Packmittel Smart verpackt mit und ohne Elektronik

Smart steht oftmals für die Integration von Elektronik, die aus einem einfachen Produkt ein smartes macht. Doch smart bedeutet zunächst einmal: intelligent oder clever. Deshalb verbirgt sich hinter dem Stichwort „Smart Packaging“ eine Vielzahl von intelligenten Verpackungslösungen – teils mit, teils ohne Elektronik.Claudia Treffert

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RFID-Chips auf Verpackungen – noch ist das Szenario Zukunftsmusik. Aber dank organischer Elektronik könnten sich die Kosten verringern, weil aufgedruckte Chips nur einen Bruchteil kosten.Bild: Siemens
RFID-Chips auf Verpackungen – noch ist das Szenario Zukunftsmusik. Aber dank organischer Elektronik könnten sich die Kosten verringern, weil aufgedruckte Chips nur einen Bruchteil kosten.Bild: Siemens
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Beutel, Boxen, Folien, Hauben, Kartons, Säcke, Schachteln: Ein Blick auf die Websites der beiden Wettbewerber Rajapack, Birkenfeld, und Ratioform, Pliening, gibt einen Eindruck von der Vielfalt der am Markt erhältlichen Packmittel. Dennoch nur einen kleinen Eindruck, denn Packmittel wie Ampullen, Dosen, Fässer, Netze und vieles mehr fehlen. In Bezug auf Transport- und Versandverpackungen ist das Angebot der Versandhändler allerdings beeindruckend umfangreich. Es zielt insbesondere auf Kunden, die eher kleine Mengen an Packmitteln benötigen – und die sie dort finden.

„Wir halten allein 400 unterschiedliche Abmessungen an Kartonagen vor“, sagt Ulf Heber, Produktmanager und Prokurist beim Unternehmen aus Pliening. „Da ist in der Regel die passende Größe dabei.“ Kartonagen – also Faltkartons aus ein- beziehungsweise mehrwelliger Wellpappe oder Faltschachteln – zählen bei den Versandhändlern nach wie vor zu den am meisten nachgefragten Produkten.

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Doch auch Kunststoffboxen im Programm zu haben, sei absolut wichtig, um sie alternativ zu Well- beziehungsweise Vollpappe anzubieten, meint Heber. Nicht nur weil es gegensätzliche Überzeugungen bezüglich des optimalen Materials gebe. Vielmehr hat jedes Material seine Stärken, und Kunden, die dies berücksichtigen, entscheiden sich je nach Verpackungs- oder Transportaufgabe für die ökonomisch und ökologisch günstigere Variante.

Intelligente Verpackung ist Zukunftsmarkt für die Branche

Die kann in dem einen Fall Wellpappe heißen, in einem anderen Kunststoff, Karton oder Holz. Doch Heber weiß aus Erfahrung mit Kunden, die mehr suchen als eine einfache Faltkiste: „Gerade bei komplexen Aufgaben wird die Einstoff-Verpackung durch eine aus Materialkombinationen ersetzt.“ Solche Verpackungssysteme erfüllen meist mehrere (Schutz-)Funktionen, sollen das Handling erleichtern – vom Ab- bis zum Auspacken –, sollen zur Kundenbindung beitragen und Kaufanreize bieten. Oft all das zusammen und etwas mehr.

Smart Packaging, intelligentes Verpacken, lautet das Stichwort. „Für die Wellpappenproduzenten sehe ich hierin einen Markt mit deutlichem Wachstumspotenzial“, erklärt dazu der Geschäftsführer des Verbandes der Wellpappen-Industrie (vdw), Oliver Wolfrum. Bei Pro Carton kann man das für die eigene Branche nur bestätigen, genauso wie bei der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK). Wobei die Vorstellungen, was unter „Smart Packaging“ konkret zu verstehen ist, durchaus voneinander abweichen.

Eine ziemlich einleuchtende Definition geben die Autoren der Website „www.smartpackaging.co.uk“. Für sie steht „smart“ gleichbedeutend mit „clever“ oder „neat“ (geschickt), wobei eine wirklich sinnvolle Funktionalität gegeben sein müsse und nicht nur „gimmickry“ – Effekthascherei. Um sicherzugehen, dass sie richtig verstanden werden, ergänzen sie ihre Definition um zwei Kategorien.

RFID-Chips machen aus einer normalen Verpackung eine smarte

So macht zum einen die Integration von Elektronik, beispielsweise RFID-Chips, aus einer normalen Verpackung eine smarte. Zum zweiten sorgen Mehrwert bietende Attribute für den Wechsel zum Smarten. Das könnten – so sagen sie – einfache Design-Elemente sein oder mechanische, chemische, elektrische oder elektronische Funktionen, die die Benutzerfreundlichkeit oder die Effektivität der Verpackung verbessern. Ergänzen ließen sich hier noch die geschickte Materialauswahl und eine aufgabengerechte Konstruktion.

Besonders durch die zweite Kategorie sieht man bei der Thimm-Gruppe die eigene Definition von Smart Packaging bestätigt. Es komme allerdings nicht darauf an, eine Verpackung herzustellen, die alles kann. Vielmehr gelte es, eine Lösung zu entwickeln, die die gewünschten Kundenanforderungen optimal verknüpft. „Je mehr Verknüpfungen sie gewährleistet, um so funktionaler und ,intelligenter’ – also werthaltiger – ist die Verpackung“, ist Jürgen Düvel, Geschäftsführer von Thimm Schertler Verpackungssysteme, Nordhausen, überzeugt.

