Schlepper Routenzüge – Transporteure und Taktgeber

Autor / Redakteur: Reinhard Irrgang / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Primär in der Intralogistik eingesetzte Schlepper fungieren in Werkshallen und Logistikzentren, aber auch in Kliniken nicht nur als zuverlässige Transporteure für tonnenschwere Anhängelasten. Vielmehr sind sie auch Transparenzspender und Taktgeber in Kanban-gesteuerten Fertigungen.

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Bis zu fünf Wagen, mit Wäsche, Essen oder Apothekenartikeln beladen, zieht der Elektroschlepper EZS 570 von Jungheinrich im Universitätsspital Zürich mit seinen insgesamt rund 20 km langen unterirdischen Gängen. Bild: Jungheinrich
Bis zu fünf Wagen, mit Wäsche, Essen oder Apothekenartikeln beladen, zieht der Elektroschlepper EZS 570 von Jungheinrich im Universitätsspital Zürich mit seinen insgesamt rund 20 km langen unterirdischen Gängen. Bild: Jungheinrich
( Archiv: Vogel Business Media )

Vor allem sind Schlepper wendig und flink und lassen sich mit ihrem bedienerfreundlichen Design und der funktionalen Ausstattung produktivitätssteigernd und vielseitig nutzen. Einsätze, etwa für die Just-in-Time- oder Just-in-Sequence-Materialversorgung in Fertigungen, die nach der Lean-Philosophie organisiert sind, zählen zu den Domänen des vielseitig einsetzbaren Liftrunner-Systems von Still, Hamburg.

So lassen sich die Schleppfahrzeuge der Typen CX-T mit einer maximalen Anhängelast von 4000 kg oder der R06 mit einer maximalen Tragfähigkeit von 150 kg und bis zu 6 t Anhängelast für den Transport der E- und C-Rahmen der Liftrunner-Routenzug-Elemente einsetzen, die rollbare Ladungsträger unterschiedlicher Form einfach und sicher aufnehmen.

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Individuell anpassbar auf jede innerbetriebliche Situation

Mit dem Liftrunner-System können Trolleys ebenerdig in den Anhänger eingeschoben werden. Das Baukastensystem von Routenzug-Elementen erlaubt das individuelle Anpassen an jede innerbetriebliche Situation. Die Anhänger, die Viertel-, Halb- und Vollpaletten mit Maßen bis 2000 mm × 1200 mm oder auch Rollgitter- und Regalwagen tragen können, sind untereinander kompatibel und mit Schnellkupplung ausgestattet. Zuglängen von bis zu fünf E- beziehungsweise vier C-Rahmen sind möglich.

Je nach Zugfahrzeug und Anhängelast sind die Routenzüge bis zu 15 km/h schnell. Wie die Verantwortlichen von Still betonen, eignet sich der Elektroschlepper CX-T mit seinem drehmomentstarken 3,0-kW-Motor, Fahrplattform mit Schwindungsdämpfung, PU-Bereifung, 70 mm Bodenfreiheit, seiner Rangierfreundlichkeit mit frei einsehbarer Kupplung und einem Wendekreis von nur 3,9 m besonders für den internen Transport, während der Schlepper R06 mit seiner Anhängelast von bis zu 6 t sich für den Außeneinsatz anbietet.

Multifunktionale Kombigeräte können schleppen und heben

Der von Still neu entwickelte Multifunktions-Schlepper Kanvan 05 mit bis zu 4000 kg Anhängelast und klappbaren Gabeln mit 500 kg Tragfähigkeit ist seit 2009 bei der Wiesheu Wolfen GmbH, dem Spezialisten für Heißluft–Backöfen, erfolgreich im Einsatz. Dort versorgt er die Montageplätze der nach Kaizen- und Kanban-Prinzip organisierten Fertigung im 30- bis 60-Minuten-Takt mit den jeweils laut Produktion erforderlichen Teilen aus dem rund 6000 Artikel umfassenden Spektrum.

