Suchen

Flurförderzeugmarkt

| Redakteur: Jürgen Schreier

Chinesische Unternehmen nehmen die Intralogistik in Europa mit eigenen Produkten und Zukäufen ins Visier. Jüngstes Beispiel: Kion. Der chinesische Baumaschinenproduzent Shandong Heavy Industry steigt beim Flurförderspezialisten Kion ein.

Firmen zum Thema

Wohin geht die Reise bei Kion? Ein chinesisches Unternehmen will sich an dem Flurförderspezialisten beteiligen.
Wohin geht die Reise bei Kion? Ein chinesisches Unternehmen will sich an dem Flurförderspezialisten beteiligen.
(Bild: Kion)

Weichai Power Co., Ltd. und die Kion Group GmbH gehen eine langfristige strategische Partnerschaft ein, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Unternehmen vereinbarten heute in Wiesbaden den Einstieg von Weichai Power als weiterer Ankerinvestor bei Kion. Im Mittelpunkt der Partnerschaft steht eine enge Kooperation im Bereich Flurförderzeuge und hydraulische Antriebstechnologie. Weichai Power ist eines der führenden Industrieunternehmen Chinas im Nutzfahrzeugbau und in der Automobilzulieferung sowie Teil der Shandong Heavy Industry Group. Die Partnerschaft ist mit der bisher größten chinesischen Direktinvestition in Deutschland verbunden.

Chinesen sichern sich Option

Im Rahmen der Vereinbarung investiert Weichai Power insgesamt 738 Millionen Euro. Im Zuge einer Kapitalerhöhung wird der chinesische Investor für 467 Millionen Euro einen Anteil von 25 Prozent an Kion erwerben sowie für 271 Millionen Euro eine Mehrheitsbeteiligung von 70 Prozent an der Kion Hydrauliksparte. Mit dem Investment wird die Kapitalstruktur von Kion weiter gestärkt. KKR und Goldman Sachs Capital Partners behalten ihre bestehenden Beteiligungen und unterstützen Kion weiterhin in vollem Umfang; ihnen fließen keine Mittel aus der Transaktion zu. Im Falle eines möglichen künftigen Börsengangs von Kion hat Weichai Power die Option, den Anteil an Kion auf 30 Prozent zu erhöhen. Weichai Power hat zudem die Option, den Anteil an der Hydrauliksparte von Kion weiter zu erhöhen.

Die Redaktion von MM China hatte letzte Woche bei Shandong Heavy Industries nachgefragt. Einen Kommentare lehnten die Verantwortlichen jedoch ab. Allerdings hatten Internetrecherchen der Kollegen vor Ort folgendes ergeben: Shandong Heavy Industries beabsichtigt eine 25%-Beteiligung an Kion zu erwerben und will dafür rund 800 Mio. Euro ausgeben.

Kion "mauerte"

Kion wollte damals zu den Berichten keine Stellungnahme abgeben. „Es gab und gibt immer wieder Gerüchte und Spekulationen, die wir generell nicht kommentieren". Detlef Sieverdingbeck, Head of Corporate Communications Linde Material Handling, verwies im Gespräch mit diesem Magazin ebenfalls auf das Kion-Statement. Linde Material Handling ist eine wichtige Marke der Hessen.

Die Kion Gruppe gehört Goldman Sachs und der Beteiligungsgesellschaft Kohlberg Kravis Roberts KKR. Mit seinen Hauptmarken Linde Material Handling und Still erwirtschafteten die Wiesbadener 2011 einen Umsatz von rund 4,4 Mrd. Euro. Unterm Strich stand jedoch ein Verlust von 93 Mio Euro. Shandong Heavy Industry ist im Gabelstaplermarkt ein Unbekannter. Das Produktspektrum der Chinesen konzentriert sich auf Baumaschinen wie Bagger oder Walzen. Die Asisaten erwirtschafteten 2010 rund 10 Mrd. Euro und verbuchten einen Gewinn von rund 1,4 Mrd. Euro.

Kion steht vor einer wichtigen Umschuldungsrunde

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, dass das Geld der Chinesen in Wiesbaden durchaus willkommen sein dürfte, denn im kommenden Jahr stehe das Unternehmen vor einer wichtigen Umschuldungsrunde.

Zur Kion-Gruppe zählen unterschiedliche Flurförderzeugbauer. Neben Linde Material Handling GmbH (LMH) aus Aschaffenburg auch die Still GmbH, Hamburg, Fenwick-Linde Châtellerault aus Frankreich, OM Carrelli Elevatori S.p.A., Lainate aus Italien, Kion Baoli (Jiangsu) Forklift Co., Ltd., Jiangsu (nahe Shanghai/China) und Voltas Material Handling Private Ltd, Mumbai (Indien).

(ID:35130600)