Großer Sprung im Hochrhein

06.02.2019

Mit Technik von STAHL CraneSystems überwinden Boote eine Staustufe

Ob flussab- oder aufwärts, wo Wasser gestaut wird müssen Schiffe Höhen­unterschiede überwinden. Im Zuge der Konzessions­erneuerung des Kraftwerks Ryburg-Schwörstadt wurde 2018 die dortige Boots­übersetzungs­anlage erneuert. Der Kran­bauer Innokran installierte zwei Kran­konstruk­tionen mit Hebe­technik von STAHL CraneSystems.

Auf seinen 1.232,7 km vom Quellgebiet in der Schweiz bis zur Mündung in die Nordsee legt der Rhein 2.345 Höhen­meter zurück. Alleine im Gebiet des Hochrheins, dem etwa 150 km langen Abschnitt zwischen Boden­see und Basel, fällt das Wasser insgesamt um 150 m. Dieses relativ hohe Gefälle führt zu zahlreichen Strom­schnellen, wie dem Ettikoner Lauffen, und Wasser­fällen, wie dem Rheinfall bei Schaff­hausen – dem größten Wasserfall Europas. Das Wasser des Rheins und seine Energie sind gefragt: der Hochrhein wird für die Klein­schiff­fahrt genutzt, ist ein beliebtes Ausflugsziel und im Sommer ein Paradies für Kanu- und Kayakfahrer. Zugleich wird mit Hilfe von elf Staustufen und zwölf Wasser­kraft­werken umwelt­freundlich Strom produziert – was eine Heraus­forderung für den reibungslosen Schiff­fahrts­verkehr darstellt.

Bei Fluss­kilometer 143 liegt das Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt. Es ist mit einer Leistung von 120 MW das größte Fluss­kraftwerk am Hochrhein. Das Wehr des Kraft­werks liegt auf der schweizerischen Seite des Rheins, die Maschinen­halle auf badischer Seite – damit befindet sich das Kraftwerk genau auf der Staats­grenze. Dank einem Personen­übergang kann die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz von Fußgängern und Radfahrern über dem Wasser leicht über­wunden werden. Die Staustufe des Kraftwerks allerdings stellt – wie jede Staustufe – für die Bootsfahrer und stromaufwärts wandernde Fische eine Barriere dar: wer auf und in dem Hochrhein unterwegs ist, muss beim Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt einen Höhen­unterschied von 10,6 m zwischen Unter- und Oberwasser überwinden. Um das zu ermöglichen wurden für die Fische umfangreiche Aufstiegs­anlagen gebaut, für die Schiffe gibt es eine spezielle Boots­übersetzanlage.

Bisher wurde für die Übersetzung der Boote vom Unter- zum Oberwasser eine Seilwinde eingesetzt, welche die Boote über eine schräge Zufahrt aus dem Wasser zog. Über eine Rollen­bahn wurden die Boote dann bis zum Wieder­einstiegs­punkt transportiert. Im Zuge der Konzessions­erneuerung des Kraftwerks sollte auch die komplette Übersetz­anlage neu konzipiert werden. Verantwortlich für die Umbau­maßnahmen war die Schweizer Firma Inauen-Schätti AG. Die Inauen-Schätti AG beauftragte die deutsche Firma Innokran GmbH mit der Realisierung der Transport­anlage. Innokran GmbH ist lang­jähriger zertifizierter Kranbau­partner von STAHL CraneSystems und bietet von Planung über Fertigung bis hin zu Montage alle Kranbau­arbeiten an. „Zuerst war geplant, dass wir nur die Antriebs­komponenten der neuen Übersetz­anlage stellen. Nach mehreren Gesprächen mit der Inauen-Schätti AG stellte sich aber eine komplette Konzipierung und Realisierung der Über­setzanlage durch uns als sinnvollste Lösung heraus“, erinnert sich Klaus Fetzer von Innokran. „Im Februar 2018 stand das Konzept der Anlage mit einem Portal­kran am Unter­wasser und einem Säulen­schwenk­kran am Oberwasser.“

Von der Schiffs­anlege­stelle am Ober­wasser werden die Boote an Land gehoben. Dazu wurde ein 6,47 m hoher Säulen­schwenkkran mit 4.000 kg Trag­fähigkeit und einer Ausladung von 6 m installiert. Ein Kettenzug ST 50 von STAHL CraneSystems hebt die Boote aus dem Wasser. Wenn die Boote an Land sind, werden sie mit einem Wagen ca. 100 m am Wehr vorbei zum Einstiegs­punkt am Unter­wasser transportiert und dort wieder in den Rhein herab­gelassen. Hierzu wurde eine stationäre Portal­konstruktion errichtet. Auf der Wasser­seite ist das Portal 20 m hoch, auf der Landseite dagegen nur 6 m. Die Länge beträgt 20 m. Innokran installierte daran einen speziell angefertigten Zwei­träger­hängekran mit einer Spann­weite von 5,40 m. Zwei stationäre Seilzüge SH 40 mit je 2.500 kg Trag­fähigkeit von STAHL CraneSystems heben die Boote an einer Traverse sicher zurück ins Wasser. Die Seilzüge können mit Hilfe einer Funk­steuerung einzeln oder im Tandem­betrieb genutzt werden. Ein beidseitiger Wartungs­steg erleichtert die Inspektion der Anlage. „Um den reibungslosen Betrieb in jeder Wetter­lage zu gewährleisten, sind Hebezeuge und Steuerung beider Anlagen mit Stillstand­heizungen und Wetterschutz­dächern ausgestattet“, erklärt Klaus Fetzer.  

Boote bis zu 15 m Länge, 2,20 m Breite und einem Gesamt­gewicht von 2.000 kg können mit der neuen Übersetz­anlage ohne Probleme transportiert werden. Fünf Monate nach der Auftrags­erteilung konnte die neue Anlage im Juli 2018 in Betrieb gehen und ihre Dienste direkt in der Schifffahrt-Hochsaison unter Beweis stellen.

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