Verladen Systeme für die Gefahrenstelle Verladerampe

Autor / Redakteur: Reinhard Irrgang / Volker Unruh

Pannen oder Unfälle in Verladezonen haben nicht selten zum Teil erhebliche Schäden an Mensch und Material zur Folge. Daher sind technische Sicherheit und sichere Prozessabläufe an der Rampe oberstes Gebot. Die Hersteller von Verladetechnik haben sich dazu viel einfallen lassen.

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Verlade-Areale und damit der gesamte Bereich eines Werks oder Distributionszentrums, in dem Lkw zur Be- und Entladung andocken, können nicht sicher genug sein. Die Anforderung reicht von der genügend großen Rangier- sowie An- und Abfahrtzone über den unmittelbaren Andockbereich bis zur Sicherheitsausstattung der Tore und der Rampen. Dazu gehören auch Ampelsysteme, die den Verkehr in den Verladezonen sicher takten, sowie Halte- und Stoppvorrichtungen für Lkw und Wechselbehälter.

Die Redaktion befragte einige der führenden Hersteller von Verladetechnik nach ihren bewährten und neuen Sicherheitsangeboten für die Verladerampe und rund um den Verladebereich.

„Unser Angebot im Bereich der Verladezonen-Sicherheit ist äußerst umfangreich, es reicht vom einfachen Anfahrschutz bis hin zur automatischen Lkw-Wegfahrsicherung“, so Dipl.-Ing. Annette Arnold, zuständig für die Produktentwicklung bei der Alfred Arnold Verladesysteme GmbH in Stuttgart. Dabei legt das Unternehmen besonderen Wert darauf, jedem Kunden bedarfsgerechte Lösungen anbieten zu können.

So könne bei einer selten angefahrenen Verladestelle ein Gummipuffer völlig ausreichen, wohingegen der Aufprall des bei Nacht andockenden Koffers möglichst durch einen hydraulisch höherverstellbaren Federstahlpuffer mit Powerstop aufgenommen werden sollte.

Sicherheitstechnik für Verladerampen in vielen Branchen gefragter

Wie Annette Arnold feststellt, steigt das Bewusstsein bezüglich der Notwendigkeit von Sicherheitstechnik branchenübergreifend. Daher nehme beispielsweise auch die Nachfrage nach dem Lkw-Sicherungs-Komplettsystem stark zu. Dieses besteht aus einer Innen- und Außenampel, einem Elektrokeil und der alles verbindenden Steuerungseinheit, die auch die Tor- und Rampensteuerung mit berücksichtigt.

Zunehmend fragen die Unternehmen aber auch nach der sicheren Beladung dienenden Abstützeinrichtungen für abgestellte Sattelauflieger, den sogenannten Safety Jacks.

Den Safety Jack gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Die erste Variante besteht aus einem manuell verfahrbaren, aus Stahl gefertigten Stützbock mit zwei Bockrollen, der mittig unter die Vorderkante des Aufliegers positioniert wird. Die tellerförmige Auflagefläche ist beweglich und kann sich somit den Bewegungen des Aufliegers anpassen. Die Höhenanpassung der Auflagefläche an den Boden des Sattelaufliegers erfolgt über eine manuell zu betätigende Hubspindel oder eine Winde.

Stützböcke stabilisieren abgestellte Sattelauflieger an der Verladerampe

Alternativ ist der Safety Jack auch in einer breiteren Ausführung mit großen Vollgummireifen erhältlich, durch die sich das Gerät leicht verfahren lässt. Die Höhenanpassung an den Aufliegerboden erfolgt über eine Winde. „Ein Sicherheitsvorteil gegenüber dem kleineren Safety Jack besteht in der deutlich größeren Auflagefläche, die auch ein seitliches Pendeln des Aufliegers komplett verhindert“, so Annette Arnold.

