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Pharma- / Kosmetik- / Medizinindustrie RFID als Betreibermodell im Mittelstand

| Autor / Redakteur: Mandy Kühn / Jürgen Schreier

RFID ist in der produzierenden Industrie mittlerweile gängige Praxis. Doch die eigenen Unternehmensgrenzen werden bislang fast nur von Großkonzernen überschritten. Der Mittelstand öffnet sich den Lieferketten aus Komplexitäts- und Kostengründen nur zögerlich. Betreibermodelle können hier Abhilfe schaffen.

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Services für die automatische Identifikation (AutoID) sorgen für die digitale Vernetzung der Partner entlang der gesamten Lieferkette. Sie optimieren Informations- und Warenflüsse.
Services für die automatische Identifikation (AutoID) sorgen für die digitale Vernetzung der Partner entlang der gesamten Lieferkette. Sie optimieren Informations- und Warenflüsse.
( Archiv: Vogel Business Media )

Den Markt für Radio Frequency Identification (RFID) dominieren heute noch geschlossene Kreisläufe. Bei diesen „Closed Loops“ optimieren Unternehmen ihre Geschäftsprozesse innerhalb der eigenen Firmengrenzen.

Inzwischen ist die Zeit jedoch reif für die nächste Generation von RFID-Projekten. Mit der fortschreitenden Globalisierung und Arbeitsteilung benötigen Unternehmen neue Impulse und Technologien, um ihre Geschäftsprozesse und -beziehungen über unternehmensübergreifende Lieferketten hinweg zu optimieren. RFID kann die Wertschöpfung in der Supply Chain maßgeblich steigern.

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Die Komplexität der Projekte und die damit verbundenen hohen Kosten verhinderten bisher, dass sich offene RFID-Kreisläufe auf breiter Front durchsetzen konnten. So musste jeder Partner in der Supply Chain seine eigene technische Infrastruktur mit Transpondern und Schreib-/Lesegeräten aufbauen.

Selbst wenn sich alle Beteiligten für diesen Weg entschieden, war die nächste Hürde häufig nicht mit vertretbarem Aufwand zu nehmen: die sinnvolle Integration der Daten und Systeme auf IT-Ebene. Dazu bedarf es sicherer Rechenzentren und eines umfassenden Anwendungsmanagements.

Mittelständlern fehlen Ressourcen für die RFID-Einführung

Großkonzerne erbringen derartige Leistungen häufig über interne Abteilungen oder Technologietöchter. Reichen die Kapazitäten aus, versorgen sie auch ihre Zulieferer mit entsprechenden Diensten. Bei Lieferketten mit einer Vielzahl kleinerer und mittlerer Unternehmen fehlen dagegen die finanziellen und personellen Ressourcen.

Für diesen Markt offerieren Technologieanbieter wie Siemens IT Solutions and Services neuerdings Betreibermodelle mit flexiblen Service- und Abrechnungskonzepten. Sie stellen die RFID-Infrastruktur im Rahmen von ganzheitlichen Services für die automatische Identifizierung (AutoID) bereit, garantieren die Vernetzung und rechnen individuell nach Nutzung ab – vergleichbar mit der Abrechnung von Telekommunikationsunternehmen.

Entscheiden sich die Partner einer Lieferkette dabei für eine höhere Grundgebühr, fallen die Transaktions- oder Stückkosten geringer aus als ohne Fixum. Ab einer bestimmten Stückzahl könnte dagegen eine Flatrate die kostengünstigste Variante darstellen. Leasing und Finanzierung zu Vorzugskonditionen sind ebenfalls Bestandteil der Betreiberofferten.

Im Regelfall rechnet sich der Einkauf von AutoID-Services ab einer Vertragslaufzeit von drei Jahren. Der Anbieter deckt dafür normalerweise den gesamten Lebenszyklus des Projekts ab – von Beratung, Design und Implementierung bis hin zu Betrieb, Wartung und Weiterentwicklung.

Zwei Komponenten und eine Lösung für RFID

Kern der Betreiberlösung bildet ein AutoID-Backbone. Dabei handelt es sich um einen zentralen Server mit Anwendungen für die automatische Identifikation, den der Dienstleister in seinen Rechenzentren betreibt.

An den Rechner werden alle RFID-Events, also die an den RFID-Stationen ausgelesenen Informationen der Transponder, übertragen und verarbeitet. Gleichzeitig sorgt das System dafür, dass die Mikrochips mit den richtigen Informationen beschrieben werden, beispielsweise mit den Seriennummern der zu verfolgenden Waren.

Abgelegt werden sämtliche Events automatisch in einer zentralen Datenbank des Betreibers, auf die alle Partner der Supply Chain über eine Webapplikation Zugriff haben. Die einzelnen Arbeitsplätze stellen die Verbindung über einen Internet-Protocol-(IP)-Zugang und ein Virtual Private Network (VPN) her.

Dieses Netzwerk garantiert eine geschützte Übertragung der Daten über das tendenziell unsichere Internet, indem es einen sicheren Kommunikationstunnel zwischen Server und Client aufbaut. Die Daten lassen sich zudem verschlüsselt übertragen.

