Forum Effektive Fabrik 2008 Prozessoptimierung beginnt rund um die Maschine

Redakteur: Jürgen Schreier

Wie können Unternehmen am Hochlohnstandort Deutschland die Kosten senken und Wirtschaftlichkeitspotenziale mobilisieren? MM Online befragte dazu am Rande des Forums Effektive Fabrik 2008 in München Prof. Dr.-Ing. Jürgen Kletti, MES-Experte und geschäftsführender Gesellschafter des Mosbacher MES-Softwarehauses MPDV Mikrolab GmbH.

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MM: Herr Professor Kletti, in Deutschland erfolgreich produzieren – geht das überhaupt noch?

Kletti: Ich glaube das geht noch und das geht wieder. Es gibt eine ganze Reihe von Aktivitäten, an denen man das ablesen kann. Wir haben auf der einen Seite natürlich gegen hohe Löhne und gegen Regulierungskosten zu kämpfen. Deshalb stellt sich die Frage, wie wir diese Nachteile kompensieren können? Wir können das tun, indem wir andere Schwachstellen in der Fertigung beseitigen und versuchen dort effizienter zu werden. Viele Unternehmen, die Teile ihrer Fertigung verlagert haben, haben inzwischen gelernt, dass in östlichen Ländern keineswegs alles Gold ist, was glänzt und niedrige Löhne nicht der alleinige Effizienzfaktor sind. Hinzu kommen Kosten für Logistik und Verpackung, Transportrisiken oder allgemeine Rechtsprobleme. Nimmt man das alles zusammen, lässt das den Standort Deutschland in ganz anderem Licht erscheinen.

MM: Qualität ist heute Grundvoraussetzung, um am Markt überhaupt eine Chance zu haben. Was muss ein Fertiger zusätzlich tun, der sich im Wettbewerb ganz vorne positionieren will?

Kletti: Natürlich erwartet der Kunde ein Null-Fehler-Produkt. Wir gehen ins Geschäft, kaufen ein Unterhaltungselektronikgerät. Geht dieses kaputt, sind wir sauer, weil wir mit 100% Qualität gerechnet haben. Darüber hinaus gilt es, die Kundennähe und die Serviceorientierung in den Vordergrund zu stellen. Die grundsätzliche Frage, sie sich ein Fertiger stellen muss, ist: Wie kommt mein Kunde schnell und problemlos zu einem qualitativ hundertprozentigen Produkt?

MM: Muss da der deutsche Mittelstand nicht noch einige Hausaufgaben erledigen?

Kletti: Ja, es gibt nach wie vor Potenziale für Verbesserungen und immer neue Potenziale. Aber ich denke, dass wir da schon auf einem sehr guten Weg sind.

MM: Die Auftragsbücher sind voll, auch in der Zulieferindustrie. Dennoch stehen viele Zulieferer unter hohem Kosten- und Ertragsdruck. Was ist die bessere Strategie: Outsourcen – sprich: verlagern in Billiglohnländer – oder die Prozesse optimieren, um so das eigene Haus auf Vordermann zu bringen?

Kletti: Ein Patentrezept gibt es dafür nicht. Prinzipiell kann man natürlich alles, was in Deutschland nicht mehr gefertigt werden kann, weil beispielsweise der Personalkostenanteil einen gewissen Prozentsatz überschreitet, in Billiglohnländer exportieren. Dennoch muss man stets kritisch hinterfragen, was wirklich outgesourct werden soll. Es gibt Unternehmen, die sogar ihre Kernkompetenzen ausgelagert haben, und die jetzt wieder dabei sind, diese zurückzuholen, weil sich das Auslagern des Kerngeschäfts nicht als zukunftsfähiges Modell erwiesen hat.

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