Ein breite Systempalette zur Erhöhung der Sicherheit an der Rampe und im gesamten Verladeareal bietet auch Crawford Hafa. Zu den bewährten Systemen zählt der für jeden Lkw-Typ einsetzbare Sicherheitsradkeil mit sensorgesteuerter Einschaltvorrichtung, der mit einem lageunabhängigen Ultraschallsensor versehen und über ein robustes Kabel mit der Brückensteuerung verbunden ist. Sobald eines der Lkw-Hinterräder mit dem Keil abgesichert ist, wird die Brückensteuerung freigeschaltet. Erst jetzt kann die Überladebrücke betätigt werden.

Für präzises Andocken an die Verladestelle sorgen zudem die stabilen Rohrkonstruktionen der Einfahrhilfen, die den rückwärts andockenden Lkw ohne zeitaufwändiges Rangieren genau an die Verladestelle heranführen.

Ampelsystem unterstützt sicheres Andocken an die Verladerampe

Hafa-Eye heißt ein Ampelsystem, das das sichere Andockmanöver unterstützt: Über eine geschützte Sensoreneinheit unterhalb der Überladebrücke wird eine Außenampel mit Grün-, Gelb- und Rotphasen gesteuert, die dem Lkw-Fahrer in fünf Stufen seinen genauen Abstand zur Rampe signalisiert. Mit der Rot-Phase hat der Lkw seine Andocksituation punktgenau erreicht.

Mit dem neuen Dock Management 101 von Crawford Hafa, einem IT-System mit den Modulen Navigation, Monitoring, Service und Security, lässt sich die gesamte Verladezone von einem Monitor aus zentral steuern und kontrollieren. Die Visualisierung, ein Layout, das für jeden Anwender maßgeschneidert wird, zeigt auf dem Monitor alle Aktivitäten an den Dockstationen: die Gesamtanzahl aller Verladestellen und Tore, die Zahl der Verladestellen in Funktion und in Ruhestellung, die Anzahl der geöffneten, geschlossenen und verriegelten Tore.

Die Lkw-Standzeiten werden exakt erfasst, und ein Reservierungssystem garantiert eine effektivere Auslastung. Wartungs- und Service-Intervalle werden ebenso gemeldet wie plötzliche Störfälle. Alle Tor- und Brückenbewegungen protokolliert das IT-System in Echtzeit.

Einparkhilfe auch für Lkw an der Verladerampe

Befragt, welche der Sicherheitstechniken und -systeme von Hörmann derzeit bevorzugt nachgefragt würden, antwortet Rüdiger Bierhenke, Verkaufsleiter für den Bereich Industrietorsysteme und Verladetechnik bei der Hörmann KG: „Wir verzeichnen generell eine gesteigerte Nachfrage im Bereich Sicherheitstechnik, insbesondere für unseren Docking Assistant.“

Dabei handelt es sich um eine Einparkhilfe mit Ampel mit deutlicher Grün-Gelb-Rot-Führung. Ultraschallwellen messen den Abstand zwischen Industrietor und Lkw. Befindet sich der zurücksetzende Lkw rund 2 m vor der Dockingstation, wird ein Signal für die Ampelschaltung ausgelöst, und die Ampel im Blickfeld des Fahrers schaltet von Grün auf Gelb. Kurz vor dem Kontakt mit der Verladestation springt die Ampel auf Rot, und der Fahrer erhält so den optischen Hinweis, sein Fahrzeug zu stoppen.

Docking Assistant für alle Industrie-Sektionaltore nachrüstbar

Nach dem Be- oder Entladevorgang wird die Ampel vom Lagerpersonal auf Grün geschaltet, und der Fahrer kann wieder starten. Dies verhindert die vorzeitige Abfahrt des Lkw und beugt Schäden am Verladegut oder an eingesetzten Staplern vor. Der Docking Assistant kann für alle Industrie-Sektionaltore eingesetzt und bei vorhandenen Anlagen auch problemlos nachgerüstet werden.