RFID-Service-Provider muss die Geschäftsprozesse der Zielbranchen sehr gut kennen

Generell besteht also eine RFID-Lösung aus zwei Komponenten: einem AutoID-Backbone beim Betreiber und der Hardware-Ausstattung mit PC, RFID-Lesegeräten sowie -Transpondern bei den Partnern. Dies fordert die Betreiber, müssen sie doch in beiden Welten gleichermaßen beheimatet sein.

Dabei genügt es nicht, Lösungen von Drittanbietern einzukaufen. Gerade bei neuen Technologien wie RFID, die rasanten Innovationszyklen unterliegen und auch unter schwierigen Umgebungsbedingungen funktionieren müssen, sollte der Betreiber in jedem Fall selbst Produzent sein. So werden Qualitätseinbußen nachhaltig vermieden.

Und eine weitere wichtige Anforderung kommt hinzu: Der Service-Provider muss die Geschäftsprozesse der Branchen, die er bedient, sehr gut kennen. Die Einführung von RFID in offenen Kreisläufen erfordert hohe branchenspezifische Beratungskompetenz. Die Lieferketten sind ständig in Bewegung – etwa weil neue Partner hinzukommen oder sich die Strategien und Märkte ändern.

Fertigungsindustrie hat anderen Anforderungen an RFID

Während Branchen wie der Handel, Textilhersteller oder der Pharmabereich ihre Ware durch einfachen Webzugriff auf die zentrale Datenbank des Betreibers verfolgen, verlangt die Fertigungsindustrie eine SAP-Integration. Service-Provider müssen diesem Umstand Rechnung tragen, indem sie beispielsweise die RFID-Events zusätzlich per SAP AutoID Infrastructure (SAP AII) in die Business-Lösung integrieren.

Damit wird unter anderem die Suche nach bestimmten Objekten über Reports unterstützt. Dabei erstellt das System Verknüpfungen zwischen virtuellen Belegen, wie etwa dem Lieferschein, und den RFID-Informationen.

Am Ende einer fundierten Beratung kann auch die Empfehlung stehen, unter bestimmten Umständen vorläufig oder ganz vom RFID-Betreibermodell abzusehen. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn der Wert der bewegten Güter die Mikrochip-Stückkosten nicht rechtfertigt. Muss ein Partner außerdem mehrere Lieferketten gleichzeitig bedienen, ist es ratsam, die Einführung zu verschieben, bis sich ein übergreifender Branchenstandard etabliert hat.

Die Lösung der aktuellen Probleme rückt allerdings in greifbare Nähe: In diversen Gremien wird bereits mit Hochdruck an einer weltweiten Normierung gearbeitet und die Preise für intelligente Transponder sinken stetig.

Prozessoptimierung ist Schlüssel zum RFID-Erfolg

Häufig beeinflusst die Einführung von RFID die Organisation aller Beteiligten. Den Hauptteil der Projektarbeit beanspruchen meist die Geschäftsprozesse. Keine noch so gute, innovative Technologie kann echten Mehrwert bringen, wenn sie auf ineffektiven Abläufen aufsetzt. Aus diesem Grund nehmen die Beratungs- und Planungsphasen von AutoID mit RFID einen erheblichen Teil der Projektlaufzeit in Anspruch.

In jedem Fall sind Machbarkeitsstudien, Business Cases und detaillierte Projektpläne im Vorfeld unabdingbar. Nicht nur die Prozesse zwischen den beteiligten Supply-Chain-Partnern, sondern auch innerhalb der Unternehmen, also zwischen den Fachbereichen, müssen harmonisiert werden.

Einen großen Zeitblock in AutoID-Projekten bildet auch der Aufbau der RFID-Hardware, der in offenen Supply Chains an vielen Standorten erfolgen muss. Im Gegensatz zu IT-Systemen lassen sich die Installationen nicht im Labor simulieren, sondern nur unter den realen Umgebungsbedingungen des jeweiligen Kunden testen. Die Praxis hat gezeigt, dass ein Pilot normalerweise mehrere Monate in Anspruch nimmt.

IT-seitig starten RFID-Projekte meist mit einfachem Track-and-Trace für das Kennzeichnen und Nachverfolgen der Objekte. Die betreffende Anwendung ist dabei noch nicht in bestehende Businesslösungen integriert. Komplexere Geschäftsprozesse lassen sich in späteren Projekten realisieren.

Komplette RFID-Betreiberlösung aus einer Hand

Die AutoID Services von Siemens rund um RFID sind seit Anfang 2007 auf dem Markt. Lieferketten erhalten damit eine komplette Betreiberlösung aus einer Hand. Siemens Industry Automation liefert die technische Ausstattung, während Siemens Industry Solutions sein Wissen über Industrie- und Infrastrukturanlagen einbringt. Prozessberatung, Systemintegration sowie IT-Lösungen wie die RFID-Middleware und branchenspezifische Anwendungen kommen von Siemens IT Solutions and Services.

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