Logistikberatung Schatten auf den Sonnendächern

Weil die Förderung von Solarenergie auf dem Prüfstand steht und Bundeswirtschaftsminister Rösler mit Deckelung droht, kann die Logistik die letzte effiziente Kostenschraube für die Branche bedeuten. Hier sei Einsparpotenzial von bis zu 20% möglich.

Firmen zum Thema

Auch die Solarbranche hat die Logistik als Quelle kostenreduzierender Maßnahmen entdeckt. (Bild: Centrosolar)
Auch die Solarbranche hat die Logistik als Quelle kostenreduzierender Maßnahmen entdeckt. (Bild: Centrosolar)

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler sorgt mit seinen Äußerungen über eine mögliche Deckelung der Förderung von Solaranlagen für Aufruhr. Sein Ziel ist laut Angaben der Rheinischen Post eine Reduzierung des Ausbaus von Solaranlagen auf 1000 MW pro Jahr. Die daraus resultierende Unsicherheit bei der Planung könnte zu einem Einbruch der Branche und immensen Gewinneinbußen führen.

Ähnliche politische Vagheiten sorgten bereits Anfang des Jahres in anderen europäischen Staaten, allen voran Frankreich und Italien, für Turbulenzen auf den Märkten, die sich erst beruhigten, nachdem die Subventionsmaßnahmen gesetzlich eindeutig festgelegt waren.

Flexible Reaktionen auf Lagerbestände und Lieferbedingungen

Henning von Finckenstein, Wirtschaftsingenieur und Geschäftsführer der Lighthouse Logistic Consulting GmbH, weiß, wie wichtig dieser festgesetzte gesetzliche Rahmen ist: „Wenn die Pläne von Wirtschaftsminister Rösler umgesetzt werden, ist Deutschland – immerhin größter Markt für Photovoltaikanlagen und Solarenergie in Europa – ebenfalls in der misslichen Lage, dass nicht klar ist, in welchem Umfang dieser Zweig der regenerativen Energien weiter gefördert wird.“ Tatsächlich wäre den Endkunden, also denjenigen, die den Bau einer Photovoltaikanlage planen, nicht ersichtlich, ob und wie lange sie noch Gelder aus den Fördertöpfen bekommen würden.

„Dies führt zwangsläufig zu Unsicherheit und somit einem Rückgang der Nachfrage. Hersteller und Unternehmen müssen ob dieser prekären Ausgangssituation flexibel reagieren können, vor allem im Hinblick auf Lagerbestände und Lieferbedingungen“, so von Finckenstein weiter.

Von Finckenstein, zuständig unter anderem für den Bereich Wirtschaftlichkeitsrechnung und in diesem Rahmen auch für Unternehmen aus der Solarenergie-branche tätig, rät: „Um Gewinneinbrüchen zu entgehen, muss überlegt werden, an welcher Stelle an der Kostenschraube gedreht werden kann. Bei den Material- und Personalkosten gibt es meist kein Einsparpotenzial mehr. Wo jedoch gespart werden kann, ist der Logistikprozess. Dieser wurde in den Spitzenzeiten der Branche häufig vernachlässigt, so dass bei vielen Firmen hier noch einiges an Einsparpotenzial verborgen liegt.“

Just-in-Time-Lieferungen sparen Geld

Tatsächlich sprechen Kenner der Branche von 5 bis 20% Einsparpotenzial. In Zeiten, in denen eine Sättigung des Marktes bei immer mehr Wettbewerbern, vor allem aus Asien, zu einem starken Wettbewerbsdruck führt und staatliche Förderungen zurückgefahren werden, drohen vielen Herstellern Gewinneinbußen. Unternehmen müssten daher überlegen, wo es Einsparmöglichkeiten gibt.

Von Finckenstein nennt eine mögliche Lösung: „Im Bereich Solarsysteme ist es erforderlich, die aufeinander abgestimmten Komponenten, sprich die Module, zeitgleich mit dem Befestigungszubehör und dem elektronischen Zubehör wie Wechselrichter zu liefern. Dies erfordert ein hohes Maß an Koordination bei eingeschränkter Planungssicherheit. Gerade hier lassen sich durch optimierte logistische Prozesse hohe Einsparungen realisieren.“

(ID:30512640)