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Förderanlagen Probebetrieb erfolgreich – Logistik bereit für den Start

Redakteur: Robert Weber

Tausende Komparsen testen in den letzten Wochen vor der Inbetriebnahme des neuen Flughafens BBI in Berlin die Gepäckfördertechnik. Die Sortierleistung stimmt, die Check-in-Prozesse funktionieren und an das Heathrow-Dilemma verschwendet man keine Gedanken. Die Berliner sind vorbereitet.

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Gähnende Leere: Noch, denn am 3. Juni wird im Untergrund des Flughafens gearbeitet, damit im Live-Betrieb alles glatt läuft. (Bild: BBI)
Gähnende Leere: Noch, denn am 3. Juni wird im Untergrund des Flughafens gearbeitet, damit im Live-Betrieb alles glatt läuft. (Bild: BBI)

Am 3. Juni muss alles rund laufen am neuen Großflughafen BBI in Berlin. Dann starten und landen die ersten Jets in der Bundeshauptstadt. Tegel und Schönefeld werden in der Nacht dicht gemacht. Die Verantwortlichen vor Ort proben bereits seit einigen Monaten die Prozesse im und unter dem Terminal, denn auch die Gepäckförderanlage muss ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.

Förderanlage sortiert 300.000 Gepäckstücke im Probebetrieb

Bis Mitte Mai testet die Betreibergesellschaft an über 80 Tagen die Förderanlage made by Vanderlande. Etwa 300.000 Gepäckstücke sortiert die Technik schon während des Probebetriebs. Bereits im Dezember vergangenen Jahres konnten die Berliner deshalb stolz verkünden, dass die Sortierleistung ihrer Anlage bei 15.000 Gepäckstücken pro Stunde und die Speicherkapazität der Anlage bei rund 1350 Gepäckstücken liegt.

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Rund 10 km schlängelt sich die Förderanlage mit zwei Sortern durch den Bauch des Flughafens. Im Detail heißt das: Gurtbandförderer, elektrische Kippschalensorter, Vertisorter, Horizontalverteiler und verschiedene Scanner wurden von den Vanderlande-Technikern in der Gepäcksortierhalle mit 20.000 m² Bruttogrundfläche verbaut.

Das niederländische Unternehmen setzte sich bei einer europaweiten Ausschreibung mit Präqualifikation durch. Anhand eines Punktesystems, das Qualität und Preis berücksichtigt, überzeugte der Förderanlagenspezialist aus Veghel die Flughafen-Manager, Architekten und Planer. Die Anforderungen der Hauptstädter: die Kapazität erreichen, höchste Ausfallsicherheit, einfache Wartung, hohe systemimmanente Redundanz und die Möglichkeit, die vielen unterschiedlichen Gegenstände zu transportieren und zu sortieren. Denn im Flughafenbetrieb darf es keine Störung in den Abläufen geben.

Komparsen proben die Abläufe vom Check-in bis zum Flugzeug und zurück

Für die Prozesslandschaft der Anlage zeichnet die Firma Suisseplan Ingenieure aus Zürich verantwortlich. In enger Abstimmung mit den Architekten von JSK und GMP entwickelten die Eidgenossen eine nach eigenen Aussagen kompakte Anlage mit hoher Flächenproduktivität. Das kostet. Die Bausumme beläuft sich auf 45 Mio. Euro. Dafür bekamen die Berliner unter anderem 112 Check-in-Schalter inklusive zweier Schalter für Großgepäck, die an die Förderanlage angebunden sind.

Komparsen aus dem Berliner Umland proben auch die Check-in-Prozesse. Rund 10.000 Freiwillige testen die Prozesse von der Gepäckabgabe, den Sicherheitskontrollen bis zum Betreten des Flugzeugs. Das Ergebnis aus Sicht der Fördertechniker: Vom Check-in bis zum Sortierrundlauf braucht ein Koffer durchschnittlich drei bis vier Minuten.

Auch der umgekehrte Weg – vom Flugzeug zum Taxi – wird im Probebetrieb intensiv geübt. Für die Förderanlage bedeutet das, an den acht Ankunftsrundläufen ist viel Betrieb. Im Probelauf spielen die Verantwortlichen mit den Freiwilligen darüber hinaus verschiedene Szenarien durch: Massenprobebetriebstage mit 1000 Komparsen oder der Ausfall der IT-Systeme.

Intensive Schulung für den großen Tag im Sommer

In der Vergangenheit setzten Flughäfen bei solchen Probeläufen oft junge Wehrpflichtige ein, berichtet ein Unternehmensberater für Flughafenprozesse. Diese waren aber oft zu strukturiert und entsprachen in der Mehrzahl nicht den normalen Reisenden mit ihren vielen kleinen Problemen. Der Durchschnittsbürger ist mittlerweile gefragt. Deshalb konnten sich beim BBI Interessierte direkt bewerben. Am Ende landeten viele potenzielle Komparsen auf einer langen Warteliste.

Im Vorfeld des Probebetriebs standen aber die Schulungen der Mitarbeiter. Das Motto: Nur wer geschult ist, darf auch zum Probebetrieb. Das Ziel: Probleme bei der Inbetriebnahme, wie es sie bei dem Terminal 5 in London-Heathrow gab, zu vermeiden. Die Techniker schränken aber ein: Eine Fehlfunktion der Gepäckanlage gab es in London damals nicht.

Die Probleme können nicht auf die Fördertechnik zurückgeführt werden. Die Abfertigungsschwierigkeiten waren menschlicher Natur. In Berlin hat man vorgesorgt. Und auch die Techniker von Vanderlande stehen im Notfall bereit. Sie werden bis sechs Monate nach Inbetriebnahme des Flughafens vor Ort sein.

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