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Supply Chain Management:die Service-Seite

| Autor / Redakteur: Gill Devine / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Das Geschäft mit dem Service entwickelt sich für Hersteller zum umsatzstarken Treiber innerhalb der Supply Chain. Dazu tragen auch neue und smarte Technologien zur Automatisierung und Optimierung von After Sales Services bei. Welchen Stellenwert eine effektive Service Supply Chain einnehmen kann, zeigt die Ersatzteillogistik von Claas.

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Im Hochregallager: Automatisiertes Bestandsmanagement erlaubt eine Teileverfügbarkeit von über 95 %.
Im Hochregallager: Automatisiertes Bestandsmanagement erlaubt eine Teileverfügbarkeit von über 95 %.
(Bild: Claas)

Anders als die traditionelle Supply Chain, die oft mit der Auslieferung des fertigen Produkts endet, setzt die Service Supply Chain dort an, wo Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit unmittelbar zählen, nämlich beim Kunden. Umfassende Service Level Agreements (SLA), vorausschauende Wartung und Instandhaltung, Remote-Monitoring, Obsoleszenz-Management oder punktgenaue Ersatzeilbeschaffung – wie gut die Logistik diese Leistungen erbringt, gilt als Maßstab für zukünftige Kaufentscheidungen. Das betrifft insbesondere Händler, die auf ein hohes Service Level angewiesen sind, um Endkunden das richtige Produkt im richtigen Zustand, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit und zum richtigen Preis zur Verfügung zu stellen. Eine effiziente Service Supply Chain entscheidet damit maßgeblich über die langfristige Profitabilität von Herstellern. Nach Bain & Company erzielte der Bereich After Sales Services durchschnittliche Bruttomargen von 39 % und liegt damit höher als das Neugeschäft (27 %). Jährlich wächst das Servicegeschäft produzierender Unternehmen um 9 %. Laut McKinsey entfallen über 15 % des Gesamtumsatzes von OEM zudem auf das Geschäft mit Ersatzteilen sowie Serviceleistungen.

In der Wolke vernetzt bleiben

Aus IT-Perspektive bietet das Service-Supply-Chain-Management dank neuer Technologien wie Cloud-Services, KI oder Predictive Analytics ein immenses Einsparungspotenzial. Intelligente Prognosen, datenbasierte Entscheidungen und vorausschauende Planung verbessern nicht nur die Kundenzufriedenheit, sondern senken auch Betriebskosten über die ganze Wertschöpfungskette hinweg. ERP-, MRP- und CRM-Systeme alleine reichen in diesem Service-Kontext oft nicht aus. Smarte, cloudbasierte Add-on-Lösungen ermöglichen ein automatisiertes Bestandsmanagement und setzen neues Umsatzpotenzial frei. Das erlaubt eine Teileverfügbarkeit von mehr als 95 %. Generell lassen sich sowohl Bedarfsprognosen, Nachschubplanung, Bestandssimulation als auch die Preisgestaltung optimieren. Zudem ermöglicht die Cloud eine gemeinsame Datenplattform, die unternehmensübergreifend sowie vom ganzen Supply-Chain-Netzwerk genutzt werden kann – vom Hersteller über Zulieferer und Logistikdienstleister bis hin zu Händlern und Endkunden.

Mähdrescher im Winterweizen: Pro Fahrzeug können bis zu 20.000 Sachnummern für Bauteile anfallen.
Mähdrescher im Winterweizen: Pro Fahrzeug können bis zu 20.000 Sachnummern für Bauteile anfallen.
(Bild: Claas)

Hochsensible Logistikketten

Je höher die Volatilität der Märkte und je komplexer die Rahmenbedingungen, desto anspruchsvoller die Logistikanforderungen. In der Landwirtschaft sieht sich die Landmaschinenlogistik mit extremen Saisonalitäten, einer hohen Teilevielfalt und Varianz, einem wachsenden Anteil an Software sowie ungewöhnlich großen oder sperrigen Fertigprodukten konfrontiert. Das Investment für Mähdrescher, Erntemaschinen und Traktoren ist hoch, wobei die Maschinen nach dem „Make-to-Order“-Prinzip kundenspezifisch und in kleinen Stückzahlen gefertigt werden. Pro Fahrzeug können so bis zu 20.000 Sachnummern für Bauteile anfallen, vom Kugellager über Federzinken und Felgentyp bis hin zur Frontladerschaufel.

