Alternative Antriebe

Siemens stattet erste E-Fähre aus

| Redakteur: Bernd Maienschein

Der Strom in den Batterien auf der Fähre stammt aus Wasserkraft, der Ladeprozess am Pier dauert nur 10 min.
Der Strom in den Batterien auf der Fähre stammt aus Wasserkraft, der Ladeprozess am Pier dauert nur 10 min. (Bild: Siemens)

In Norwegen wurde jetzt die weltweit erste batterieelektrische Auto- und Passagierfähre in Betrieb genommen. Ihr Verbrauch liegt pro 6 km langer Strecke bei lediglich 150 kWh, so viel, wie ein norwegischer Standardhaushalt in drei Tagen benötigt.

Siemens hat für diese Zusammenarbeit mit dem Schiffbauer Fjellstrand das komplette elektrische Antriebssystem sowie Ladestationen mit Lithium-Ionen-Batterien geliefert, die mit Strom, der aus Wasserkraft gewonnen wird, geladen werden. Wie es heißt, senkt der Schiffseigner Norled durch den Wechsel zum Batterieantrieb die Treibstoffkosten um bis zu 60 %. Die Norled-Fähre zählt als Meilenstein auf dem Weg hin zum Betrieb von vollständig emissionsfreien Fähren entlang Norwegens langer Küste, wobei momentan auf mindestens 50 weiteren Strecken batteriebetriebene Schiffe eingesetzt werden könnten.

Bedingt durch das relativ schwache Stromnetz in der Region haben Siemens und Norled entschieden, drei Batteriepakete einzusetzen: eines an Bord und jeweils eines als Zwischenspeicher in jedem Hafen. Diese 260-kWh-Einheiten versorgen die Fähre während der Wartezeit mit Elektrizität. Anschließend wird die abgegebene Energie langsam aus dem Netz ersetzt, bis das Schiff zurückkommt, um Passagiere abzusetzen und erneut zu laden. Die Ladestationen befinden sich in kleinen Gebäuden, jeweils etwa so groß wie ein Zeitungskiosk. Nachts, wenn die Fähre nicht in Betrieb ist, werden die Batterien auf dem Schiff direkt aus dem Netz wieder aufgeladen. Jedes Batteriepaket entspricht der Leistung von 1600 Standardautobatterien. Der Verbrauch der Norled-Fähre liegt bei etwa 2 Mio. kWh im Jahr. Eine konventionelle Dieselfähre hat einen Verbrauch von mindestens 1 Mio. l Diesel im Jahr, bei einem Kohlenstoffdioxidausstoß von 570 t sowie einem Stickoxidausstoß von 15 t. „Wir sind stolz, die erste Elektrofähre weltweit in Betrieb zu haben“, sagt Sigvald Breivik, Technical Director bei Norled. „Siemens ist ein großartiger Partner bei der Suche nach innovativen und nachhaltigen Lösungen für unsere Umwelt.“

Auf dem Schiff hat Siemens das elektrische Antriebssystem „BlueDrive PlusC“ installiert. Dies umfasst unter anderem ein Batterie- und Steuersystem, Strahlruder- und Propellersteuerungen, ein Energiemanagementsystem und ein integriertes Warnsystem. Die integrierten Automatisierungssysteme, die über Profibus mit allen anderen Untersystemen verbunden sind, dienen zur Steuerung und Überwachung der Maschinen und Hilfssysteme an Bord.

„Wir sind optimistisch und begeistert über diese Technologie und wie sie die Zukunft der umweltfreundlichen maritimen Technik und des Schiffbaus mitgestaltet“, sagt Mario Azar, CEO der Siemens Business Unit Oil & Gas and Marine. „Es freut uns, dass wir einem so wertvollen Projekt unsere Expertise, einschließlich des elektrischen Antriebssystems, zur Verfügung stellen konnten.“

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