Oliver Wyman Rezessionsagenda stabilisiert Umsatz und sichert Finanzierung

Redakteur: Jürgen Schreier

Die deutschen Investitionsgüter-Unternehmen sind für die Rezession besser gerüstet als ihre internationalen Konkurrenten. Dennoch gilt es, über die aktuelle Krise hinauszudenken. Eine detaillierte Rezessionsagenda senkt nicht nur Kosten senken, sondern stabilisiert auch den Umsatz, sichert die Finanzierung und baut Frühwarnsysteme auf.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Viele Unternehmen der Investitionsgüterindustrie sind mit vollen Kassen in die Rezession gegangen. Diejenigen, die ihre spezifische Situation genau analysieren, haben vielfältige Möglichkeiten, sich in der Krise zu behaupten und sogar von ihr zu profitieren. Denn sie bietet neben Gefahren auch zahlreiche Chancen. Das gilt vor allem für finanzstarke Unternehmen. So gibt es mittelfristig nach wie vor gute bis sehr gute Wachstumschancen in Schwellenländern. Zudem sind Unternehmenskäufe erheblich günstiger geworden und Rohstoffpreise deutlich gefallen.

Entscheidend für den Erfolg in der Krise ist eine auf die individuelle Situation des jeweiligen Unternehmens zugeschnittene Rezessionsagenda, die alle Chancen in puncto Wachstum, Kosten, Finanzierung sowie Transparenz und Kontrolle nutzt. Das sind die Ergebnisse der aktuellen Analyse „Rezessionsagenda für die Investitionsgüterindustrie“ des Beratungsunternehmens Oliver Wyman.

Die deutsche Investitionsgüterindustrie war in den vergangenen Jahren einer der Wachstumsmotoren und steht für den Exporterfolg der deutschen Wirtschaft. Gerade durch die starke internationale Vernetzung kann sich die deutsche Investitionsgüterindustrie jedoch nicht von der weltweiten Rezession abkoppeln. Viele Unternehmen verzeichnen derzeit Auftragsrückgänge um 30 bis 50%.

Finanzierungskosten steigen spürbar

Bei Unternehmen, die eine normale Profitabilität im Rahmen einer EBIT-Marge von 5% erzielen, würde ein Umsatzrückgang um 15% im laufenden Jahr ohne Gegenmaßnahmen bereits zu Verluste führen. Gleichzeitig steigen derzeit die Finanzierungskosten für die Hersteller von Investitionsgütern. Die Zinsen liegen branchenweit im Schnitt bei über 10%, bei schlechter Bonität der Unternehmen sogar über 20%. „Vor diesem Hintergrund“, schätzt Lutz Jäde, Partner und Industrieexperte von Oliver Wyman, „dürften rund 10% der Unternehmen der deutschen Investitionsgüterindustrie akut gefährdet sein.“

In ihrer Existenz bedroht sind vornehmlich Investitionsgüterhersteller, die im allgemeinen Aufschwung der letzten Jahre zwar gewachsen sind, ihre strukturellen Hausaufgaben aber nicht erledigt haben. Die Fehler der schwächsten 10% der Unternehmen liegen in einer zu großen organisatorischen Komplexität, im Mangel an Steuerungsinstrumenten, im Aufbau von Überkapazitäten sowie im Einsatz von zu viel Working Capital. Das im guten Konjunkturzyklus übliche Gewinnwachstum hat die Verschlechterung der Marge verdeckt. Unternehmen, denen es in den „guten Jahren“ nicht gelungen ist, Cash zu generieren, droht jetzt eine Liquiditätskrise.

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