Radio-Frequency Identification RFID für den Mittelstand

Autor / Redakteur: Bernd Maienschein / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Automatische Produktidentifikation per Radio-Frequency Identification (RFID) zählt zu den interessantesten Zukunftstechnologien. Die berührungslose Erkennung von Produkten und ihren Daten erschließt sich immer mehr Anwendungen in Industrie und Handel.

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Jeder einzelne Transponder besitzt ab Werk eine eindeutige Nummer, die sogenannte UID (Unique Identification Number). Die Transponder werden in der chinesischen Scout-Produktion in den Rucksack eingenäht.
Jeder einzelne Transponder besitzt ab Werk eine eindeutige Nummer, die sogenannte UID (Unique Identification Number). Die Transponder werden in der chinesischen Scout-Produktion in den Rucksack eingenäht.
( Archiv: Vogel Business Media )

Sternjakob, Hersteller der vorwiegend in China gefertigten Marken-Schulranzen Scout und 4You, war die Versteigerung seiner Artikel auf der Internet-Plattform EBay ein Dorn im Auge. „Das Versteigern unserer hochwertigen Produkte auf eBay empfinden wir als markenschädigend“, erklärt Sternjakob-Geschäftsführer Dieter Liebler. „Wir wollten endlich herausfinden, wer die Waren an die Internet-Händler weiterverkauft hatte.“

RFID überwacht Vertriebswege

Dies war der Auslöser für die Idee, RFID-Tags (Funketiketten) zur Überwachung der Vertriebswege einzusetzen. Zusammen mit dem Stuttgarter Generalunternehmer AEB beschloss man, alle Scout- und 4You-Produktserien mit Transpondern auszustatten — 400000 Funketiketten wurden dazu nach China geliefert, wo sie in die Taschen, Rucksäcke und Ranzen eingenäht wurden. Jeder einzelne Transponder besitzt bereits ab Werk eine eindeutige Nummer, die sogenannte UID (Unique Identification Number).

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Mit Hilfe dieser eindeutigen Nummer lässt sich leicht herausfinden, an wen das Produkt verkauft wurde, das unerlaubterweise im Internet feilgeboten wird. Dazu werden Mitarbeiter der Verkaufsabteilung Testkäufe vornehmen. Die Nummer wird mit Hilfe eines Lesegeräts ausgelesen und in eine Suchmaske in der AEB-Software eingegeben.

Markenschutz als Anfangspunkt der RFID-Nutzung

Der Markenschutz ist Sternjakob viel wert: Die Investitionen für Hard- und Software sowie die Dienstleistungen aus dem Hause AEB beliefen sich auf rund 74000 Euro. „Damit haben wir aber nun Erfahrungen gesammelt und einen wichtigen Grundstein für die weitere Nutzung von RFID gelegt“, so Sternjakob-Geschäftsführer Liebler.

Markus Meißner, RFID-Projektleiter bei AEB, ergänzt: „Gerade in der Logistik gibt es schon viele Bereiche, wo RFID Einzug gehalten hat, beispielsweise beim Warenein- und -ausgang. Ziele hierbei sind das Tracking and Tracing der Waren und eine verbesserte Kontrolle des vollständigen und fehlerfreien Empfangs und Versands der Waren.“

Fallende Preise für RFID-Transponder ermöglichen neue Anwendungen

Je mehr Unternehmen die RFID-Technologie nutzten, um ihre Lieferketten abzusichern, desto schneller würden die Preise für Transponder fallen. Momentan kosteten passive Transponder je nach Bestellmenge zwischen 15 und 20 Cent pro Stück. Würden die Chips günstiger, rückten auch für mittelständische Unternehmen wie Sternjakob weitere Verbesserungen durch den Einsatz der RFID-Technologie in greifbare Nähe.

Weit gefehlt, wer der RFID-Technologie nur Prozessverbesserungen in der Konsumgüter-Industrie zutraut. Beispiel Schwerindustrie: Viele Stahlhändler und -verarbeiter kennzeichnen ihre Produkte noch mit Wachsstiften, Kreide oder Farbmarkierungen. Nachteil einer solchen Lösung: In der Regel ist sie wenig systematisch, nicht automatisch lesbar und nicht dauerhaft witterungsbeständig.

Auch Stahlhändler und -verarbeiter setzen auf RFID

Für solche Fälle funktioniert die Stahlträgerkennzeichnung einfach und fachgerecht beispielsweise mit Etiketten von Schreiner Protech. Sie halten Feuchte, Kälte sowie Hitze zuverlässig stand.

Eine interessante Neuerung aus dem Haus Schreiner Logidata stellt das extrem robuste RFID-Hightech-Label dar. Ob Temperaturen bis 220 °C oder Chemikalien im Lackbad: Das Etikett, das individuell an die jeweiligen Kundenprozesse und Produktionsanforderungen angepasst wird, übersteht selbst schwierige Umweltbedingungen unbeschadet.

