Entsorgungstechnik Schneckenverdichter sorgen für weniger Kosten und Emissionen

Autor / Redakteur: Stephan Porth / M. A. Benedikt Hofmann

Entsorgungsprozesse sind teuer, weshalb die Entsorgungslogistik eines Unternehmens möglichst effizient strukturiert sein sollte. Dabei gilt: Je höher der Verdichtungsgrad von Verpackungs- oder Restmüll ist, desto besser gestaltet sich die Auslastung beim Transport der Entsorgungscontainer und desto höher ist die Kosteneinsparung.

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Die Besonderheit der Anlage von K+N: die speziell konzipierten 15 m hohen, außen liegenden Schächte.
Die Besonderheit der Anlage von K+N: die speziell konzipierten 15 m hohen, außen liegenden Schächte.
(Bild: H&G Entsorgungssysteme)

Vor 125 Jahren in Bremen gegründet ist Kühne + Nagel heute in über 110 Ländern tätig und betreibt weltweit 1000 Betriebsstätten mit insgesamt rund 7 Mio. m² Lagerfläche. Im europäischen Lkw- und Bahnverkehr zählt die K+N-Gruppe zu den sechs führenden Anbietern. In Deutschland beschäftigt K+N rund 12.500 Mitarbeiter an etwa 100 Standorten. Damit zählt das Unternehmen zu den erfolgreichsten in der Logistikbranche weltweit. Seit 2011 setzt K+N in seiner Entsorgungslogistik auf die Schneckenverdichter-Lösungen des südwestfälischen Entsorgungsspezialisten H&G Entsorgungssysteme. Sie sind an Standorten in Deutschland und den Niederlanden im Einsatz. Ziel ist eine zuverlässige Entsorgung des tagtäglich in großen Mengen anfallenden Verpackungsabfalls.

Erhöhte Anforderungen bei Durchsatz und Gewicht

In der Vergangenheit hatte K+N auf hydraulische Pressen gesetzt, doch diese konnten die erhöhten Anforderungen des Kunden bezüglich Durchsatzleistung und Transportgewicht nicht mehr erfüllen. Durch effektive Verdichtung der Kartonagen und Folien kann das Unternehmen nun seine Entsorgungs- und Transportkosten senken, denn je höher der Verdichtungsgrad, desto effizienter kann das Volumen der Entsorgungscontainer genutzt werden. Im Vergleich zu hydraulischen Pressen erreichen Schneckenverdichter dabei deutlich höhere Füllgewichte. Während Hydraulikpressen in einen Container von circa 30 m³ Volumen nur etwa 4 bis 5 t verpressen können, erreichen Schneckenverdichter mit 7 bis 9 t etwa die doppelte Menge. Durch diese erhebliche Reduzierung des Volumens kann rund die Hälfte der Entsorgungsfahrten und damit Zeit, Geld, Treibstoff und CO2 eingespart werden.

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Individuell an die Gegebenheiten des Kunden angepasst

Als zentralem Umschlagplatz in Europa kommen mehr als 50 % aller Güter per See- und Luftweg über die Niederlande in die Europäische Union. Im neuen Umschlagzentrum der Kühne + Nagel Logistics B.V. im niederländischen Tiel/Gelderland sorgt seit Ende 2014 eine bewährte Kombination von H&G dafür, großvolumige Kartonagen sowie Folien effizient und mit geringem Personalaufwand zu verdichten und sachgerecht zu entsorgen: Neben den leistungsstarken Schneckenverdichtern mit spezialisierten Einzugsvorrichtungen sind dies die bedienungsfreundlichen Hub-/Kippvorrichtungen für Sammelbehälter.

In enger Zusammenarbeit mit dem Kunden K+N konzipierte H&G eine maßgeschneiderte Lösung, die perfekt auf die Rahmenbedingungen vor Ort abgestimmt ist. Ende 2014 war das niederländische K+N-Umschlagzentrum, in dem Waren umverpackt und konfektioniert werden, von Raamsdonksveer in ein neues Gebäude nach Tiel/Gelderland umgezogen. Ein halbes Jahr vorher wurde die individuelle Planung der Entsorgungslogistik des Gebäudes gestartet. Zu Beginn stand die Analyse des Entsorgungsprozesses vor Ort durch das H&G-Team für Benelux.

So fällt der Verpackungsmüll in Tiel/Gelderland auf zwei Gebäudeebenen an. Dieser wird zum einen über ein Förderband abtransportiert, zum anderen werden Gitterbehälter mit einem Volumen von 2200 l mit Kartonagen oder Folien befüllt. Dabei ist es der räumlichen Struktur und den Arbeitsprozessen geschuldet, dass sowohl Förderband als auch Gitterbehälter zum Einsatz kommen. Ein Förderband ist nicht flexibel an jedem Ort verfügbar. Um den Zeit- und Kostenaufwand für die Mitarbeiter zu minimieren, gibt es deshalb an verschiedenen Stellen zusätzlich Gitterbehälter für die Sammlung des Verpackungsmülls. Diese werden zur hydraulischen Hub-/Kippvorrichtung gebracht und dort in den Einwurfschacht entleert.

