Kommissionieren Pick-by-Voice spart Zeit und Geld beim Kommissionieren

Redakteur: Claudia Otto

Das Kommissionieren mit Pick-by-Voice spart Zeit und Geld. Aus diesem Grund hält diese Methode in immer mehr Branchen Einzug. Dank einfacher Bedienbarkeit und guter Technik können sich auch die Kommissionierer mit der Computerstimme als Arbeitskollegen anfreunden.

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Voice-Systeme werden heute in immer mehr Branchen genutzt“, sagt Dirk Becker, Business Development Manager bei dem Sprachtechnologie-Spezialisten Vocollect Europe. „Kamen sie bisher vor allem im Handel im Bereich der Frischelogistik zum Einsatz, finden sie heute mehr und mehr auch bei Handelsunternehmen der Kosmetik- und Autoteileindustrie Verwendung.“ Ebenso lasse sich in der Ersatzteil- und Produktionslogistik sowie bei Logistikdienstleistern und in der Consumer-Goods-Industrie eine wachsende Nachfrage nach Voice-Systemen beobachten.

Beide Hände beim Kommissionieren frei haben und dabei flüssig arbeiten

In den verschiedenen Branchen haben sich Pick-by-Voice-Systeme im Bereich der manuellen Kommissionierung etabliert. „Hier konnte man mit der Einführung dieser Technologie im Vergleich zu mobiler Datenerfassung mittels MDE-Geräten eine Verbesserung erzielen“, weiß José da Silva, Leiter Vertrieb und Marketing der ICS International AG, Anbieter von IT-Systemen. „Der Wunsch der Kommissionierer war es, beide Hände frei zu haben und dabei flüssig zu arbeiten.“

Inzwischen komme diese Methode bei der Kommissionierung von Gebinden, Kartonagen und Ähnlichem sowie zunehmend auch im Wareneingang und Warenausgang zum Einsatz. Marco Ehrhardt, geschäftsführender Gesellschafter des Generalunternehmers Ehrhardt + Partner, ergänzt: „Pick-by-Voice bewährt sich überall dort, wo ein sicheres Zupacken und der Einsatz beider Hände notwendig sind – beispielsweise bei schweren oder unhandlichen Artikeln, bei großen Mengen oder aber auch bei filigranen Waren.“

Pick-by-Voice bietet zahlreiche Vorteile beim Kommissionieren

Im Vergleich zu anderen Kommissioniermethoden weist Pick-by-Voice zahlreiche Vorteile auf. Ehrhardt dazu: „Die Technologie steigert die Kommissionierqualität erheblich – und das entlang der gesamten Prozesskette. Während der Mitarbeiter bei der papiergebundenen Kommissionierung anhand von Listen seine Aufträge ansteuert, wird er mit Pick-by-Voice – sprachgesteuert über das Headset – wegeoptimiert durch das Lager geführt.“ Dadurch steige die Arbeitsgeschwindigkeit und damit die Anzahl der bearbeiteten Aufträge.

„Beim Entnahmevorgang hat der Mitarbeiter mit Pick-by-Voice nicht nur Blickfreiheit, sondern auch beide Hände frei. Das erhöht die Konzentration und senkt die Fehlerquote erheblich“, so Ehrhardt weiter. „All diese Optimierungen in den Kommissionierabläufen tragen schließlich zu einer kurzen Amortisierungsdauer und der Reduzierung der Lagerhaltungskosten bei.“

Bis zu 23% schneller kommissionieren als mit MDE-Geräten oder Scannern

Pick-by-Voice spart also Zeit und Geld. Dies belegt jetzt auch eine Untersuchung der Refa, Deutschlands führenden Verbands für Arbeitsgestaltung, Betriebsorganisation und Unternehmensentwicklung. Den Ergebnissen zufolge ist Pick-by-Voice nicht nur erheblich effizienter als Pick-by-Paper, sondern auch als Pick-by-Scan.