Ihr „Können“ entfaltet die Verpackung immer in Kombination mit dem Prozess, den sie durchläuft, und den Menschen, die diesen Prozess beherrschen. Nur dieses Zusammenspiel führt zu einer wirklich intelligenten Lösung, von der alle Beteiligten profitieren. „Und die Nachfrage nach solchen Lösungen ist groß.“ Je werthaltiger und komplexer das Produkt, umso größer.

Zwei Beispiele aus zwei Geschäftsbereichen der Gruppe unterstreichen das Gesagte. So ermöglicht es ein aus einer Materialkombination von Wellpappe, Holz und Polsterschäumen bestehendes Verpackungssystem dem Kunden, seine medizinische Apparatur überall auf der Welt sicher, zeitnah und umweltgerecht zum Einsatz zu bringen. Für das Einhalten von Sicherheitsstandards im internationalen Transportwesen sorgen zertifizierte Holzarten. Diese plus die anderen Materialien bringen vergleichsweise wenig Gewicht auf die Waage. Das optimiert die Fracht, wobei während des Transports mögliche Erschütterungen dank gezielter statischer Berechnungen keinen Schaden anrichten können.

Konstruktive Lösung spielt die Hauptrolle

Beim zweiten Beispiel nimmt die konstruktive Lösung die Hauptrolle ein. Denn die Verpackung für die Nahrungsmittelindustrie beziehungsweise den Einzelhandel verbirgt eine trickreiche Mechanik in ihrem Inneren. Das Warenvorschubsystem ist integraler Bestandteil der Umverpackung, die sich im Verkaufsregal genauso wie in der Zweitplatzierung einsetzen lässt.

Dank des einfachen und funktionalen Mechanismus bleiben die in der Verpackung präsentierten Produkte immer sichtbar und für den Käufer leicht entnehmbar. Dabei muss es nicht immer Schokolade sein. CDs, Faltschachteln, Beutel oder Blister können ebenso präsentiert werden. Ein zusätzliches Plus kommt hinzu: Der Warenvorschub sorgt für ein geordnetes Erscheinungsbild im Regal, was den Kaufanreiz fördert und – nicht zu vergessen – die Regalpflege reduziert.

Solche erstaunlich einfachen, in der Entwicklung aber gar nicht trivialen Lösungen kann man auch beim Verpackungshersteller Karl Knauer, Biberach (Baden), finden. Eine Innenfutter-Faltschachtel für pulvrige Produkte und Granulate gehört beispielsweise dazu. Denn das luftdichte Innenfutter der Verpackung lässt sich — sehr zur Freude der Käufer des Produkts — nicht nur einfach und sauber öffnen. Durch eine Einstecklasche ist die Faltschachtel außerdem wieder sicher verschließbar; was nicht jede vorgeblich wiederverschließbare Verpackung mit sich machen lässt.

Anders als viele Verpackungshersteller setzt das zur Copaco-Gruppe gehörende Unternehmen einen Entwicklungsschwerpunkt auf die Integration gedruckter elektronischer Bauteile. Die Gruppe engagiert sich als (bisher) einziger Faltschachtel-Hersteller in der Organic Electronic Association (OE-A). Diese vom VDMA eingerichtete internationale Arbeitsgemeinschaft analysiert aus Sicht der Nutzer die Möglichkeiten rund um das Thema organische Elektronik – und die Mitgliedsunternehmen zeigen mit von ihnen entwickelten Produkten auf, was möglich ist.

Die Faltschachtel mit integriertem Thermometer des Unternehmens aus dem Kinzigtal gehört mit Sicherheit zu den smarten Verpackungen, die den Kunden aus der Nahrungsmittel- oder Pharmaindustrie einen Mehrwert bieten. Den Käufern der Produkte ebenso. Denn auch sie sehen mit einem Blick, ob die Temperatur für das wärme- oder kälteempfindliche Produkt in der Faltschachtel noch „im grünen Bereich“ liegt.

Mehrfarbige Lichteffekte setzen Produkte in Szene

Weitaus auffälliger agiert die auf der letztjährigen Interpack gezeigte, „Hi-Light“ genannte leuchtende Verpackung. Deren aktiv leuchtende Bereiche werden auf die hochveredelte Oberfläche aufgedruckt – wenn gewünscht, auf mehrere Seiten. Mit mehrfarbigen Lichteffekten oder -animationen, kombiniert mit einem Bewegungssensor, lassen sich Logos, Bilder oder Texte in Szene setzen, was in den Marketingabteilungen Interesse weckt.

Die aufdruckbaren RFID-Tags, wie sie die Unternehmen der Copaco-Gruppe gemeinsam mit Partnern innerhalb der VDMA-Arbeitsgemeinschaft entwickeln, zielen dagegen mehr auf verbesserte Logistikprozesse ab. Denn die gedruckten Chips würden die Kosten, die (neben Anderem) dieser smarten Anwendung bisher im Wege stehen, deutlich senken.

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