Logistiksysteme Quelle: Amazon bringt Kiva nach Deutschland

Redakteur: Robert Weber

Messen sind ein guter Ort für Informationen und Gerüchte. Aus Sicht der Intralogistik ist es vor allem der Versandhändler Amazon, der für Aufsehen sorgt. Die Redaktion von MM Logistik erfuhr aus gut informierten Kreisen, dass das E-Commerce-Unternehmen sein Kiva-System auch nach Deutschland bringen will.

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(Bild: Dalke)

In den USA setzt Amazon die Robotertechnik bereits ein bei Zappos, berichtet die Quelle. Jetzt sollen die kleinen Roboter, die ihr Regal mit zum Kommissionierer bringen, auch nach Deutschland kommen. Schon im nächsten Jahr könnte es soweit sein, wird spekuliert. Die Gerüchteküche brodelt. Auch ein Verkauf der Technik sei nicht ausgeschlossen, berichtet der Informant. Amazon wollte sich trotz mehrfacher Nachfrage der Redaktion nicht zu dem Thema äußern. Presseanfragen per Telefon und E-Mail blieben unbeantwortet.

Neue Strategie in den USA?

Die Amerikaner hatten im Frühjahr 2012 bekannt gegeben, den Lagertechnikbauer Kiva Systems zu kaufen. Kurz davor hatte das US-Unternehmen seine Lösung erstmals in Deutschland auf der Logimat präsentiert. MM Logistik sprach damals mit Peter Blair, Senior Director of Marketing bei Kiva Systems. Er stellte klar: „Es sieht so aus, als ob wir in Europa weniger aggressiv expandieren, weil wir Amazon bei ihrer Logistik und dem Fulfillment-Netzwerk unterstützen. Wir werden weiterhin unser Produkt an neue Kunden verkaufen, aber wir werden Europa nicht mehr so stark fokussieren, wie wir es geplant hatten.“ Das US-Unternehmen scheint jetzt die Strategie zu ändern.

Das Video von Kiva erklärt die Technik

Eines der wenigen europäischen Logistikzentren mit Kiva-Technik steht in den Niederlanden und gehört Timberland.

Der Amazon-Deal überraschte 2012 viele Fachleute in der Branche. Prof. Dr. Michael ten Hompel vom Fraunhofer-IML in Dortmund erklärte mit Blick auf die Kaufsumme von 775 Mio. Dollar gegenüber dieser Redaktion: „Wir hätten es billiger gemacht“. Er ergänzte: „Das Kiva-System ist wirklich überzeugend.“

Deutsche Maschinenbauer arbeiten an Alternativen

Mittlerweile arbeiten auch einige deutsche Maschinenbauer an einer vergleichbaren Lösung. MM Logistik liegen Informationen vor, wonach mehrere Unternehmen an einer flexibleren Lösung arbeiten. Ein mit den Planungen vertrauter Berater präsentierte den Zuhörern des MM-Logistik-Forums „E-Commerce trifft Logistik“ auf der Transportmesse Transport Logistic in München Bilder, Grafiken und Videos zu einem neuen Intralogistikprodukt, das auf den ersten Blick stark an die Kiva-Lösung erinnert, aber durchaus technische Unterschiede aufweist. Die Lösung des bayerischen Maschinenbauers basiert ebenfalls auf kleinen Robotern, die durch die Lagerhalle fahren und die Waren zur Pickstation bringen. Gleichzeitig setzen die Süddeutschen auf flexible Regalaufbauten, aus denen der Kommissionierer die Ware entnehmen kann und seine Kartons anschließend füllt. Die Lösung könnte vor allem für den Versandhandel interessant sein. Induktionsschleifen sollen die Roboter nicht brauchen, hieß es. Damit wäre die Anwendung flexibel einsetzbar, kostengünstig und könnte auch nach einem Umzug schnell wieder genutzt werden.

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