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Bestandsmanagement Überbestände abbauen, liquide Mittel freisetzen

Autor / Redakteur: Markus Malinen / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Um in Krisenzeiten ihre Liquidität zu steigern, stellen einige Original Equipment Manufacturer (OEM) das Bestandsmanagement von Ersatzteilen um, denn im gezielten Abbau von Überbeständen liegt großes Potenzial. Ein softwaregestütztes Forecasting im Lager hilft dabei, neue liquide Mittel freizusetzen.

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Bei OEM ist der Lagerbestand ein beträchtlicher Teil des gebundenen Kapitals.
Bei OEM ist der Lagerbestand ein beträchtlicher Teil des gebundenen Kapitals.
(Bild: NEJRON PHOTO)

Das Bestandsmanagement ist nicht zuletzt im turbulenten Jahr 2020 zu einer der Königsdisziplinen für OEM geworden. Um Liquidität zu sichern, müssen Hersteller kritische Bestandsentscheidungen viel schneller treffen. Auf eine hohe Forecast-Geschwindigkeit und -Genauigkeit kommt es an. Moderne Softwarelösungen werden daher im Bereich Bestandsmanagement zu einem unverzichtbaren Tool. Sie unterstützen OEM auf Basis maschinell lernender Prognosemethoden. Im Gegensatz zu Lagerbestandsprognosen, die sich ausschließlich auf historische Werte beziehen, analysiert eine solche Software auch Trends. So kann sie wesentlich präzisere Vorhersagen bezogen auf die zu erwartende Nachfrage treffen. Hersteller sind nun in der Lage, den Bestand in mehreren Stufen zu optimieren – mit einer klar definierten Datengrundlage.

Software berücksichtigt Abhängigkeiten

Egal, ob in Zukunft nochmal stockende Lieferketten auftauchen oder nicht – sämtliche Abhängigkeiten berücksichtigt eine professionelle Bestandsmanagementsoftware immer mit. Das Forecasting einer Software kann flexibel auf Lieferengpässe reagieren und handelt proaktiv. Zukünftige Ereignisse werden frühzeitig eingeplant. Das gilt nicht nur für die Lieferketten, sondern auch für geplante Wartungs- und Servicearbeiten bei einem Kunden. Ersatzteile aus dem Bestand müssen jederzeit verfügbar für Außendiensttechniker oder Händler sein, ohne aber unnötige Sicherheitsbestände zurückhalten zu müssen. Ein flexibleres Bestandsmanagement sieht vor, dass die Standorte des OEM mit frühen und genaueren Bedarfssignalen versorgt werden, um die Planung vorhersehbarer, präziser und effizienter zu gestalten.

Bestandsmanagementsoftware unterstützt OEM dabei, den maximalen Ertrag aus „Lagerleichen“ zu ziehen.
Bestandsmanagementsoftware unterstützt OEM dabei, den maximalen Ertrag aus „Lagerleichen“ zu ziehen.
(Bild: Syncron)

Das Forecasting einer Bestandsmanagementsoftware zeichnet sich dadurch aus, eine globale Erfassung aller Lagerbestände durchzuführen, wo auch immer sie sich befinden. OEM erhalten einen Überblick über das komplette Datennetzwerk und binden Informationen der Netzwerke aller Distributoren und Partner in die Software ein. Wurde das Lagernetzwerk mitsamt aller Bedarfsquellen gescannt, können OEM auf Basis der vorliegenden, globalen Informationen an einigen Stellschrauben drehen – zum Beispiel durch eine Anpassung der Servicelevels, eine effizientere Planung der (wirklich) benötigten Sicherheitsbestände oder einer Anpassung der Wiederbeschaffungszeiten für Ersatzteile.

Kurzfristig handeln, langfristig Liquidität sichern

Der Lagerbestand stellt bei OEM einen beträchtlichen Teil des gebundenen Kapitals dar. Demnach ist der Bestandsabbau ein großes Thema. Gibt es kurzfristig Chancen, Lagerleichen zu verkaufen? Schließlich existieren auf dem Markt spezialisierte Aufkäufer, von denen OEM ihre Bestände im Zweifel auch zurückkaufen können. Diese flexiblen Geschäfte sind dazu da, kurzfristig Cashflow zu generieren. Ähnliche Möglichkeiten bieten auch die Überbestände im Lager. Sollten die vorhandenen Bestände deutlich länger ausreichen als „End of Service“, ist der Pauschalverkauf der im Idealfall hochpreisigen Teile eine gute Option, zusätzlichen Cashflow zu erzeugen.

Kombinieren OEM vor diesem Hintergrund eine Software aus dem Bereich Bestandsmanagement mit einer Pricing-Software, entstehen neue Synergien. Die Kombination ermöglicht es, die Wirksamkeit von Preisaktionen zu bewerten, den Lebenszyklus bei der Preisgestaltung von Teilen im Lager zu beachten und so wiederum veraltete oder überschüssige Bestände zu managen. Somit ist es produzierenden Betrieben auch in Krisenzeiten möglich, die Liquidität langfristig abzusichern.

* Markus Malinen ist Vertriebsleiter DACH bei der Syncron Germany GmbH in 80807 München, Tel. (0 89) 18 71 74-4 40, info.de@syncron.com

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