In der Untersuchung am Institut für Angewandte Warehouse-Logistik (IAW) waren erfahrene Picker mit Vocollect Voice je nach Kommissionierart 17 bis 23% schneller als mit MDE-Geräten und Scannern. Beim Multi-Order-Picking benötigten sie sogar 36% weniger Zeit pro Durchgang. Im Vergleich zu papierbasierter Kommissionierung ergaben sich mit dem Kommissionieren nach Stimme – ohne Berücksichtigung von Multi-Order – Zeitvorteile von 25 bis 35%.

Der Vocollect-Fachmann Becker fasst zusammen: „Je nachdem, welche Technologien und Pickprozesse verglichen werden, sind sprachgestützte Prozesse bis zu 35% schneller.“ Aber nicht nur die hohe Effizienz, auch die hohe erreichbare Qualität zählt laut Becker zu den wichtigen Vorzügen: „Mit Voice liegt die Ausführungsgenauigkeit bei 99,99%, das heißt, die Fehlerquoten gehen gegen null. Damit fallen auch entsprechende Folgekosten weg, die bei manchen Produkten mehrere tausend Euro pro Fehler betragen können.“ Dies verkürze die Amortisationszeit der Voice-Investition zum Teil erheblich, meist liege sie dadurch unter einem Jahr.

Großteil der Kommissionierer mit Pick-by-Voice zufrieden

Doch abgesehen von den Vorteilen, die Unternehmen durch den Einsatz von Pick-by-Voice haben, sind auch die Akzeptanz und die Zufriedenheit der Mitarbeiter mit dem System ausschlaggebend für den erfolgreichen Einsatz. Denn bei dieser Kommissioniermethode müssen die Mitarbeiter einen großen Teil ihrer Arbeitszeit mit einer Computerstimme kommunizieren.

Die Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution BGHW, Mannheim, hat daher Kommissionierer, die mit einem Pick-by-Voice-System arbeiten, anonym nach ihrer Zufriedenheit und Gesundheit befragt. Die meisten beurteilten das Arbeiten mit dem Pick-by-Voice-System positiv. Besonders die Bewegungsfreiheit der Hände werteten sie als Vorteil.

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Allerdings fühlten sich einige Kommissionierer durch das Tragen des Kopfhörers etwas eingeschränkt und auch die Verständigung zwischen Computer und Kopfhörer lief nicht immer optimal. Besonders bei lauten Umgebungsgeräuschen kam es vor, dass der Computer die Antwort des Kommissionierers missverstand. Für dieses Problem gibt es aber Abhilfe.

Der Logistikplaner Ehrhardt + Partner setzt für seinen Pick-Manager zum Beispiel auf die Voice-Geräte von Vocollect. „Über diesen Partner sind spezielle Starklärm-Headsets für laute Umgebungen erhältlich, die gleichzeitig auch Störgeräusche im Hintergrund am Mikrofon herausfiltern“, sagt der Geschäftsführer Marco Ehrhardt.

Nebengeräusche stören beim Kommissionieren nicht mehr

„Spezielle sprecherabhängige Spracherkennungssoftware auf der einen Seite und spezielle lärmunterdrückende Mikrofone auf der anderen Seite sorgen dafür, dass die Ansagen der Nutzer von Vocollect Voice jederzeit optimal erkannt werden“, bestätigt der Vocollect-Spezialist Dirk Becker. Der Systemintegrator ICS International bietet ebenfalls Systeme für Bereiche mit lauten Umgebungsgeräuschen an, wie der Marketing- und Vertriebsleiter da Silva, berichtet: „Unsere Systeme sind alle so ausgelegt, dass Nebengeräuche wie laute Stapler oder Paletten, die auf den Boden aufschlagen, herausgefiltert werden.“

Vor der Einführung müssen in einem Betrieb, der ein Pick-by-Voice-System nutzen möchte, allerdings gewisse Bedingungen erfüllt sein. Denn „Pick-by-Voice ist die effektivste Kommissioniertechnik – aber keine Wunderwaffe zur Leistungssteigerung im Lager“, erklärt Marco Ehrhardt. „Der erfolgreiche Einsatz setzt immer voraus, dass auch die vor- und nachgelagerten Prozesse im Takt mit Pick-by-Voice arbeiten. So ist Pick-by-Voice beispielsweise ohne bedarfs- und zeitgerechte Nachschubsteuerung wenig sinnvoll.“

