Kontraktlogistik Risiken und Chancen in der Kontraktlogistik

Autor / Redakteur: Eckhard Boecker / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Viele Kontraktlogistikgeschäfte starten mit Problemen, die dazu führen können, dass die Geschäftsbeziehung aus Qualitätsgründen scheitert. Wo die Risiken liegen und welche Chancen die Kontraktlogistik jedoch aus Versicherungssicht bietet, ergründet der vorliegende Managementbeitrag.

Firmen zum Thema

Prüfe, wer sich bindet! Um unterschiedliche Auffassungen über die zu erbringende Leistung zu vermeiden, sollten Einkäufer und Kontraktlogistiker ihren Kontrakt immer zuerst schriftlich fixieren, bevor gehandelt wird.
Prüfe, wer sich bindet! Um unterschiedliche Auffassungen über die zu erbringende Leistung zu vermeiden, sollten Einkäufer und Kontraktlogistiker ihren Kontrakt immer zuerst schriftlich fixieren, bevor gehandelt wird.
(Bild: Nord Logistic Speditionsgesellschaft mbH)

Realität ist, dass der Einkäufer aus Industrie, Handel oder Logistik unter großen Druck gerät, wenn sein neuer Kontraktlogistikpartner nicht die geforderte Qualität abliefert. Dies führt dazu, dass der Vertrieb des Einkäufers Kundenprobleme bekommt, wenn nicht oder nicht pünktlich ausgeliefert wird. Eines der Risiken für alle an der Kontraktlogistik beteiligten Partner liegt darin, wenn es unterschiedliche Meinungen über die vereinbarten Services zwischen dem Einkäufer aus Industrie und Handel einerseits sowie dem Kontraktlogistiker aus der Logistik andererseits gibt.

Ein solcher in der Praxis immer wieder vorkommender Fall liegt darin begründet, dass der Kontraktlogistikeinkäufer aus Industrie oder Handel den Kontraktlogistiker aus der Logistik mit Kontraktlogistikaufgaben bereits beauftragt, obwohl es noch keinen unterschriebenen Kontraktlogistikvertrag gibt, sondern beispielsweise nur eine verbindliche Absichtserklärung, die spärlich ist.

Leistungen detailliert festhalten

Denn grundsätzlich regelt dieses Dokument nur wenige Punkte, zum Beispiel die feste Absicht der Kontraktlogistikpartner, zu einem späteren Zeitpunkt einen Dreijahresvertrag zu zeichnen. Ohne einen gezeichneten Kontraktlogistikvertrag geht der Kontraktlogistiker ins Risiko, dass er Services erbringt, von denen er bei Angebotserstellung nichts wusste, weil die Kontraktlogistikleistungen zu diesem Zeitpunkt nicht bis ins letzte Detail besprochen waren. Diese Situation kann wiederum dazu führen, dass es zu erheblichen Qualitätsdefiziten kommen kann, da beim Kontraktlogistiker noch nicht alle Prozessanforderungen für Services funktionieren, von denen er erst bei Aufnahme der Geschäftstätigkeit erfahren hatte.

Darüber hinaus könnte sich daraus ein finanzieller Konflikt entwickeln, weil der Kontraktlogistiker Services erbringt, die der Einkäufer ablehnt zu vergüten, da er davon ausgegangen war, dass diese Teil des Kontraktlogistikangebotes waren. Diese Risiken kann der Einkäufer nur vermeiden, indem er alle Dienstleistungen bereits in den Ausschreibungsunterlagen detailliert dokumentiert, was in der Praxis nicht immer der Fall ist.

Rentiert sich mein Kapitaleinsatz?

Wie wichtig die Vollständigkeit der Leistungsbeschreibung aus Sicht des Einkäufers ist, zeigt auch die Tatsache, dass diese für die Beurteilung von möglichen Kosteneinsparungen – verglichen mit den Kontraktlogistikkosten des bestehenden internen/externen Dienstleisters – unabdingbar ist. Aus Sicht des Kontraktlogistikers ist eine vollständige Leistungsbeschreibung unabdingbar, um zu prüfen, ob er mit dem Kontraktlogistikgeschäft die gewünschte Rentabilität für seinen Kapitaleinsatz erzielt.

