Suchen

Interview Produktivität und Effizienz brauchen Automatisierung

Toyota Material Handling Europe ist Teil der Toyota Industries Corporation (TICO) mit Europazentrale in Mjölby, Schweden. In Europa und auch in Deutschland verfolgt der Weltmarktführer ehrgeizige Ziele: Mittelfristig will man auch hier die Nummer eins werden. Wir sprachen mit dem Deutschlandgeschäftsführer Norman Memminger.

Firmen zum Thema

„Logiconomi“ beschreibt die Toyota-Philosophie und setzt sich aus „Logistics“ und „Economy“ zusammen.
„Logiconomi“ beschreibt die Toyota-Philosophie und setzt sich aus „Logistics“ und „Economy“ zusammen.
(Bild: TMHD)

Toyota Material Handling Europe (TMHE) verfügt über drei europäische Produktionszentren: Die Werke im französischen Ancenis und im italienischen Bologna stellen Gegengewichtsstapler her, im schwedischen Mjölby werden elektrisch angetriebene Lagertechnikgeräte, Handhubwagen und Spezialfahrzeuge gefertigt.

Herr Memminger, kann man die in Europa und insbesondere in Deutschland verkauften Geräte überhaupt noch als „Japaner“ bezeichnen? Wie hoch ist deren „local content“ und bleiben sie in Europa?

Die Frage ist durchaus berechtigt. Unsere Wurzeln liegen in Japan. Jedoch entwickeln und produzieren wir bereits seit vielen Jahren über 90 % unserer Produkte an diesen Standorten. Nur die hochtonnagigen Geräte der Tonero-Reihe importieren wir.

Norman Memminger ist seit 2012 Geschäftsführer von Toyota Material Handling Deutschland.
Norman Memminger ist seit 2012 Geschäftsführer von Toyota Material Handling Deutschland.
(Bild: TMHD)

Der Umzug von Langenhagen nach Isernhagen: War die Konzentration der Kräfte hierfür ausschlaggebend, Prozessverbesserungen oder sind Sie schlicht an Ihre räumlichen Grenzen gestoßen?

Vor gut zwei Jahren waren wir von den Zentralfunktionen her gesehen noch völlig zergliedert – was in der jüngeren Historie unseres Unternehmens lag. Über die Jahre sind wir so gewachsen, dass wir fünf zusätzliche Lager angemietet hatten! Unsere Kapazitätsgrenzen waren schlicht erschöpft. Und als Grundlage für unser angestrebtes Wachstum haben wir beschlossen, in einer neuen Immobilie in Isernhagen alle Zentralbereiche zu bündeln. Das heißt aber nicht, dass wir Standorte geschlossen haben. Unsere Vertriebszentren, wir nennen diese Toyota-Stapler-Center (TSC), sind weiterhin dezentral platziert. In der Zwischenzeit haben wir hier sogar investiert und ein weiteres TSC in Frankfurt eröffnet. Vielleicht auch nicht das letzte. Der Kunde erwartet, dass gewisse Funktionen lokal vor Ort angesiedelt sind. Etwa das Mietgeschäft oder der Vertrieb sollten nahe am Markt platziert sein – und vor allem der Kundendienst. Das macht aus Effizienzgründen auch Sinn.

Der Umzug war also rein geostrategisch motiviert?

Von Langenhagen nach Isernhagen zu gehen, hatte auch noch einen anderen Grund: Es war quasi der Abschluss für unseren Merger zwischen Toyota Gabelstapler und BT. Damit haben wir das neue Kapitel Toyota Material Handling Deutschland aufgeschlagen. Ja, wir kommen aus zwei starken Organisationen. Lasst uns die Stärken bündeln und uns zielgerichtet als eine Organisation präsentieren! Das war das Reizvolle und Herausfordernde zugleich. Wenn Sie uns besuchen, können Sie unsere Philosophie sehen: offen, transparent und alle Funktionen auf kurzen Wegen erreichbar. Wir haben technischen Support, eine Demo-Area und nicht zu vergessen: unsere Werkstatt, in der wir TPS implementiert haben.

Auf der Cemat-Preview haben Sie angedeutet, dass Sie mit Ihrem Systemgeschäft dreimal so viel Personal brauchen wie im letzen Jahr?

Ja, der Bereich Automation war vor zwanzig, fünfundzwanzig Jahren schon einmal ein Trend, mit induktionsgeführten Fahrzeugen. Man hat jetzt aber durch die neue Technologie, durch neue Steuerungsanbindungen, durch die neue Software neue Möglichkeiten. Das hat in den letzten Jahren zu einer starken Belebung geführt. Zusätzlich beflügeln Randbedingungen die neue Technik. Das sind einerseits die hohe Beschäftigungszahl, die niedrige Arbeitslosigkeit und die Verfügbarkeit von Fachpersonal für solche Tätigkeiten. Aus Gesprächen mit unseren Kunden hören wir immer wieder, dass die Nachfrage nach Gabelstaplerfahrern heute schon schwer zu erfüllen ist. Im deutschen Umfeld haben diese Bedingungen dazu geführt, dass die Automatisierung derzeit eine Renaissance erlebt. Vor gut zwei Jahren haben wir uns in diesem Feld mit einer kleinen Mannschaft aufgestellt. Wir werden im nächsten Geschäftsjahr weiter investieren und zehn bis zwölf Mitarbeiter dafür beschäftigen. Und wir werden in diesem Geschäftsfeld nicht nur eine Zentralorganisation aufbauen, sondern Schwerpunktzentren in Deutschland bilden. Eines wird in Augsburg sein, das andere in Frankfurt. Weil wir glauben, und davon bin ich stark überzeugt: Automatisierung ist ein Trend der Zukunft. Wie erzielt denn die deutsche Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit? Über Produktivität und Effizienz – und da ist Automatisierung gefragt.

Verraten Sie unseren Lesern bitte noch, was hinter Ihrer Wortschöpfung „Logiconomi“ steckt!

Sie setzt sich zusammen aus den Wörtern „Logistics“ und „Economy“ und ist einfach unsere Denkweise – unsere Philosophie, wenn Sie möchten. Toyota hat einen großartigen Ruf in der Entwicklung von neuen Geschäftsansätzen und der bekannteste ist das Toyota-Produktionssystem (TPS), das wir Ihnen mittels eines kleinen Features auf der Cemat vorstellen werden. TPS war die Grundlage für das sogenannte Lean Manufacturing und wir setzen nun diese Denkweise um, um Lean Logistics zu liefern. Wir wissen, dass unsere Kunden die effizienteste (oder Lean-) Logistiklösung haben möchten. Und sie wollen ebenso die Gesamtkosten des Betriebs senken. Logiconomi beschreibt dies sehr gut und wir haben Verfahren, die mit Kunden, Lieferanten und Branchenexperten zusammenarbeiten, um kontinuierlich nach Verbesserungen zu suchen, die wir entwickeln und auf den Markt bringen können.

(ID:43885465)