RFID Transportcontainer europaweit per RFID-Technik managen

Ein Containeranbieter verwaltet 4 Mio. rollende Pflanzencontainer in einem Pool für die europaweite Nutzung – über 23.000 Unternehmen sind in die Logistikkette eingebunden. Um den zunehmenden Problemen durch gefälschte Container Herr zu werden, setzt das Unternehmen jetzt RFID-Schlösser ein.

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Bild 1: 4 Mio. Container wurden bei Container Centralen zum Schutz vor gefälschten Containern in den Lieferketten mit RFID-Schlössern versehen. (Bild: Container Centralen)
Bild 1: 4 Mio. Container wurden bei Container Centralen zum Schutz vor gefälschten Containern in den Lieferketten mit RFID-Schlössern versehen. (Bild: Container Centralen)

Der deutsch-niederländische Containeranbieter Container Centralen (CC) ist mit einem Anteil von über 60% europäischer Marktführer im Retail-Sektor. CC verwaltet 4 Mio. rollende Pflanzencontainer in einem Pool für die europaweite Nutzung (Bild 1).

Diese Container finden sich in fast jedem Gartencenter. Mehr als 23.000 Unternehmen sind in die logistische Kette dieser Container vom Produzenten über die Logistikdienstleister bis zum Verbrauchermarkt eingeschlossen.

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Container sind Assets

In diesem Netzwerk gab es zunehmend Probleme, weil umfänglich gefälschte Container von Billiganbietern eingeschleust wurden, die perfekte Plagiate waren und von den Originalen kaum unterschieden werden konnten.

Die Plagiate brachen aber verhältnismäßig oft unter der Ladung zusammen, was zu erheblichen Störungen der Prozessabläufe, zu Verlusten der Ware und zu Imageschäden für CC geführt hat. Dank der RFID-Schlösser mit elektronisch lesbaren eindeutigen Seriennummern, die an allen Containern angebracht wurden, ist dieses Problem nun beseitigt. CC ist damit einer der größten RFID-Anwender in Europa.

Die RFID-Lösung für diese Container ist beispielhaft für ähnliche Logistikketten mit umlaufenden Transporthilfsmitteln – auch weil sie den wichtigen Schutz gegen Plagiate bietet. Container beziehungsweise Transporthilfsmittel werden in fast allen Branchen verwendet und können unterschiedlichste Formen haben. Ihr Wert kann bei 100 Euro für einen Blumencontainer liegen oder bei mehreren 10.000 Euro für Transportgestelle im Automotive-Sektor (Bilder 2 und 3).

Container werden mit oft nicht unerheblichen Beträgen bilanziert

Gleichwohl gilt für alle: Es sind Assets, die entweder mit oft nicht unerheblichen Beträgen bilanziert sind oder Nutzungskosten verursachen. Deswegen müssen sie in jedem Fall effizient verwaltet werden und RFID-Lösungen können dabei helfen.

Wenn die Container nicht effizient verfolgt werden, dann braucht ein Unternehmen mehr davon, als für die Transportleistung eigentlich notwendig ist. Wenn minderwertige gefälschte Container eingeschleust werden, die ihrer Last nicht ausreichend gewachsen sind, dann drohen Waren zerstört und Prozesse unterbrochen zu werden. Beides wirkt sich negativ aufs Betriebsergebnis aus.

Pflanzentransport legt oft mehrstufige Wege zurück

Der Pflanzentransport zwischen Erzeuger (Gärtnerei) und Endverbraucher legt oft mehrstufige und über 1000 km lange Wege zurück. Hierfür werden stabile und zuverlässige Transporthilfsmittel benötigt. Die Nutzung erfolgt wie bei Leergut. Der Gärtner tauscht bei der Übergabe zum Beispiel in Italien für den Kunden in Finnland mit dem Transportunternehmen volle Container gegen leere aus.

Der Transporteur beliefert den Kunden in Finnland entweder direkt oder über ein Auktionshaus. Da Pflanzen verderbliche Ware sind und im Saisongeschäft unter höchstem Termindruck zum Endkunden gelangen müssen, ist die Anforderung an die Logistikkette außerordentlich hoch.

