Risikomanagement

Orientierungshilfe für Entscheider

| Autor / Redakteur: Frank Drolsbach / Benedikt Hofmann

Risikoingenieure sind weltweit im Einsatz.
Risikoingenieure sind weltweit im Einsatz. (Bild: FM Global)

Preisdruck und hohe Lohnkosten tragen dazu bei, dass Unternehmen ihre Produktion in kostengünstigere Länder verlegen. Doch diese Staaten bieten nicht nur finanzielle Vorteile, sondern auch mögliche Störungen für die Lieferkette. Einen ersten Überblick über risikoreiche Faktoren gibt der jährlich erscheinende FM Global Resilience Index.

„BRIC“-Staaten, „Next-Eleven“-Länder und „ASEAN“: Diese Beispiele sind nur eine Auswahl von Ländergruppen, die in den vergangenen Jahren in das Rampenlicht des wirtschaftlichen Interesses gerückt sind. Wer im Wettbewerb mithalten möchte, produziert im kostengünstigeren Ausland – zunehmend in Gegenden, in denen man unter normalen Umständen keinen Geschäftsbetrieb aufnehmen würde. Erdbeben in China, starke Stürme auf den Philippinen oder Überschwemmungen in Indonesien: Diese Beispiele zeigen, mit welchen möglichen Betriebsunterbrechungen ein Unternehmer im Ausland zu rechnen hat – und: wie wichtig die Rolle des Versicherungspartners ist.

Bevor der Grundstein des ausländischen Produktionsstandortes gelegt wird, sollten sich Entscheider mit dem Portfolio ihres Versicherungspartners auseinandersetzen. Welche Möglichkeiten besitzt die Versicherung zum Beispiel zur Risikobewertung im Ausland? Existieren über die chinesische Provinz Fujian oder die vietnamesische Region Mekongdelta genauso gute Ortskenntnisse wie über das baden-württembergische Oberkochen oder das niederbayerische Dingolfing? Von Vorteil sind ferner regelmäßige Vor-Ort-Besuche durch Risikoingenieure. Dadurch kann man ein klares Bild von möglichen Risiken aufzeichnen und jeweils maßgeschneiderte, praxisgerechte und wissenschaftlich geprüfte Lösungen zur Verbesserung des Risikomanagements anbieten.

Frank Drolsbach, Operations Engineering Manager Germany bei FM Global: „Preisdruck und hohe Lohnkosten tragen dazu bei, dass Unternehmen ihre Produktion in kostengünstige Länder verlegen. Doch diese Staaten bieten nicht nur finanzielle Vorteile, sondern auch mögliche Störungen für die Lieferkette.“
Frank Drolsbach, Operations Engineering Manager Germany bei FM Global: „Preisdruck und hohe Lohnkosten tragen dazu bei, dass Unternehmen ihre Produktion in kostengünstige Länder verlegen. Doch diese Staaten bieten nicht nur finanzielle Vorteile, sondern auch mögliche Störungen für die Lieferkette.“ (Bild: FM Global)

Weltweit 1800 Risikoingenieure

Der Industriesachversicherer FM Global verfügt zum Beispiel über 1800 gut ausgebildete und weltweit tätige Schadenverhütungsingenieure – eine einmalige Zahl im Wettbewerbsvergleich. Diese Ingenieure besuchen nicht nur die internationalen Betriebsstätten der Kunden, sondern auch die Zulieferstandorte. Bei jeder Begehung wird der gesamte Produktionsstandort detailliert analysiert: von den einzelnen Büroräumen und Labors über die Produktions- und Lagergebäude bis hin zu den Außenanlagen und Dächern. Am Ende eines jeden Rundgangs werden dem Versicherungsnehmer die größten und wichtigsten Gefahren am Standort aufgezeigt und Empfehlungen zur Risikominimierung ausgesprochen. Um mögliche Risiken für eine Betriebsunterbrechung besser erklären zu können, nutzen die Ingenieure Video- und Forschungsmaterial aus dem Research Campus in West Glocester in Rhode Island (USA). Dieses über 600 ha große Testzentrum ist eines der innovativsten Forschungszentren der Welt und umfasst neben den Labors für Hydraulik, Elektrogefahren und Brandtechnik auch ein Labor zur Erforschung von Elementarrisiken.

Resilience Index: Orientierungshilfe für Entscheider

Einen weiteren Service, den FM Global nicht nur Kunden, sondern allen Interessierten anbietet, ist der jährlich erscheinende Resilience Index. Dieses datenbasierte Tool eignet sich als grundlegende Orientierung für Lieferketten- und Expansionsstrategien. Den Gesamtpunktzahlen der analysierten Länder liegen neun Treiber zugrunde, von denen die betriebliche Resilienz gegenüber Lieferkettenunterbrechungen abhängt und die zu den folgenden drei Faktoren zusammengefasst werden: Wirtschaft, Risikoqualität und Lieferkette. Während die Treiber zur Bewertung des Wirtschaftsfaktors das „Bruttoinlandsprodukt pro Kopf“, das „politische Risiko“ und die „Ölintensität“ umfassen, wird der Faktor Risikoqualität durch „vorherrschende Elementarrisiken“ sowie durch die „Qualität des Risikomanagements bei Elementar- und Brandrisiken“ bestimmt. Der Faktor Lieferkette setzt sich zusammen aus der „Qualität der Infrastruktur“, der „Qualität der lokalen Zulieferer“ sowie der Wahrnehmung der „Korruptionskontrolle“ in einem Land.

Sämtliche Daten, die in den Index einfließen, stammen aus vertrauensvollen Quellen: dem Internationalen Währungsfonds, der US Energy Information Administration, der Weltbank und dem Weltwirtschaftsforum. Die Informationen zum Faktor Risikoqualität wurden von FM Global selbst gesammelt. Genutzt wurden hierbei die Analysen der 1800 Risikoingenieure, die weltweit mehr als 100.000 versicherte Standorte regelmäßig besuchen.

In der aktuellen Ausgabe des Resilience Index belegt die Schweiz den Spitzenplatz – gefolgt von Norwegen, Irland und Deutschland auf Platz vier. Das Schlusslicht des Rankings von 2016 bildet zum zweiten Mal in Folge Venezuela. Die Gründe dafür sind unter anderem die vorherrschenden Elementarrisiken (Wind- und Erdbebengefahr), die mangelhafte Infrastruktur sowie die als schlecht wahrgenommene Qualität der lokalen Zulieferer.

Das Beispiel Venezuela zeigt erneut, welche Bedeutung der Vorbereitung zukommt, wenn der Schritt ins Ausland gewagt wird. Ferner sollten die bekannten Risiken, die zu einer Betriebsunterbrechung führen könnten, durch ein maßgeschneidertes Risikomanagement minimiert werden. Bei dieser Aufgabe kann der Versicherungspartner kontinuierlich mit Empfehlungen helfen. ■

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