Lagertechnik

Stöcklin bringt Frey ins Rollen

| Autor / Redakteur: Urs Grütter / Benedikt Hofmann

Im Zuge der Einlagerung erfolgt der Weitertransport über Vertikalförderer in das Obergeschoss auf Förderniveau +4,8 m. Dort werden sie von Einzelförderern übernommen, auf einen Drehtisch transportiert, um 90° gewendet und mit Hilfe von zwei weiteren Förderern in Halteposition vor dem Verschiebewagen verbracht. Der Verschiebewagen verfährt auf einer Länge von 12 m und ist mit zwei Lastaufnahmemitteln ausgestattet, die als Kettenförderer ausgelegt sind. Infolge können parallel eine Palette von der Einlagerstrecke aufgenommen und eine weitere auf die Auslagerstrecke abgegeben werden. Über den schlupffreien Zahnriemenantrieb sind Geschwindigkeitswerte beim Fahren im beladenen Zustand bis zu 5,0 m/s³ realisiert worden. Die Einlagerung in eine der drei Gassen des Hochregallagers erfolgt über Stichbahnen, wo die Paletten aufgetaktet werden. Die exakte Positionierung der unterschiedlich langen Ladungseinheiten vor der Aufnahme wird über eine spezielle Sensorik geregelt.

Variierende Ladeeinheiten schnell und sicher ein- und ausgelagert

Das automatische Pneulager ist als frei stehende Regalanlage ausgeführt worden und bietet in drei Gassen Platz für die einfachtiefe Querlagerung von rund 10.000 Paletten. Die lichte Gassenhöhe beträgt circa 23 m. Gelagert werden sowohl Europaletten Typ 1 mit Aufsetzrahmen (1.250 × 850 × 545 mm) und einem Gesamtgewicht bis 500 kg als auch Spezial-Ladungsträger aus Holz, die bis zu vier Autoreifen aufnehmen können. Während deren Länge und Breite mit jeweils 800 mm fest definiert ist, ebenso wie das zulässige Gewicht mit maximal 140 kg, variieren die Höhenklassen in vier Kategorien: 880 mm, 960 mm, 1140 mm und 1380 mm.

In den Gassen des Hochregallagers kommen drei vollautomatische Regalbediengeräte (RBG) aus der Master-Produktfamilie von Stöcklin Logistik zum Einsatz. Das Lastaufnahmemittel der Einmastgeräte ist mit Drehschubgabeln mit verstellbaren Gabelzinken ausgerüstet. Die Bewegungen der Drehschubgabel werden über ein Inkremental-Wegerfassungssystem gesteuert. Berührungslose Überwachungseinheiten dienen zur Kontrolle der konformen Aufnahme, sodass durchgängig eine präzise und sichere Handhabung der in ihren Dimensionen variierenden Ladeeinheiten sichergestellt ist.

Exakt zugeschnittene RBG

Die Paletten-RBG verfahren auf einer Länge von circa 94,3 m. Sie sind auf eine Hubgeschwindigkeit von 0,5 m/s² im beladenen Zustand ausgelegt, beschleunigen mit 0,4 m/s² und erreichen Fahrgeschwindigkeiten von 2,0 m/s. „Die Leistung der Regalbediengeräte ist exakt auf die im Fall von Emil Frey tatsächlich erforderlichen Kennzahlen zugeschnitten“, sagen die Stöcklin-Projektleiter Herbert Schwarz und Ivan Jovanovic. Pro Gerät und Stunde könnten bis zu 86 Paletten parallel ein- und ausgelagert werden, inklusive Umlagerungen. In Summe lassen sich somit stündlich 150 Paletten bewegen. Die Transportaufträge werden vom Lagerverwaltungssystem (LVS) per Ethernet-Schnittstelle direkt an die SPS des betreffenden RBG übermittelt. Nach Abschluss erfolgt eine entsprechende Rückmeldung, die das LVS dann inklusive der Fachnummer an das ERP-System meldet.

Sicherheitsanforderungen durchgängig gelöst

Das Automatisierungskonzept für Emil Frey sah neben der erforderlichen Anlagenleistung umfangreiche Sicherheitseinrichtungen zum Schutz von Mensch und Material vor. So sind beispielsweise im Gefahrenbereich des Vertikalförderers Sicherheitslichtgitter mit Muting-Lichtschranken installiert worden. Der Scherenhubtisch im Wareneingang ist ebenfalls mit einem Sicherheitslichtgitter versehen. Stößt die Plattform beim Absenken unterwartet auf einen Gegenstand, ist ein sofortiges Abschalten über eine Kontaktleiste sichergestellt.

Aus Sicherheitsgründen ist auch die im Obergeschoss installierte Fördertechnik in zwei Zonen aufgeteilt worden. „Diese imaginäre Trennung hat zudem den Vorteil, dass der Verschiebewagen auch dann weiter betrieben werden kann, wenn ein Mitarbeiter die Vorzone aus Wartungsgründen betreten muss“, erklärt Jovanovic. Wenngleich aufgrund der stillgelegten Vorzone temporär keine Ein- und Auslagerungen möglich sind, könnten jedoch weiterhin Umlagerungen vorgenommen werden. Sämtliche Funktionsbereiche im Pneulager sind darüber hinaus komplett umwehrt und mit modernster Brandschutztechnik ausgestattet, „die den aktuellen spezifischen Anforderungen in vollem Umfang gerecht wird“, so der Stöcklin Logistik-Experte weiter.

Strategische Investition mit Weitblick

„In einer Branche, in der in immer kürzeren Zeitabständen neue Produkte lanciert werden, kann nur Erfolg haben, wer in Sachen Technik ganz vorne dabei ist“, heißt es bei Emil Frey. Das gilt für Automobile an sich, aber auch für die Logistik. Insofern sind mit dem nun erfolgreich abgeschlossenen Neubau- beziehungsweise Erweiterungsprojekt in Härkingen wichtige Voraussetzungen dafür geschaffen worden, beim Rennen um Marktanteile auch weiterhin eine Pole-Position besetzen zu können. „Von Stöcklin haben wir hierbei exakt die Unterstützung erhalten, die wir uns gewünscht haben“, resümiert Zentrallagerleiter Roland Huber. Es seien nicht einfach nur Lagerkapazitäten in erforderlichem Umfang aufgestockt worden. Vielmehr ermögliche das umgesetzte Automatisierungskonzept heute auch eine weitaus präzisere und sichere Lagerung der Kundenreifen und -räder, erhöhte Liefertreue sowie einen effizienteren Anlagenbetrieb.

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