Funktionssicheres WLAN und Schnittstellen zum Kommissionieren nötig

Was braucht der Betrieb also konkret? „Im Wesentlichen ist dies ein funktionssicheres WLAN mit guten Übertragungswerten“, so da Silva. „Weiterhin sind die Schnittstellen an LVS-Systeme ein wichtiger Punkt. Hier bieten wir neben unserer eigenen Schnittstelle an unser LVS-System Stradivari auch Schnittstellen zu Fremdsystemen, wie zum Beipiel SAP, an.“

Zudem sollte die Serverlandschaft entsprechend dimensioniert sein, wie der Experte erläutert. „Die Endgeräte sollten Sprachunterstützung haben und entsprechend mit dem neuesten Betriebssystem wie Windows Mobile ausgestattet sein. Die Hardware, beipielsweise das Mikrofon, sollte so ausgewählt werden, dass sie klar und präzise die Informationen wiedergibt“, meint der Fachmann.

Kommissionieren mit Pick-by-Voice auch im Tiefkühlbereich

Für Einsätze in Tiefkühlbereichen gibt es laut da Silva entsprechende Endgeräte, die auch härtere Umwelteinflüsse überstehen können. „Der Einsatz dieser Technik ist auch für Ungeübte einfach. Fremdsprachige Mitarbeiter mit Akzent erkennt unser System ebenso gut wie Hochdeutsch Sprechende“, sagt da Silva. Die Einführung beträgt nach Aussage des Experten in der Regel nur wenige Tage.

Dennoch zeigte die Befragung des BGHW, dass der Einführungsphase eines solchen Systems eine besondere Bedeutung zukommt. Mitarbeiter sollten demnach so früh wie möglich in die Planung miteinbezogen werden. Das schaffe Vertrauen und baue Berührungsängste im Umgang mit der neuen Technik ab.

Voicesystem will dem Kommissionierer mit Ergonomie entgegenkommen

Dem Anwender besonders entgegenkommen dürfte der Voice-Client PL-Voice 8.25 des Systemhauses Prologistik. Nach Angaben des Herstellers ist das Gerät ergonomisch gestaltet und einfach zu bedienen. Das System mit sprecherunabhängiger Spracherkennung kommuniziert online mit dem Applikationsserver.

Der Betrieb ohne Sprachprofile mache das System kostensparend. Durch die kabellose Bluetooth-Kommunikation kann beim Anschluss der Peripherie vollständig auf klassische Steckkontakte verzichtet werden. Das Voice-System könne aber auch mit den kabelgebundenen Zubehörkomponenten genutzt werden. Die Einsatzmöglichkeiten sind den Angaben zufolge unabhängig von Lagerort, Transportmedium und stetigem Wechsel desselben.

Jegliche Informationen beim Kommissionieren zu jeder Zeit für alle verfügbar

Der Generalunternehmer Ehrhardt + Partner vertritt das interaktive Voice-Picking. „Das heißt, alle Informationen zu jeglichen Warehouse-Prozessen stehen zu jeder Zeit mit hinreichender Informationstiefe für alle beteiligten Prozesse zur Verfügung“, so Ehrhardt.

Zwischen dem Lagerführungssystem LFS 400 von Ehrhardt + Partner und dem sprachbasierten Kommissioniersystem Talkman von Vocollect besteht eine permanente Datenverbindung über WLAN. „Statt der einmaligen Übertragung der gesamten Pickliste werden die Picks einzeln in Echtzeit übermittelt“, so der Fachmann.

Die Transporte werden dabei in ihre Teilschritte zerlegt und von LFS 400 laufend überwacht. Der Talkman gibt zu jedem abgearbeiteten Teilschritt eine definierte Rückmeldung an LFS 400. „So weiß LFS 400 zu jedem Zeitpunkt, was gerade im Lager geschieht, und kann proaktiv das gesamte Geschehen steuern sowie den Daten- und Materialfluss synchronisieren. Dadurch kommt beispielsweise der Nachschub zur rechten Zeit und nicht erst dann, wenn der Kommissionierer am leeren Fach steht und aufgefordert wird, Ware zu entnehmen“, erklärt Ehrhardt.

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