Cargo-Bikes Steigende Lust an der Last

Katholisch dominierte Landstriche feiern hierzulande am Donnerstag das religiöse Hochfest Fronleichnam. Für andere ist in vielen Ländern der 3. Juni der Europäische Tag des Fahrrades – und das seit 1998. Und der wirkt bis in die Logistik hinein.

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2008 hob der letzte Flieger von Berlin Tempelhof ab. Wenn es die Coronasituation zulässt, findet dort am 2. und 3. Oktober die Publikumsmesse VELO Berlin 2021 statt.
2008 hob der letzte Flieger von Berlin Tempelhof ab. Wenn es die Coronasituation zulässt, findet dort am 2. und 3. Oktober die Publikumsmesse VELO Berlin 2021 statt.
(Bild: Pressedienst Fahrrad / Florian Schuh)

Der Aktionstag soll auf die Probleme der Pedalritter durch motorisierte Fortbewegungsmittel im Straßenverkehr aufmerksam machen. Doch nicht Sport oder Erholung sollen in diesem Text im Vordergrund stehen: Eines der spannendsten Themen auf dem Fahrradmarkt, wenn nicht das spannendste, sind derzeit Lastenräder. Familien nutzen die abgaslosen Lastesel zunehmend gerne als Ersatz für den Zweitwagen. Aber auch für Gewerbetreibende und Kleinunternehmen bieten sie sich als Transportmöglichkeit und hochflexibles „Firmenfahrzeug“ an.

Symbole der Verkehrswende

Laut dem Pressedienst Fahrrad wurden in Deutschland im letzten Jahr (2020) etwa 103.200 Cargo-Bikes verkauft, von denen etwa drei Viertel mit einem Elektroantrieb ausgestattet waren. Das waren 25 Prozent mehr als im Jahr 2019 – Tendenz weiter steigend. Vor allem beim Anfahren mit einem beladenen Rad und – selbstredend – ganz besonders in hügeligem Gelände ist E-Unterstützung sehr hilfreich und auch dringend angesagt. Waren Lastenräder früher ein gewohntes Bild auf den Straßen, haben sie im Lauf der letzten Jahrzehnte stark an Bedeutung verloren und erfahren erst jetzt, insbesondere durch den „elektrischen Rückenwind“, wieder mehr Beachtung.

Die bekanntesten und gleichzeitig gebräuchlichsten Vertreter ihrer Gattung dürften die sogenannten „Long-Johns“ sein – Cargo-Bikes, die erstmals Ende der 1920er-Jahre in Dänemark auftauchten. Bei diesen Vehikeln ist die Ladefläche vor dem Fahrer angeordnet, zwischen dem Steuerrohr (mit dem Lenkrad) und dem Vorderrad. So lassen sich ohne Probleme bis zu 100 Kilogramm Last transportieren. Und jetzt kommt sehr viel „Lenker“: Der Lenker ist über eine Lenkstange unter der Ladefläche des Velos und einen Lenkhebel mit dem Lenkerrohr verbunden. Der offensichtlichste Vorteile der Long-Johns ist ein aufgrund der niedrigen Ladefläche sehr günstiger Schwerpunkt des Bikes.

Aller guten Dinge sind drei

Dreiräder dagegen haben ihre Ladefläche, wie beim Long John zumeist mit einer geräumigen Box aufgerüstet, zwischen den beiden Vorderrädern. Neben viel Platz für gewerbliche Ladung kann diese relativ kippstabile Fahrradgattung, abhängig natürlich von Hersteller und Modell, bis zu sechs Kindersitze aufnehmen – ein Eldorado für Großfamilien oder Kitas. Es gibt sogar Modelle mit Neigefunktion, bei denen sich die Vorderräder leicht schräg stellen und das Rad in die Kurve neigen. Eine im Unterschied zum raumgreifenden Dreirad relativ platzsparende Variante sind Longtail-Räder. Wie der Name schon vermuten lässt, sind die ansonsten ganz normalen Räder mit einem verlängerten Gepäckträger ausgestattet, mit einem leicht nach hinten versetzten Hinterrad.

Hundert Prozent gewerbliche Lastenräder sind natürlich auch im Angebot. Außer den lange bekannten „Bäckerrädern“ (mit einem Korb über dem kleineren Vorderrad) werden inzwischen dreirädrige Velos mit einer großen Ladefläche zwischen den Hinterrädern angeboten. Aufbauten mit Transportboxen und einem Kubikmeter Inhalt sind dabei keine Seltenheit mehr. Und sogar erste vierrädrige Exemplare sind auf dem Markt anzutreffen. Das leitet dann aber stark in die Kategorie „Rikscha“ über, also den Personentransport, und hat mit dem hier thematisierten Lastenrad nicht mehr viel gemein.

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