still alle Rekorde und setzt die Messlatte für Elektrostapler in diesem Segment um einiges höher.“ Den Ifoy-Award in der Kategorie „Start-up of the Year“ holte sich Wiferion – ehemals Blue Inductive – mit „etaLINK 3000“. Das erste zu 100 % kontaktlose Wireless-Charging-System für industrielle Elektrofahrzeuge ist voll einsatzbereit und ermöglicht eine schnelle und flexible Installation mittels Bodenplatten, die keinerlei Infrastrukturmaßnahmen mehr erfordern.

Nach dem Spiel ist ​vor dem Spiel

Doch nach dem Spiel ist vor dem Spiel und mit dem Ifoy-Procedere vertraute Leser fragen sich schon, welche Neuerscheinungen im Jahr 2021 zur Spitzenklasse der Intralogistik gehören. Unmittelbar im Anschluss an die diesjährige virtuellen Preisverleihung ist der aktuelle Bewerbungsprozess für den Award „International Intralogistics and Forklift Truck of the Year 2021“ gestartet, zu dem sich wieder Anbieter von Produkten und Lösungen aus der Intralogistik bewerben können.

Außer Gabelstaplern, Lagertechnikgeräten und Sonderfahrzeugen sind für eine Bewerbung zugelassen: fahrerlose Transportfahrzeuge (FTF)/fahrerlose Transportsysteme (FTS), Shuttles, Roboter, Lastenfahrräder, Drohnen, Krane, Software und Apps sowie erfolgreich realisierte, ganzheitliche Lagerkonzepte. Darüber hinaus werden herausragende technische Details oder Komponenten prämiert, wie zum Beispiel ergonomische Innovationen, Sicherheitslösungen oder Automatisierungskomponenten. In der Kategorie „Start-up of the Year“ können sich neu gegründete Unternehmen mit innovativen Prototypen oder funktionsfähigen Entwicklungen um einen Ifoy-Award bewerben.

Der Award „International Intralogistics and Forklift Truck of the Year“ (Ifoy) – anfangs nur „International Forklift Truck of the Year“ – hat sich inzwischen als Indiz für Wirtschaftlichkeit und Innovation etabliert und gilt aufgrund seiner fachlichen Expertise als maßgeblicher Innovationspreis in der Intralogistik. Die Jury, der die Chefredakteure internationaler Leitmedien der Logistik angehören – unter anderen auch der Chefredakteur dieser Fachzeitschrift (Anm. d. Redaktion) – entscheidet unabhängig, nach transparenten Kriterien und auf der Basis fachlicher Expertise.

Basis der Entscheidung ist ein dreistufiges Audit: Die für das Finale nominierten Geräte und Lösungen durchlaufen anlässlich der Ifoy Test Days Anfang 2021 auf dem Messegelände in Hannover wieder individuell abgestimmte Fahr- oder Funktionstests, darunter das rund 80 Kriterien umfassende Ifoy-Testprotokoll sowie den wissenschaftlichen Ifoy Innovation Check. Entscheidend ist, dass die Nominierten nicht miteinander verglichen werden, sondern mit ihren Wettbewerbsgeräten am Markt. ■

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