Dabei zieht der mit 1566 mm Länge und mit einem Wenderadius von 1410 mm auch auf engstem Raum manövrierfähige und in schmalen Gängen einsetzbare Kanvan 05 bis zu fünf Rollpaletten zu den jeweiligen Verbrauchsorten. Die frontseitig installierte Ladeeinheit für Kleinteilebehälter bietet zusätzliche Nutzfläche. Der Schlepper fungiert, wie die Erfahrungswerte bei Wiesheu Wolfen belegen, nicht nur als Transport-Fahrzeug im Kanban-gesteuerten Routenverkehr, sondern erhöht auch die Flexiblität in der Fertigung.

Laut Jürgen Wrusch, Leiter internationale Unternehmenskommunikation bei Still, ist der „Kanvan eine ideale Kombination aus Schlepper und Hubgerät: „Er erweitert das Einsatzspektrum von Routenzügen in einer schlanken Produktion und unterstützt Betreiber bei der Umsetzung moderner Produktions- und Materialflusslösungen.“

Kanban: Als Milkrunner versorgen Schleppzüge die Supermärkte

Im Logistikzentrum der Bosch Fahrzeug-Elektronik in Eisenach werden auf rund 8000 m2 Nutzfläche Rohstoffe und Komponenten von rund 280 Zulieferern vorgehalten. Dort, wo pro Jahr mehr als 80 Mio. Produkte an die weltweit 530 Ablieferstellen der 320 Kunden ausgeliefert werden, sind Schlepper des Typs EZS 350 von der Hamburger Jungheinrich AG im Einsatz.

Die mit 24-V-Fahrmotoren in Drehstromtechnik ausgestatteten Fahrzeuge sind für die Teile- und Komponentenversorgung der einzelnen Fertigungslinien und somit für die so genannten Milkruns eingesetzt – mit willkommenen betriebswirtschaftlichen Vorteilen wie erhöhter Lieferfrequenz jedes Teils, gleichmäßiger Auslastung im Tagesverlauf, Transparenz in Lager und Fertigung und Bestandsreduzierung.

Schlepper bieten Vorteile im Vergleich zu Staplern

Schlepper erweisen sich hier im Vergleich zu Staplern als die bessere Lösung: Sie können größere Ladungsmengen auf einmal transportieren und die Ladeflächen lassen sich durch das Ankoppeln mehrerer Anhänger beliebig variieren. Dies ist auch angesichts der komplexen Einsatzanforderungen sinnvoll, denn die interne Versorgung geschieht verbrauchsgesteuert mit neun Versorgungsrouten im Dreischichtbetrieb. Zudem lassen sich die Batterien der kleinen und wendigen sowie wartungsarmen Schlepper während des Schichtwechsels per Rollenbett an einer speziellen Batteriewechsel- und Ladestation austauschen.

Mathias Dengler aus dem Bereich Logistik der Bosch Fahrzeugelektrik Eisenach zeigt sich mit dem Schleppereinsatz, der zudem die Prozesstransparenz erhöht, sehr zufrieden: Anstatt wie vormals Materialvorräte für ein bis drei Tage an den Verbrauchsorten vorhalten zu müssen, werden per Milkrun die stark verkleinerten Supermärkte an den Fertigungslinien mit Material für rund 60 min versorgt.

Schlepper für Arzneimittelversorgung und Wäschetransporte in Kliniken

Fokusschwenk in ein Großklinikum: Das Universitätsspital Zürich ist mit insgesamt 42 Kliniken und Instituten eines der führenden Schweizer Krankenhäuser. Pro Jahr werden dort rund 160 000 Patienten versorgt. Das tägliche Essen, frische und benutzte Wäsche, Apothekenartikel, Transfusionen und Abfall werden von Jungheinrich-Schleppern des Typs EZS 570 transportiert. Die leistungsstarken Fahrzeuge, die beispielsweise bis zu fünf Wäschewagen durch das unterirdische, rund 20 km lange Gangsystem transportieren, erweisen sich nicht zuletzt mit ihren wartungsfreien und energiesparenden Drehstrommotoren als geradezu maßgeschneidert für das anspruchsvolle Einsatzfeld.

Die von Toyota Material Handling angebotenen Elektroschlepper der Baureihe 4CBT sind für umfassende Einsatzsspektren konzipiert. So sind die elektrischen Fahrerstandschlepper 4CBTY2 und CBTYk4 mit 2 beziehungsweise 4 t Anhängelast, 48-V-Drehstrommotoren und 1600 mm Wenderadius für den horizontalen Transport und für Einsätze prädestiniert, bei denen der Fahrer häufig auf- und absteigen muss.