Für Energieeinsparung und Sicherheit an Verladestationen in Frischelogistikzentren hat Hörmann das Dobo-System mit Einparkhilfe entwickelt. Beim Docking before Opening spielen Ampelsteuerung, Industrietor, Ladebrücke und Torabdichtung zusammen. Zentraler Bestandteil ist die Einparkhilfe mit dem bereits beschriebenen Ampelsystem. Stoppt der Lkw an der Verladestation, dichtet die aufblasbare Torabdichtung den Rampenbereich ab, so dass von außen keine Warmluft eindringen kann.

Energie sparen und Sicherheit erhöhen mit nur einem System

Danach kann das Tor hochgefahren werden, und der Vorschub der Ladebrücke legt sich über die Lücke zwischen Rampe und Lkw, wodurch sich Stürze vermeiden lassen. Nachdem die Puffer wieder nach unten bewegt wurden, ist genug Platz zum Öffnen der Lkw-Türen. Sind diese ganz geöffnet, senkt sich die Vorschubbrücke auf die Ladefläche des Lkw, der jetzt ohne Energieverlust be- oder entladen werden kann.

Des Weiteren hat Hörmann die Soft-Edge-Schnelllauftore weiterentwickelt, bei denen das Spiralkabel nun durch eine drahtlose Impulsübertragung ersetzt wurde. Vom Prinzip her wird bei den Toren dieses Typs bereits bei leichten Berührungen mit einem Hindernis das Elektrogetriebe abgeschaltet.

Alle Soft-Edge-Schnelllauftore sind nun serienmäßig mit der drahtlosen Impulsübertragung ausgestattet, da das Kabel wartungsintensiv war und zudem die freie Durchfahrt einschränkte. Nun überträgt ein in das Abschlussprofil integrierter Infrarot-Sender die Informationen zuverlässig und störungsfrei an einen in der Zarge befestigten Empfänger.

Ein radkeilbasiertes Sicherheitssystem in Verbindung mit einer Außen- und Innenampel bietet die Oberndörfer Systemtechnik, Darmstadt. Der elektrische Radkeil des Safe-Docking-System-Plus ist über ein wetter- und ölfestes Kabel an die Steuerung angeschlossen und beidseits mit 8 mm Stahlplatten verstärkt. Die Lkw-Raderkennung erfolgt über einen lageabhängigen, an einer der Stahlplatten montierten Sensor.

Für jeden Kunden gibt es das geeignete Sicherheitssystem

Die Steuereinheit mit SPS-Modul kann den individuellen Anwenderwünsche angepasst werden. Die Innen- und Außenampeln sind mit LED-Modulen bestückt. Per Rot- oder Grün-Anzeige der Innenampel wird zum Beispiel der Staplerfahrer informiert, ob die Verladerampe gesperrt oder freigegeben ist, und ein Rot oder Grün der Außenampel zeigt dem Lkw-Fahrer, ob der Radkeil am Lkw-Reifen richtig positioniert ist.

Damit der Möglichkeiten für die Sicherheitsausstattung jedoch noch nicht genug: Bierhenke nennt weitere Techniken und Systeme wie Schutzplatten, Rampenbeleuchtung, Lichtschranken, Radarbewegungsmelder, Fahreranmeldung oder Zeitrelais. Anwendern steht also ein breites Spektrum an Systemen zur Verfügung, um die für sie geeignete Sicherheitstechnik zu installieren.

Allerdings, so die Erfahrung der Experten, ist die Nachfrage nach Sicherheitstechniken für bereits bestehende Verladeanlagen sehr gering: „Nachfrage besteht bei uns fast ausschließlich nach Erstausrüstung“, berichtet Rüdiger Bierhenke. Und Henrik Dinesen, Geschäftsführer Crawford Hafa Deutschland, betont: „Nachrüstungen von Sicherheitstechniken an Verladesystemen führen wir nur ganz selten durch; der Anteil davon am Servicegeschäft im Dockingbereich ist verschwindend gering. Vielmehr werden Instandsetzungen bestehender Anlagen nachgefragt.“

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