Wenn die Services vertraglich verankert wurden, sollte die Leistungsqualität des Kontraktlogistikers mittels eines Service Level Agreement (SLA) fixiert werden. Darin finden sich beispielsweise die Mengenziele wieder, die der Kontraktlogistiker erreichen muss, um die vereinbarten Qualitätsanforderungen zu erfüllen, zum Beispiel jede Fahrzeugfelge muss so vom Kontraktlogistiker verpackt werden, dass Transportschäden ausgeschlossen sind. Sollte es dennoch zu Schäden kommen, so sind diese vom Kontraktlogistiker zu erfassen und an den Einkäufer schriftlich als Soll-Ist-Vergleich zu berichten.

Logistik durch Dritte vielfach günstiger

Einer der wichtigsten Gründe für den Beschaffer, Logistikleistungen durch Dritte zu erbringen, liegt darin begründet, Kosten einzusparen, weil das Personalkostenniveau in der Logistik grundsätzlich niedriger ist als beispielsweise in der Fahrzeugindustrie. Viele Unternehmen aus Industrie und Handel versäumen es jedoch, weitere Kosteneinsparungen zu erzielen, die zum Beispiel im Versicherungsbereich schlummern.

Funktionieren beim Kontraktlogistiker sämtliche Prozessanforderungen für die zu erbringenden Services?
Funktionieren beim Kontraktlogistiker sämtliche Prozessanforderungen für die zu erbringenden Services?
(Bild: Nord Logistic Speditionsgesellschaft mbH)

Im Kontraktlogistikvertrag ist die verkehrsvertragliche Haftung des Kontraktlogistikers geregelt. Dabei geht es besonders um Schadensfälle (Beschädigung/Verluste), für die der Kontraktlogistiker verantwortlich ist. Dabei gilt als Faustregel: Je höher der Warenwert im Lager sowie der Logistikumsatz, desto höher sind die Versicherungsprämien, die der Kontraktlogistiker zahlt. Gleichzeitig besitzt der Einkäufer, dies gilt insbesondere für die Fahrzeugindustrie, eine eigene Lager- und Transportversicherung, die natürlich Versicherungskosten verursacht. Bei dieser Konstellation besteht die Chance für die Kontraktlogistikpartner, einen echten Gewinner-Gewinner-Zustand zu erzielen. Die Chance liegt darin, viel Geld für Versicherungslösungen im Ergebnis einsparen zu können, wenn der Einkäufer auch Lager-/Transportversicherungskunde beim Kontraktlogistiker wird. Dies bedeutet, dass der Kontraktlogistiker die Deckungen einkauft, die der Einkäufer benötigt.

Regressverzicht im Schadensfall

Der große Vorteil für den Beschaffer liegt darin, dass der Kontraktlogistiker ein günstigeres Kontraktlogistikangebot unterbreiten kann, weil er selbst keine Versicherungskosten für das Kontraktlogistikgeschäft kalkulieren muss. Der Logistiker kann mit dem Lager-/Transportversicherer vereinbaren, dass ihm gegenüber bezüglich der Lager-/Transportversicherung, die er zugunsten und auf Rechnung des Einkäufers abschließt, im Schadensfall ein Regressverzicht greift. Für den Kontraktlogistiker besteht der finanzielle Vorteil darin, dass er seine Verkehrshaftung für das Kontraktlogistikgeschäft nicht versichern muss.

Einkäufer könnten diesem Konzept kritisch entgegnen, dass es nicht funktioniert, weil die Kostentransparenz fehlt, was die Versicherungskosten im Kontraktlogistikangebot betrifft. Dieser Kritikpunkt lässt sich relativ leicht aus der Welt schaffen, denn der Einkäufer braucht nur vom Kontraktlogistiker abzuverlangen, dass dieser ein Angebot unter Berücksichtigung mit und ohne Verkehrshaftungs-Versicherungsschutz macht. Konzeptionell möglich wäre auch, wenn der bestehende Lager-/Transportversicherer des Einkäufers gegenüber dem Kontraktlogistiker einen Regressverzicht erklärt, um Versicherungskosten zu vermeiden, was – wie oben aufgezeigt – im Interesse beider Kontraktlogistikpartner liegt. ■

(ID:44859059)