Die Serviceerwartungen sind hoch. Das Erntefenster und damit die Nettoeinsatzzeit der Maschinen liegt bei durchschnittlich 25 Tagen im Jahr. Kommt es in dieser Zeit zu Verschleiß oder sogar zu Maschinenstillständen, müssen Ersatzteile für Reparaturarbeiten beim lokalen Distributionspartner rund um die Uhr verfügbar sein und auf dem schnellsten Weg zum Kunden befördert werden – wenn nötig bis aufs freie Feld und per Notfalllieferung mit dem Hubschrauber. Andernfalls müssen die Landwirte mit unmittelbaren Umsatzverlusten rechnen.

Originalteilübergabe: Die Landmaschinenlogistik unterliegt extremen Saisonalitäten und einer hohen Teilevielfalt mit entsprechender Varianz.
Originalteilübergabe: Die Landmaschinenlogistik unterliegt extremen Saisonalitäten und einer hohen Teilevielfalt mit entsprechender Varianz.
(Bild: Studio Toelle Fotografie)

Die Auswirkungen auf Beschaffung, Produktion und Distribution sowie auf Services sind enorm. So erreicht das Produktionsvolumen während der Sommermonate einen Höhepunkt (80 %), um für den Rest des Jahres wieder auf einen Minimalwert (20 %) zu fallen. Dabei wirken sich bereits kleinste Klimaschwankungen oder Marktveränderungen auf die Nachfrage aus und erschweren es, vorausschauende Prognosen zu treffen.

Integrieren, automatisieren, optimieren

Angesichts solcher Rahmenbedingungen ist eine durchgehende digitale Vernetzung der Prozessketten unverzichtbar. Der Landmaschinenhersteller Claas setzt auf ein weltweit integriertes Einkaufs-, Produktions- und Servicenetzwerk und treibt dazu kontinuierlich die Integration seines Servicenetzwerks für Ersatzteile voran. Das Logistikkonzept dahinter nutzt die Kombination einer zentralen Organisation sowie einer dezentralen Struktur, die ein hohes Maß an Kundennähe schafft. Das Distributionsnetzwerk umfasst neben europäischen Zentrallagern auch Regionallager für „Same-Day-Service“ in den Kernmärkten sowie dezentrale Servicezentren. Dreh- und Angelpunkt der Ersatzteilversorgung ist dabei das Parts Logistics Center (PLC).

Eine cloudbasierte Lösung für das Bestandsmanagement ist im gesamten weltweiten Claas-Händlernetzwerk über alle Geschäftsbereiche und Produktlinien implementiert. Durch die Automatisierung steigt nicht nur die Bestandsqualität innerhalb des Vertriebsnetzes, sondern auch die Teileverfügbarkeit. Gleichzeitig werden Über- oder Altbestände im Lager vermieden. Statt mit eigenentwickelten und teilweise manuellen Prozessen lässt sich die Ersatzteilplanung und Bestellabwicklung deutlich effizienter abwickeln, auch dank eines einfachen Monitorings über alle Systeme hinweg sowie umfassenden Analyse- und Berichtfunktionen. Zukünftig wird die Lösung voraussichtlich bis zu 10 Mio. Stock Keeping Units (SKU) abwickeln.

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* Gill Devine ist Vice President Enterprise Vertrieb bei Syncron in 80807 München, Tel. (0 89) 18 71 74-4 40, info.de@syncron.com

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