Sie wird erheblich gestört, wenn die Transporteinheiten nicht zuverlässig sind. Qualitätsmängel bei der Stabilität der Streben, der Böden und insbesondere der Rollen führen leicht zu Unterbrechungen und Verzögerungen.

Container müssen zuverlässig sein

Fallen bei einer Pflanzenauktion, bei der am Tag leicht 10.000 Container bewegt werden, nur 20 Container um, so führt dies zu erheblichen Prozessunterbrechungen und Schäden an der Ware. Solche Schäden sind bei Container Centralen vermehrt aufgetreten, weil erhebliche Mengen von Plagiaten aus Fernost in die Handelswege eingeschleust wurden.

Sie hatten vor allem zu schwache Rollen, die schnell umknickten und so die Ladung zu Fall brachten. Zum materiellen Schaden kam dann der Imageschaden hinzu, denn für die Containernutzer war die Erklärung einfach: Schuld war der schlechte Container von Container Centralen. Damit ist jetzt Schluss dank RFID.

Alle Partner in den Lieferketten können sich RFID-Lesegeräte beschaffen, um damit das schnelle Handling der Container zu unterstützen. Für kleinere Betriebe reicht ein mobiler RFID-Reader, größere Betriebe installieren feste RFID-Antennen an den Zugängen zu ihrem Betriebsgelände.

Beide können damit Eingang und Ausgang der Container exakt registrieren. Werden an den Übergabepunkten gefälschte Leercontainer angeliefert, dann können diese sofort zurückgewiesen werden. Die RFID-Reader werden von verschiedenen Lieferanten bereitgestellt, zum Beispiel von Panmobil, Nordic ID oder Identpro. Alle sind Mitglieder des Industrieverbandes AIM.

Für Identifikation und Fälschungsschutz sind sogenannte RFID-Schlösser an den Containern angebracht, deren Demontage automatisch zur Zerstörung führt. Sie sind mit einem komplexen Kryptografie-Algorithmus gesichert.

Krypto-Software wird als „Black Box“ an die RFID-Reader-Anbieter geliefert

Die Krypto-Software wird als „Black Box“ von IBM an die RFID-Reader-Anbieter geliefert und in den Readern installiert. Sie verarbeitet die eindeutige Seriennummer (UID: Unique Identification Number), den EPC (Electronic Product Code) und den freien Speicherbereich der RFID-Tags. Die Krypto-Software muss regelmäßig per Internet aktualisiert werden, um ihre Informationen zum Fälschungsschutz dem neuesten Stand anzupassen.

Die hier eingesetzten RFID-Tags sind passiver Natur, das heißt, sie werden durch die RFID-Reader aktiviert und geben dann ihre Informationen ab. Für komplexere Transporthilfsmittel, zum Beispiel für das auf der Abbildung gezeigte Gestell des Maybach-Motors, werden auch aktive RFID-Transponder verwendet, die eigenständig Signale aussenden können. Das ist oft in metallischen Umgebungen wie bei der Produktion solcher Motoren zielführend.

Erfolg für alle Geschäftspartner

Die Kosten für die RFID-Schlösser werden sich für Container Centralen in kurzer Zeit amortisieren, auch weil bisherige Vertragsstrafen entfallen. Folglich hat CC mitgeteilt, dass der Nutzungspreis der Container vom kommenden Jahr an um 50 Eurocent gesenkt wird.

Damit geben sie einen Teil des Ertrages weiter an ihre Kunden. Der Einsatz der RFID-Reader bei den Produzenten lohnt sich auch, weil sie nicht mehr Gefahr laufen, dass ihre Produkte auf dem Weg zum Verbraucher durch zusammenbrechende Plagiate unverkäuflich werden. Damit dürfte auch das Image von CC wieder auf dem Weg nach oben sein.

* Wolf-Rüdiger Hansen ist Geschäftsführer des AIM-D e.V. in 68623 Lampertheim.

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