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Übereinander angeordnete parallele Zuführung des Verpackungsmülls

Die baulichen und prozessualen Gegebenheiten erforderten zwei etwa 15 m hohe, außen liegende Einwurfschächte, über die die Schneckenverdichter beschickt werden. Sowohl die oben eingebauten Hub-/Kippvorrichtungen mit Aufnahme für die Gitterbehälter als auch die unten platzierten Schneckenverdichter mit Einzugsvorrichtungen sind in die Außenschächte integriert. Die Besonderheit ist die übereinander angeordnete parallele Zuführung des Verpackungsmülls über ein Förderband sowie eine Hub-/Kippvorrichtung auf einer Gebäudeebene in denselben Schacht. Diese sorgt dafür, dass großvolumige Kartonagen ohne großen Personalaufwand unkompliziert entsorgt werden können.

Die Beschickung über das Förderband erfolgt laufend, doch sobald die Hub-/Kippvorrichtung benutzt wird, um einen Behälter zu entleeren, wird es gestoppt. Die Schneckenverdichter und deren Einzugsvorrichtungen am Fuße der Schächte starten und stoppen ihre Arbeit automatisch, sobald Material anfällt.

Leistungsstarke Verdichtung von Kartonagen und Folien

Schneckenverdichter ermöglichen die effiziente Verdichtung großvolumiger Abfall- und Wertstoffmengen auf ein Minimum ihres ursprünglichen Volumens. Doch die Verdichtung von sperrigen Großkartonagen, wie sie bei Kühne + Nagel Logistics B.V. tagtäglich bei der Umverpackung und Konfektionierung anfallen, verlangt Schneckenverdichtern einiges ab. Deshalb arbeiten sie bei K+N mit einer vorgeschalteten und separat angetriebenen Einzugsvorrichtung, dem Kartonagevorzerreißer. Dank ihrer speziellen Messer und deren perfektionierter, winkelförmiger Anordnung auf zwei Wellen sorgen die leistungsstarken Kartonagenvorzerreißer für eine optimale Zerkleinerung auch von Großkartonagen. Neben solchen für Kartonagen bietet H&G auch weitere speziell konstruierte und jeweils separat angetriebene Einzugsvorrichtungen an, die individuell auf die jeweilige Wertstofffraktion abgestimmt werden, zum Beispiel Holzbrecher für Holz und Europaletten.

Jahrelange Erfahrung mit unterschiedlichen Wertstofffraktionen

Nach der Vorzerkleinerung garantiert die stabile Schneckenwendel der H&G-Verdichter einen besonders hohen Verdichtungsgrad. Das ausgefeilte und aufeinander abgestimmte System basiert auf jahrelanger Erfahrung der H&G mit unterschiedlichen Wertstofffraktionen und kann nur so diesen beachtlichen Wert gegenüber hydraulischen Pressen erreichen. Der ökologische Vorteil: Durch die deutliche Reduzierung des Volumens können bei K+N die Transportkilometer für Entsorgungsfahrten um etwa 50 % reduziert werden. Das spart nicht nur Zeit und Geld, sondern reduziert auch die anfallenden CO2-Emissionen um die Hälfte.

Prozesssicherheit im Betriebsalltag gewährleistet

Kühne + Nagel Logistics war es wichtig, dass durch eine leistungsfähige Verdichtung des Verpackungsabfalls nicht nur ein hoher Durchsatz gewährleistet wird, sondern auch ein reibungsloser Ablauf bei der Wertstoffentsorgung sichergestellt ist. Die robusten und leistungsstarken Schneckenverdichter helfen dabei, die Prozesssicherheit im Betriebsalltag zu gewährleisten. H&G profiliert sich bei den Kunden nicht nur durch jahrelanges Know-how, sondern auch durch die große Fertigungstiefe und die Herstellung sämtlicher Komponenten am Standort Deutschland. Das Unternehmen realisierte bereits mehr als 5000 Installationen in ganz Europa. Im Störungsfall bietet es bei dieser konkreten Anwendung einen sofortigen Telefonsupport und einen schnellen, betriebsfreundlichen Wartungs- und Reparaturservice durch einen von H&G geschulten holländischen Servicepartner. ■

* Stephan Porth ist Vertriebsleiter national bei der H&G Entsorgungssysteme GmbH in 57299 Burbach. Tel. (0 27 36) 50 96-0, info@hg-systems.com

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