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Einkauf Schlechte Einkäufer versenken 35 Mrd. Euro pro Jahr

| Redakteur: Stéphane Itasse

Rund 35 Mrd. Euro haben produzierende Unternehmen in Deutschland in den vergangenen zwölf Monaten mangels leistungsfähiger Einkaufsorganisationen verschenkt, wie die Unternehmensberatung Oliver Wyman in einer Studie ermittelt hat. Auch Einkaufschefs selbst sehen klare Defizite in ihrem Bereich.

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Einkäufer können mit kleinen Veränderungen große Verbesserungen erreichen, wie eine neue Studie zeigt. (Bild: Zuliefermesse Z)
Einkäufer können mit kleinen Veränderungen große Verbesserungen erreichen, wie eine neue Studie zeigt. (Bild: Zuliefermesse Z)

So bewerten fast zwei Drittel der befragten Einkaufsleiter ihre Abteilung als unterentwickelt, wie die Unternehmensberatung am Donnerstag bei der Veröffentlichung der Studie „Purchasing Best Practice Benchmarking“ mitteilt. Lediglich 14% seien mit der Leistungsfähigkeit zufrieden.

Gute Einkäufer sparen das Vierfache der schlechten

Darüber hinaus ergebe die Studie, dass Low-Performer weniger als die Hälfte ihres Einkaufsvolumens regelmäßig auf Möglichkeiten zur Kostensenkung prüfen und optimieren und hieraus auch nur halb so viele Einsparungen erzielen wie Top-Performer. „Diese Unternehmen lassen viel Geld liegen“, sagt Christian Heiss, Partner bei der Unternehmensberatung. „Ein leistungsfähigerer Einkauf könnte das Vierfache seiner bisherigen Einsparungen realisieren.“

Die zusätzlich verfügbaren Mittel würden den Unternehmen deutlich mehr Spielraum bescheren. Bei den Low-Performern ließen sich so etwa das Ergebnis oder die Budgets für Forschung und Entwicklung um mehr als 25% steigern. Alternativ könnten Lohnerhöhungen von knapp 7% abgefedert werden.

Einkauf leidet in Deutschland unter schlechtem Ansehen

Die Gründe für den hohen Anteil unterentwickelter Einkaufsorganisationen sind vielfältig, heißt es weiter. So sei der Einkauf in Deutschland nach wie vor oft unterbewertet. Er komme in vielen Unternehmen gemessen an Forschung und Entwicklung, Produktion oder Vertrieb erst an zweiter Stelle.

Entsprechend seien im Vergleich zu Entwicklungs- oder Produktionschefs bislang nur wenige Einkaufsleiter zum CEO ernannt worden. Auch existiere häufig kein eigenständiges Vorstandsressort Einkauf.

Bedeutung des Einkaufs für den Unternehmenserfolg zu niedrig eingeschätzt

Die Studie zeigt, dass selbst in Unternehmen mit geringer eigener Wertschöpfung die Einkaufsorganisationen einen niedrigen Reifegrad aufweisen. Dabei verantworten sie aufgrund des hohen Anteils an Zukäufen den weitaus größten Kostenblock im Unternehmen.

„Dass der Einkauf immense Bedeutung für den Unternehmenserfolg hat, bleibt noch immer weitgehend unberücksichtigt“, sagt Tobias Sitte, Associate Partner bei der Unternehmensberatung. „Oft wird er lediglich als ausführendes Organ gesehen, statt ihn als wesentlichen Ergebnistreiber aufzuwerten.“

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