Die Schlepper erreichen Geschwindigkeiten von 6 km/h mit Last und von 13 km/h ohne Last. Ihre T-Lenkung, wie Julia Isert, Leiterin Marketing und Produktmanagement bei Toyota Material Handling Deutschland GmbH (TMHD), Langenhagen, betont, ist „ergonomisch auf den Fahrer für eine Standbedienung ausgerichtet und bietet eine fortschrittliche Lösung für kurze Strecken“. Die Standardausstattung umfasst unter anderem den „Optimalen Personen-Schutz“ (OPS), Luftbereifung, Scheinwerfer und Blinker, Batterieentladeanzeiger und Betriebsstundenzähler.

Freie Sicht auf angehängte Ladung für Schlepper sicherheitsrelevant

Für Transporte über größere Entfernungen sind die elektrischen Fahrersitzschlepper 4CBT2, 4CBT3 und 4CBTk4 mit Anhängelasten von 2,3 und 4 t und ebenfalls einem Wenderadius von 1600 mm konzipiert. Ihr ergonomisches Design erhöht den Fahrkomfort und die Produktivität, insbesondere beim Cross-Docking.

Die — wie die gleich dimensionierten Fahrerstandgeräte — mit 1645 mm Gesamtlänge und 800 mm Gesamtbreite ebenfalls sehr kompakten Schlepper bieten mit ihrem ergonomischen Design einen leichten Ein- und Ausstieg, einen bequemen Sitz und automobilkonforme, mit den Fingerspitzen handhabbare Bedienelemente. Optional lassen sich die Schlepper mit Rückspiegel, Batteriewechsel über Rollenbett und Verlängerungshebel für die Anhängerkupplung für ein leichtes An- und Abkuppeln auch im Sitzen ausstatten.

Wie Julia Isert betont, „überzeugen die Schlepper der Baureihe 4CBT besonders durch ihre kompakte Bauart und einfache Bedienung. Das abgerundete Heck erlaubt jederzeit optimale Sicht auf die angehängte Ladung und durch das ergonomische Design sind die Fahrzeuge sowohl für kurze Wegstrecken als auch für Cross-Docking-Anwendungen bestens geeignet.“

Crown-Schlepper für bis zu 3000 kg Anhängelast

Für 3000 kg Anhängelast ausgelegt sind die Schlepper TC 3000 von Crown Gabelstapler. Zu den Besonderheiten der Schlepper zählt die umfassende Systemsteuerung „Access 1 2 3“. Das laut Unternehmensangaben „branchenführende Diagnosesystem“ analysiert kontinuierlich die Leistung und Sicherheit beeinflussende Faktoren wie Bedienerposition, Fahrgeschwindigkeit und Lenkwinkel und reagiert mit optimaler Leistung, wenn sich die Bedingungen ändern. Das Informationsdisplay zeigt System- und Bedienungshinweise und bietet zudem programmierbare Leistungsparameter und ein Diagnosesystem.

Alle Gerätefunktionen sind in der prämierten X-10-Deichsel „griffig“ zusammengefasst: Zum Erreichen der Bedienelemente ist kein Wechsel der Handposition erforderlich. Das nahezu wartungsfreie und kontaktlose Bremssystem mit der Bezeichnung „E-Gen“ nutzt das starke Drehmoment des Wechselstrommotors der mit Last 8,5 km/h und ohne Last 12,5 km/h fahrenden Geräte für eine gleichmäßige und zuverlässige Bremsleistung.

Umfangreiche Sonderausstattung für Schlepper möglich

Zur den umfangreichen Sonderausstattungsmöglichkeiten der Industrieschlepper zählen die „Hitch Position Control“ und damit Bedienelemente in der Rückenlehne, die das An- und Abhängen vereinfachen, da der Bediener den Schlepper zum genauen Positionieren verlassen kann, eine höhenverstellbare, ausklappbare Gesäßstütze für zusätzlichen Halt und Komfort auf langen Transportwegen sowie unterschiedliche Anhängerkupplungen. Und an „Work-Assist“-Zubehör sind unter anderem Klemmbretter, Stautaschen, Scannerhalterungen, Lastablagen oder Halterungen für Warehouse-Management-System-Monitore lieferbar.

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