Energieeffizienz

Staplerantriebe zwischen Hype und Wirklichkeit

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Was ist aber mit dem vieldiskutierten Hybridantrieb in Flurförderzeugen? Grundvoraussetzung für eine sachliche Bewertung dieser – nicht wirklich neuen – Technik ist, dass die richtigen Vergleiche gezogen werden: Wenn veraltete Technik einer Vorgängergeneration mit neuester Hybridtechnik verglichen wird, ergeben sich tatsächlich Verbrauchsreduzierungen um 40% und mehr. Solche Werte zu publizieren ist irreführend.

Dieselantrieb ist dem Hybridantrieb fast ebenbürtig

Werden verbrauchsoptimierte Geräte der aktuellen Generation von Jungheinrich mit der Hybridtechnik verglichen, schrumpft das Potenzial zur Verbrauchsreduzierung durch Hybridtechnik drastisch. Das ist beim Automobil auch nicht anders: Moderne Dieselfahrzeuge sind der Hybridtechnik im Verbrauch fast ebenbürtig! Wird der erhebliche zusätzliche technische Aufwand eingerechnet, kann die CO2-Bilanz sogar negativ sein.

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Für den Hybridantrieb gibt es gegenwärtig nur ein sehr kleines Einsatzspektrum, in dem diese Technik wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden kann, meint Marek Scheithauer, Leiter des Produktmanagements für verbrennungsmotorische Flurförderzeuge im Jungheinrich-Werk Moosburg. Die zusätzlich erforderliche Technik lohnt sich nur bei sehr intensiven Einsätzen und auch erst dann, wenn die Preise für Diesel und Treibgas noch einmal um rund 50% steigen.

Fazit: Elektromobilität und Hybridtechnik gibt es seit über 100 Jahren. Auch die Brennstoffzelle ist seit vielen Jahrzehnten bekannt und wurde bereits in den 60er Jahren in den Apollo-Missionen als Energielieferant eingesetzt. Die eigentliche Herausforderung liegt darin, die Technik zielgerichtet so weiterzuentwickeln, dass die Kosten unter Berücksichtigung aller im Einsatz auftretenden Elemente optimal sind.

Schützenhilfe wird durch die Automobilindustrie erwartet

Der richtige Zeitpunkt für die Einführung der neuen Technik ist erst dann gegeben, wenn im Einsatz ein höherer Nutzen entsteht als mit der alten Technik. Das große öffentliche Interesse an den neuen Antriebstechnologien darf nicht dazu führen, die Aufmerksamkeit auf die falschen Pfade zu lenken. Laut einer VDMA-Studie werden in den nächsten zehn Jahren 56% der Effizienzsteigerungen auf bestehenden Technologien basieren.

Darüber hinaus hat die Lithium-Ionen-Technik große Chancen, in die Flurförderzeuge Einzug zu halten. Die Flurförderzeugbranche ist dabei nicht zuletzt auf die Schützenhilfe der Automobilindustrie angewiesen, um die enormen Investitionen für die kostengünstige Produktion der Akkus zu forcieren.

Jungheinrich wird die alternativen Antriebstechniken aktiv weiterentwickeln, ohne dabei die Optimierung der bestehenden Technik aus den Augen zu verlieren. So können Geräte angeboten werden, die gleichzeitig den Forderungen nach Wirtschaftlichkeit und einer guten CO2-Bilanz gerecht werden. Wenn sich Chancen eröffnen, durch Lithium-Ionen- oder Hybrid-Technik einen höheren Kundennutzen zu schaffen, wird Jungheinrich seinen Kunden solche Geräte anbieten.

Peter Dibbern ist Leiter Grundlagenentwicklung bei der Jungheinrich AG in 22047 Hamburg.

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