Logistik Performance Measurement auf dem Vorfeld

Autor / Redakteur: Evi Hartmann, Christopher Jahns und Stephan Schmidberger / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Messerscharfer Wettbewerb und niedrige Margen: Die Flughafenlogistik teilt das schwere Los vieler Teilmärkte der Logistik — und boxt sich mit Hilfe wissenschaftlicher Unterstützung frei.

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Dass Billigflieger den traditionellen Airlines in der Luft das Leben schwer machen, weiß jeder Urlauber. Doch heutzutage entscheidet sich der Wettbewerb entlang der logistischen Wertschöpfungskette zunehmend auch auf dem Boden.

Logistik-Wettbewerb in der Luft und am Boden

Es geht um die sogenannte Vorfeldlogistik, vulgo: das Herumschleppen der Fracht und des Reisegepäcks vom und zum Flugzeug. Jeder Flughafenbetreiber macht‘s. Aber welcher ist so effektiv und vor allem so kosteneffizient, dass er im Wettbewerb die Nase vorn hat?

Jedes Unternehmen möchte besser als die Mitbewerber sein. Doch wann ist ein Unternehmen besser? „You can‘t manage what you can‘t measure.“ Neudeutsch ausgedrückt: Wer besser sein will, braucht ein Performance-Measurement-System in Verbindung mit einem konkurrenzbezogenen Benchmarking. Und obwohl die großen europäischen Flughäfen mächtig unter Konkurrenzdruck stehen, gab es bisher seltsamerweise keine Untersuchung über Performance-Measurement-Systeme zur Steigerung der Effektivität, respektive der Prozess-Effizienz der Vorfeldlogistik. Das hat sich jüngst radikal geändert.

Balanced Scorecard soll Logistik voranbringen

Zusammen mit Flughafenbetreibern aus Deutschland, Frankreich und Italien erarbeitete ein Team des Supply-Management-Institutes (SMI) der European Business School ein Performance-Measurement-System für die Vorfeldlogistik. In zahlreichen Workshops konzipierten Flughafenmanager gemeinsam mit SMI-Wissenschaftlern ein Forschungsdesign und konkrete Performance-Indikatoren auf Basis der klassischen vier Ebenen der Balanced Scorecard:

  • Mitarbeiterperspektive, zum Beispiel Mitarbeitermotivation, -fluktuation und -qualifikation
  • Prozessperspektive, zum Beispiel Verzögerungen und Unfälle
  • Marktperspektive, zum Beispiel Kundenzufriedenheit
  • Finanzperspektive, zum Beispiel EBIT, ROCE oder WLU.

Nachdem das Forschungsdesign stand, begaben sich die Forscher getreu dem Action Research Approach in die Welt der Vorfeldlogistik, wo sie auf dem Wege der teilnehmenden Beobachtung ihre Eindrücke von der Prozesseffizienz vor Ort sammelten und gemeinsam mit den Praxispartnern das neue Performance-Measurement-System entwickelten. Jeder der teilnehmenden Airports unterzog seine Performance einer detailgenauen Messung und schickte seine Daten an das SMI-Team. Was sicher mit eine der erstaunlichsten Tatsachen der Studie ist: Messerscharfe Konkurrenten einigen sich auf ein gemeinsames Studiendesign und geben hochbrisante Daten vom Herz ihrer Logistikperformance nach draußen — um sich Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.

Logistik-Verbesserungen haben sich gelohnt

Ein Jahr nach der Kommunikation der Benchmarking-Erkenntnisse berichteten die für das Ground Handling der Airports Verantwortlichen über die zahlreichen Verbesserungen, die das Performance-Measurement-System angestoßen hat. So hatten zum Beispiel Unterschiede zwischen den verglichenen Airports bei den Krankheitsraten der Mitarbeiter untrüglich auf mangelnde Mitarbeitermotivation hingewiesen.

In Konsequenz konzipierten und implementierten die betroffenen Airports Motivationsprogramme. Teilweise löste die Studie auch Veränderungen in den Organisationen aus, wie zum Beispiel die Implementierung einer kundenspezifischen Qualitätsbewertung von strategisch relevanten Prozessen. Hierbei geht es darum, spezifischen Kunden spezifische Leistungen anzubieten — und den Grad der wahrgenommenen Leistungserfüllung auch zu messen. Denn nur wer die Kundenzufriedenheit misst, weiß, ob er richtig liegt. Alles in allem ein gelungenes Beispiel dafür, dass erstaunlicherweise selbst Konkurrenten profitieren können, wenn sie unter dem Dach der Wissenschaft gemeinsamen Erkenntnisgewinn betreiben.

Prof. Dr. Christopher Jahns ist Rektor und CEO der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel und Executive Director des Supply-Management-Institute (SMI) in Wiesbaden; Prof. Dr. Evi Hartmann ist Juniorprofessorin an der EBS und Research Director Purchasing und Supply Management am SMI; Stepfan Schmidberger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am SMI.

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