Kraftfahrzeugherstellern ermöglicht das Label, Karosserien vor, während und nach dem Lackieren durchgängig zu markieren. Thorsten Kircher, Manager RFID-Projekte bei Schreiner Logidata, gibt eine optimistische Einschätzung des RFID-Einsatzpotenzials: „RFID für sich genommen ist in erster Linie ‚nur‘ eine Basistechnologie. Richtig eingesetzt, hat sie aber ein revolutionäres Potenzial.“

Analyse zu RFID-Einsatzpotenzialen präsentiert

Mit einem prozess- und erfahrungsbasierten Analysemodell zur systematischen Identifikation und Bewertung von RFID-Einsatzpotenzialen hat sich Dr.-Ing. Sebastian Franz Resch, Vice President Supply Chain Management bei der MTU-Maintenance Berlin-Brandenburg, für den Wissenschaftspreis Logistik der Bundesvereinigung Logistik (BVL) beworben. Reschs Methode identifiziert die RFID-Potenziale und bewertet sie.

Dabei stellt er heraus, dass RFID ein Enabler ist für neue Supply-Chain-Strategien. Neben dem hochkomplexen Ansatz mit wissenschaftlichem Anspruch gibt es auch eine „abgespeckte“ Version des IT-Tools für kleine und mittlere Unternehmen.

RFID auch für den Arbeitsschutz eingesetzt

Moderne RFID-Technologie kann indes nicht nur zur Produktidentifikation genutzt werden: Sie vermeidet beispielsweise schwere Verletzungen beim Rückwärtsfahren mit Gabelstaplern. Zwar sind Warntöne beim Einlegen des Rückwärtsgangs fest vorgeschrieben, in einer industriellen Umgebung wird dieser Warnton jedoch schnell zur Gewohnheit. Das französische Forschungsinstitut für Arbeitssicherheit (INRS) hat die in Vallendar ansässige U-Tech GmbH damit beauftragt, ein Warnsystem für Flurförderzeuge zu entwickeln, das solche oft tödlichen Unfälle zu vermeiden hilft.

Dabei wird eine Antenne auf dem Fahrzeug angebracht, die bei Einlegen des Rückwärtsgangs ein magnetisches Schutzfeld bis zu 8 m hinter dem Fahrzeug aufbaut. Die zu schützenden Mitarbeiter tragen einen kleinen Baustein in der doppelten Größe einer Streichholzschachtel oder in kleinerer Form als Armbanduhr bei sich. Kommt dieser Transponder in das magnetische Feld, wird der Fahrer optisch und/oder akustisch alarmiert, er hält das Fahrzeug sofort an.

Erstes standardisiertes RFID-Container-Management auf der Logintern

Die 7iD Technologies GmbH aus Graz/Österreich hat kürzlich während der Fachmesse Logintern in Nürnberg das erste standardisierte RFID-Container-Management vorgestellt. Dieses mit allen relevanten Standards nach EPC-Global versehene System soll die Prozesse innerhalb der Logistikkette optimieren und bei der Reduzierung der Behälter pro Unternehmen helfen.

Viele Unternehmen hätten häufig zu viele Behälter im Einsatz, um Rohstoffe und Halbfertigfabrikate im Unternehmen oder zwischen Unternehmen und Lieferanten zu transportieren. Hinzu komme der „nicht unbeachtliche“ Schwund. Besonders solche Industrien, die mit hochpreisigen Spezialbehältern arbeiten, verzeichneten empfindliche Einbußen durch Behälterverlust und hohe Sicherheitsbestände.

„Das jetzt vorgestellte Softwareprodukt der 7iD hat das Ziel, die Anzahl der Behäler pro Unternehmen zu optimieren, da diese auf ihrem Weg innerhalb der Logistikkette an bestimmten neuralgischen Punkten identifiziert werden“, erklärt Gerhard Gangl, Geschäftsführer von 7iD Technologies.

RFID sorgt für Ordnung im Behältermanagement

An bestimmten Lesepunkten werden RFID-Reader installiert, die die Transponder in dem Augenblick erfassen, in dem die Behälter diesen Punkt passieren. Die so gewonnenen Daten werden in einer Datenbank gespeichert. Eine Anwendung greift auf sie zu und stellt verschiedenste Auswertungen zur Verfügung, beispielsweise Anzahl und Verfügbarkeit der Behälter pro Standort oder durchschnittliche Verweildauer.

Eine wesentliche Rolle dabei spielt der Faktor Zeit: „Unser Ziel ist es, dass die Daten in Echtzeit jedem Nutzer zur Verfügung stehen, damit er reagieren und Fehler korrigieren kann“, so Gangl.

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