Telematik Tachographengeneration bringt Fernübertragung

Autor / Redakteur: Ralf Forcher / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Die neue Generation digitaler Tachographen ist im Anmarsch. Ausgestattet ist sie mit einer eigens für den Fernzugriff definierten Schnittstelle. Diese eröffnet in Verbindung mit Telematiksystemen die Möglichkeit, den Prozess des Fahrerkarten- und Massenspeicher-Auslesens automatisiert durchzuführen, ohne dass noch ein physischer Zugriff auf die Fahrzeuge erforderlich ist.

Firmen zum Thema

Mit der Einführung der neuen Generation des digitalen Tachographen Anfang 2009 steht der Massenspeicher-Download von Fleetboard zur Verfügung.Bild: Daimler Fleetboard
Mit der Einführung der neuen Generation des digitalen Tachographen Anfang 2009 steht der Massenspeicher-Download von Fleetboard zur Verfügung.Bild: Daimler Fleetboard
( Archiv: Vogel Business Media )

Die gesetzlichen Anforderungen nach der EU-Verordnung 561/06 sowie 3821/85 Anm. 1B und die EU-Richtlinien 15/02, § 2 FPersV verlangen, spätestens alle drei Monate die Daten des Gerätespeichers des digitalen Tachographen auszulesen und für 12, 24 oder 36 Monate — je nach nationalem Recht – zu speichern. Das Gesetz dient vor allem dem Nachweis von Verstößen gegen die Lenk- und Ruhezeiten im Fernverkehr.

Um der Gesetzesvorschrift Folge zu leisten, mussten in der Vergangenheit alle Fahrzeuge eines Fuhrparks extra in die Unternehmenszentrale gesteuert werden. Diese Einschränkung war dadurch begründet, dass der digitale Tachograph bisher eine Datenübertragung des Massenspeichers nur mit gesteckter Unternehmerkarte ermöglichte, welche im Unternehmen zu verbleiben hat. Ärgerlich für die Disposition, da hohe administrative Aufwände nicht ausblieben und unnötige Fahrten anfielen.

Bildergalerie

Die Unternehmerkarte dem Fahrer mitzugeben, um ihn den Download von unterwegs durchführen zu lassen, ist vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. Fahrer hätten so die Möglichkeit, Fahr- und Arbeitszeiten von anderen Personen, die das Fahrzeug gefahren sind, auszulesen, was datenschutzrechtlich bedenklich ist.

In einer im Juni 2007 von dem Telematikunternehmen Daimler Fleetboard initiierten Marktforschungsstudie wurden 50 Entscheider in Unternehmen dazu befragt, welche Anforderungen ein praktikables und effizientes Tachomanagement erfüllen sollte. Die Kriterien „automatisierter Download“, „Massenspeicher-Auslesen ohne Unternehmerkarte im Lkw“, „Anzeige der Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten“ sowie „Datenspeicherung inklusive Back-up“ wurden als am wichtigsten erachtet. Mit diesen Eigenschaften könnte man den Einsatz des Fahrers optimieren, die Gesetzesauflagen bezüglich digitaler Tachographen erfüllen und die Lohn- und Spesenabrechnung erheblich vereinfachen. Und das Ganze bei deutlich reduzierten Kosten.

Daten können automatisiert ausgelesen werden

Dank moderner Telematik-Technik werden die Wünsche einer ganzen Branche bald erfüllt: Die neue Generation digitaler Tachographen ab 2009 verfügt endlich über die lang erhoffte Schnittstelle zum Herunterladen der Daten aus dem Massenspeicher durch Telematiksysteme. Damit können Lenk- und Arbeitszeiten, zurückgelegte Kilometer oder Geschwindigkeit permanent aus dem Massenspeicher automatisiert — ohne Unternehmerkarte im Fahrzeug – ausgelesen werden. Fleetboard entwickelte eine Fernauthentifizierung für den digitalen Tachographen. Ideal für Flotten, die im Fernverkehr in Europa und darüber hinaus tätig sind.

Die Daimler Fleetboard GmbH hat sich mit anderen Nutzfahrzeugherstellern und den Tachographenherstellern auf eine Änderung der standardisierten Telematikschnittstelle im Fahrzeug verständigt. Über diese Schnittstelle wird der Gerätespeicher des digitalen Tachographen an einen Telematikrechner im Fahrzeug übergeben.

Daten werden mit höchster Sicherheit aus dem Tachographen übermittelt

Bei Fleetboard überträgt dieser die Massenspeicher-Dateien inklusive der digitalen Signatur per Mobilfunk mit höchster Datensicherheit an ein Service-Center mit Bankenstandard, wo sie bis zu 36 Monate archiviert werden. Die Downloads erfolgen in regelmäßigen Abständen automatisch, die Zeitspanne zwischen den Downloads wird vom Anwender festgelegt.

Die Unternehmerkarte kann bei dieser Lösung im Büro verbleiben. Sie wird über einen an den PC angeschlossenen Kartenleser für Authentifikationszwecke verwendet. Für die Nutzung sind weder Schulung der Fahrer noch zusätzliches IT-Know-how notwendig. Die Daten stehen per Web-Anwendung allen berechtigten Usern zur Verfügung.

Mit einer Vielzahl von Auswertungs-Software-Lösungen ist die Weiterverarbeitung möglich. Fleetboard überträgt die Originaldaten, so dass diese von jeder Auswertungssoftware, wie OPTAC, TIS und ZA-ARC, gelesen werden können.

Den gesetzlichen Dokumentations- und Aufbewahrungsfristen ist damit ohne viel Zutun Genüge getan und ein geringerer administrativer und finanzieller Aufwand die Folge. Fahrzeuge und Fahrer können wieder lückenlos im Tagesgeschäft eingeplant werden, ohne sie für den Auslesevorgang den Speditionshof anfahren zu lassen.

Massenspeicher-Download erweitert bisherigen Service

Der Massenspeicher-Download erweitert den bereits eingeführten Fahrerkarten-Download von Fleetboard, welcher seit Ende 2007 Unternehmen die Möglichkeit bietet, die Daten der Fahrerkarte von unterwegs an die Spedition zu übertragen. Damit wurde auf die Problematik reagiert, die das Auslesen und die Archivierung der Fahrerkarten-Daten alle 28 Tage bedeutet hatte.

Nach Einschub der Fahrerkarte in den Fahrzeugrechner von Fleetboard werden alle Daten der Karte per Knopfdruck an die Unternehmenszentrale übermittelt. Der Fahrerkarten-Download ist seit März dieses Jahres von Dekra zertifiziert und erfüllt alle gesetzlichen Anforderungen in Hinblick auf sicheres Auslesen und sichere Übertragung der Daten. Eine solche Zertifizierung ist auch für den Massenspeicher-Download geplant.

Angenommen, eine Spedition mit 20 Fahrzeugen und Fahrern im Fernverkehr lässt ihre Massenspeicher alle 30 Tage auslesen. Der Disponent archiviert die Daten, pflegt die Liste mit fälligen Downloads, analysiert und dokumentiert die Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten aus verschiedenen Dateien und muss zusätzlich Kosten und Zeitbedarf durch Extrafahrten zur Zentrale berücksichtigen. Mit Hilfe der Massenspeicher-Download-Lösung könnte er durch Wegfall dieser Aufwände zirka 100 Euro pro Fahrzeug im Monat einsparen, was zirka 2000 Euro weniger Kosten für diese Flotte pro Monat bedeuten würde.

Dr. Ralf Forcher ist Geschäftsführer der Daimler Fleetboard GmbH in 70546 Stuttgart.

(ID:267333)