Porträt Sick blickt auf 75 Jahre Pionierleistung

Mit seiner Idee, Optik und Elektronik zu kombinieren, um den menschlichen Sehsinn in Form von Sensorik für die Überwachung von Maschinen und Emissionen nutzbar zu machen, legte der Erfinder und Ingenieur Dr. Erwin Sick den Grundstein für sein Unternehmen. Seit jeher haben seine innovativen Produktneuheiten die Industrie bewegt.

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Für seine Sensorikprodukte und -anwendungen, etwa Track-and-Trace-Systeme für die Logistik, verzeichnet Sick starke Zuwächse – insbesondere in der Logistikautomation.
Für seine Sensorikprodukte und -anwendungen, etwa Track-and-Trace-Systeme für die Logistik, verzeichnet Sick starke Zuwächse – insbesondere in der Logistikautomation.
(Bild: Sick)

Angefangen hat alles mit einem Kontrasttaster für die Verpackung von Käseschachteln. Mit dem optischen „Lichtvorhang nach Patent Sick“ akquirierte Erwin Sick 1952 Aufträge zum Unfallschutz für die großen Karosseriepressen bei der aufstrebenden Automobilindustrie und legte die erste Geräteserie auf. Vier Jahre später stellte er das erste optoelektronische Messgerät zur Bestimmung der Rußkonzentration von Anlagen vor. Schon weit vor der öffentlichen Beachtung des Umweltschutzes bewies Sick damit seinen Pioniergeist. Diese Sensorerfindungen verhalfen dem Unternehmen zum Durchbruch – wirtschaftlich wie technologisch. Ein weiterer Meilenstein für das Unternehmen war 1975 die Entwicklung des ersten Farbring-Codelesers zur Erkennung farbiger Ringcodierungen auf Ampullen. Diese vier Entwicklungen waren die Basis für Geschäftsfelder, mit denen Sick heute mehrere Hundert Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet.

In 75 Jahren ist Sick quasi von einer One-Man-Show zum international agierenden Unternehmen mit über 10.000 Mitarbeitenden und über 1,7 Milliarden Euro Umsatz (Stand 2020) gewachsen. Der Treiber hinter allen Entwicklungen war stets der Gedanke, Technologie vor allem zum Wohle von Mensch und Umwelt einzusetzen und auf keinen Fall für militärische Zwecke. Dieser Pioniergeist lebt bis heute fort. Noch immer liegt der Fokus auf Lösungen, die Organisationen helfen, sicher und nachhaltig mit Ressourcen umzugehen. Unter anderem mit Staubmesstechnik oder Sicherheitslösungen unterstützt das Unternehmen seine Kunden dabei, negative Auswirkungen auf die Umwelt oder die Gesundheit zu minimieren. Dabei erzeugt die digitale Transformation weitere Schubkraft.

Digitalisierung vorausgesehen

Seit 2004 steht Sick für „Sensor Intelligence“. Der Claim repräsentiert den Anspruch, Intelligenz auf Basis von Sensoren für das gesamte Feld der Automation einzusetzen. Was 2004 noch in den Kinderschuhen steckte, ist mittlerweile gelebte Realität. Sensoren von Sick erzeugen wertvolle Daten. Der Fokus für künftige Innovationen wird darauf liegen, das in den vielen Jahren gewonnene Anwendungs-Know-how aus dem Einsatz der Sensoren mit den Daten sinnvoll zu verbinden. Dafür sind in den vergangenen Jahren der „Sick App Space“ und der „Sick Integration Space“ entwickelt worden. Beides markiert erst den Anfang, denn mit der digitalen Transformation werden in der Zukunft ungeahnte Potenziale realisiert. Sick will die Durchgängigkeit seiner Lösungen vom Shopfloor bis zur Unternehmenssteuerung weiter intensivieren. Durch die Nutzung neuer digitaler Technologien und Geschäftsmodelle soll sich ein Mehrwert sowohl auf Sensor- und Maschinen- als auch auf der Prozessebene ergeben. Dazu gehören Lösungen zur intuitiven Sensorprogrammierung mit „Sick App Space“, die beispielsweise Künstliche Intelligenz (KI) mit Deep Learning direkt vor Ort ermöglichen, ebenso wie zur intelligenten Sensorintegration oder digitale Dienste im „Sick Integration Space“.

Organisatorische Weichenstellung

Diese Entwicklungen sind das Resultat neuer Arbeitsbereiche bei Sick. Darüber hinaus ist das Unternehmen inzwischen zu einem globalen Unternehmen gewachsen und hat seine globale Vertriebsaufstellung gestärkt, um der steigenden Komplexität am Markt gerecht zu werden. Globalisierung, Kundenzentrierung und Innovation weiter zu stärken, sind wesentliche strategische Ziele der Sick AG. Die Erweiterung des Vorstandskreises trägt dieser Entwicklung mit der Fokussierung der einzelnen Ressorts Rechnung. Mit der internationalen Besetzung von „Sales & Service“ sowie „Products & Marketing“ stärkt das Unternehmen seine globale Aufstellung. Zugleich schafft die Neuordnung der Ressortverantwortlichkeiten Freiraum für Neues: Sie ist ein Motor für weitere Pionierleistungen im Zuge der Digitalisierung.

Natürlich kann sich auch Sick nicht komplett von der Sars-Cov-2-Entwicklung entkoppeln. „Den Auswirkungen der Pandemie zum Trotz haben wir ein stabiles Ergebnis erreicht, das wir vor allem dem besonderen Einsatz unserer Beschäftigten verdanken“, sagt Dr. Robert Bauer, Vorstandsvorsitzender der Sick AG. Man habe sich auf wesentliche Zukunftsthemen konzentriert und dort seinen Technologievorsprung ausbauen können.

Zeitleiste

1946: Ingenieurbüro-Lizenz für Dr. Erwin Sick.
1952: Serienreifer Unfallschutz-Lichtvorhang.
1975: Farbring-Codeleser für Ampullen.
1982: Volumenstrom-Messgerät nach Ultraschalllaufzeit-Verfahren.
1989: Entfernungserfassung nach Pulslaufzeit-Verfahren.
2001: Hochgeschwindigkeits-2D-Codeleser und lernfähiger Vision-Sensor.
2005: Sensor/Aktor-Schnittstelle IO-Link.
2011: Motor-Feedback-System EKS/EKM36.
2017: „App Space“ vereint Software und Hardware.
2019: „Asset Hub“ zur Verwaltung von digitalen Zwillingen geht an den Start.

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Über den Autor

Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Fachredakteur, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG