Fahrzeugflotte Transportgewerbe tankt Bio

Autor / Redakteur: Eckhard Boecker / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Biodiesel ist in vielen Betrieben der Transportwirtschaft nicht mehr wegzudenken. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Allerdings ist aufgrund der steuerlichen Verteuerung des Biodiesels vor einigen Wochen eine geringere Nachfrage bereits feststellbar. Wie es mit dem alternativen Treibstoff weitergeht, ist Gegenstand dieses Artikels.

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Das Tankstellen-Netz für Biodiesel erstreckt sich inzwischen auf rund 1800 Stationen, an denen sich die Transportwirtschaft mit dem Alternativkraftstoff eindecken kann.
Das Tankstellen-Netz für Biodiesel erstreckt sich inzwischen auf rund 1800 Stationen, an denen sich die Transportwirtschaft mit dem Alternativkraftstoff eindecken kann.
( Archiv: Vogel Business Media )

Aus Pflanzenöl-Methylester (PME) oder Rapsölmethylester (RME oder auch RÖME genannt) beziehungsweise Altspeiseölmethylester (AME) wird Biodiesel produziert. Dabei wird der alternative Kraftstoff überwiegend aus Rapsöl oder tierischen Fetten gewonnen. Hinzu kommt noch Methanol (Alkohol). Seit einigen Jahren hat sich mit Bezug auf die Normung des Kraftstoffes durch die EU immer stärker die Bezeichnung FAME durchgesetzt.

Seit einigen Jahren können fast alle Fahrzeuge mit Biodiesel betankt werden. Nur wenige Nutzfahrzeuge, gerade Lkw älteren Baujahres, sind, sollen sie mit diesem Kraftstoff betankt werden, in der Fachwerkstatt umzurüsten. Ob sich diese Maßnahme betriebswirtschaftlich rechnet, hängt vom Einzelfall ab. Als Faustregel ist jedoch festzustellen, dass, je mehr Kilometer gefahren werden und je höher der Preisunterschied zwischen Industrie- und Biodiesel letztlich ist, es desto attraktiver sein kann, auf Rapssaft auch bei älteren Nutzfahrzeugen umzusteigen.

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Heineking tankt schon lange Biodiesel

Vor über 17 Jahren betankte die Spedition Heineking aus Landesbergen in Niedersachsen als einer der ersten Spediteure in Deutschland überhaupt ihre Fahrzeuge mit dem Biodiesel. Was sind die Ursachen dafür, dass mittlerweile eine nicht zu überschauende Zahl von Kraftwagenspeditionen diese Alternative im Treibstoffbereich zur Betankung der Fahrzeugflotte einsetzt?

Letztlich ist es ein ganzes Bündel von Motiven: sicherlich der extrem große Preisvorteil, der – je nach Marktlage und Einkaufspolitik – 10 bis 15 Cent und mehr pro Liter betragen kann. Darüber hinaus die Tatsache, dass bei Neufahrzeugen keine zusätzlichen Kosten für Umrüstarbeiten an den Fahrzeugen aufzuwenden sind. Denn im Regelfall sind alle Lkw bereits ab Werk biodieseltauglich. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass schon seit einigen Jahren ein Biodieseltankstellennetz zur Verfügung steht, das nicht zu Versorgungsproblemen führt. Gegenwärtig sind es gut 1800 Tankstellen. Davon allein insgesamt 600 Einheiten in den Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen. Selbst wenn einmal keine Biodieseltankstelle am Ort des Bedarfes vorhanden sein sollte, so ist die Zutankung mittels Industriediesel technisch völlig unproblematisch.

Scania und Volvo geben Biodiesel nur bedingt frei

Bereits in der Vergangenheit profitierten viele Betriebe nicht von den Vorteilen des Biodieselpreises. Dies lag und liegt besonders daran, dass einige Nutzfahrzeughersteller diesen Kraftstoff nur bedingt zur Betankung freigegeben haben. Dazu zählen zum Beispiel die Unternehmen Scania und Volvo. Das Management dieser Betriebe hat lediglich eine Beimischung von 5% genehmigt. Folge: Tankt der Transportunternehmer trotzdem zu 100% Biodiesel, so läuft er Gefahr, seine Garantieansprüche zu verlieren.

Ausblick: Trotz der erheblichen Verteuerung des Biodiesels seit Ende 2006 bleibt dieser Stoff doch im Rennen. Es fragt sich nur, in welchem Umfang und wie lange noch. Denn für die nächsten Jahre sind weitere Anpassungen von mindestens 6 Cent je Liter – wie die Preistabelle zeigt – bereits beschlossene Sache.

Gegenwärtig noch hohe Kostenvorteile

Transportbetriebe, die große Mengen einkaufen können, weil sie ihre Flotte über eine Betriebstankstelle versorgen, erzielen gegenwärtig noch attraktive Kostenvorteile. Denn über die Zeichnung von großen Mengenkontrakten können zusätzliche betriebswirtschaftliche Vorteile – im Vergleich zum Tankstellenabgabepreis – erzielt werden. Aber: Die Nachfrage, so der Verband der Biodieselproduzenten in Berlin, ist bereits messbar geringer geworden.

Daraus lassen sich die folgenden Thesen ableiten: Der Biodiesel wird mit zunehmender Besteuerung erheblich an Bedeutung abnehmen. Für das Transportgewerbe ist dabei vorstellbar, dass die Biodieselbetankung aus Kostengründen in die Bedeutungslosigkeit versinken könnte. Dies gilt besonders dann, wenn dieser Kraftstoff nicht günstiger als bisher produziert werden kann, damit auf diesem Weg eine spürbare Preissenkung an den gewerblichen Nachfrager weitergegeben werden kann.

Von der betriebswirtschaftlichen Komponente einmal abgesehen, leistet der Biodiesel auch noch einen positiven Beitrag zum Umweltschutz. Jedoch wird dieses Argument umso stärker an Bedeutung verlieren, je schlechter der Preisvergleich zwischen Industriediesel einerseits sowie Biodiesel andererseits ausfällt. Dennoch, die Bundesregierung will den Anteil dieses alternativen Kraftstoffes am Gesamtverbrauch bis zum Jahr 2010 auf 6,75% und bis 2015 auf 8% gesteigert wissen. Ob sie diese Ziele erreichen wird, kann angesichts der fiskalpolitischen Entscheidungen bezweifelt werden.MM

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