Suchen

Kommentar Richtlinien kommen und gehen – Retouren bleiben

| Redakteur: Robert Weber

Die Europäische Union will an die Retouren ran und sie kostenpflichtig für den Besteller, den Verbraucher, Sie und mich, machen. Die Idee ist nicht neu, doch nur wenige E-Commerce-Unternehmen mit ihren Logistikabteilungen werden wohl auf den Zug aufspringen.

Firmen zum Thema

Die Retouren sind hauptsächlich ein deutsches Problem, Robert Weber, Redakteur MM Logistik.
Die Retouren sind hauptsächlich ein deutsches Problem, Robert Weber, Redakteur MM Logistik.
(Bild: VBM-Archiv)

Welches Unternehmen will schon seine Kunden an den Konkurrenten verlieren, der weiterhin kostenlose Retouren anbietet und dazu noch Same-Day-Deliveries?

Fakt ist: Die Kosten für die Rücksendung sind da und irgend jemand im Prozess muss sie stemmen – im Zweifel, aber eher unwahrscheinlich, muss der Preis für das Produkt runter. Oder alles bleibt so wie es ist.

Mich wundert, dass sich die KEP-Branche über ihre Lobbygruppen nicht mehr in Brüssel engagiert hat. Denn: Die KEP-Branche würde sich wohl sehr ärgern, wenn auf einmal die Retourquoten sinken, weil die Kunden selber die Kosten tragen müssen und weniger Dienstleister in Anspruch nehmen würden. Das Geschäftsmodell der großen KEP-Dienst kann auf die Rücksendungen wohl kaum verzichten. Deutsche Post, DPD und Hermes können der Boom im Online-Handel und die zahlreichen Rücksendungen deshalb nur recht sein. Aber vielleicht ist man sich in Bonn und Hamburg aber auch so sicher: Die Retouren wird es immer geben und es kommen täglich mehr dazu – Brüssel hin oder her.

Retouren sind kein europaweites Phänomen

Das klingt polemisch. Aber vielleicht hat man in der belgischen Hauptstadt nicht nur das Geld im Sinn, sondern denkt auch an die Umwelt und die Infrastruktur, die durch weniger Rücksendung entlastet würde. Ja, vielleicht, ein löblicher Ansatz. Aber eine europaweite Regelung macht aus meiner Sicht nur dann Sinn, wenn das Retourenproblem auch ein grenzüberschreitendes Problem wäre. Die Realität sieht anders aus: Wir Deutsche sind die Problembären des Versandhandels. Allerdings bestellen wir auch überproportional viel im Netz – im Vergleich zu unseren Nachbarn. Also brauchen wir keine EU-Regelung, sondern die Unternehmen müssen sich neue Spielregeln einfallen lassen. Erste Ansätze existieren bereits.

Robert Weber, Redakteur MM Logistik

Folgen Sie Dr. Log auf Twitter

(ID:38049150)