Bildverarbeitung Umsatzrekord beflügelt Erwartungen der Branche und der Fachmesse Vision

Redakteur: Udo Schnell

Die industrielle Bildverarbeitung hat erneut zum Höhenflug angesetzt. Mit einem Umsatzzuwachs um 32% auf 1,26 Mrd. Euro im Jahr 2010 konnte die Branche den Einbruch im Krisenjahr 2009 innerhalb nur eines Jahres komplett "ausbügeln". Das erklärte Dr. Olaf Munkelt (VDMA Industrielle Bildverarbeitung) anlässlich der Vision-Fachpressekonferenz 2011 in Mannheim.

Firmen zum Thema

Zufrieden mit der Entwicklung der Bildverarbeitungsbranche und der Messe Vision zeigen sich Dr. Olaf Munkelt (re.), VDMA, und Thomas Walter, Messe Stuttgart. (Bild: Schnell)
Zufrieden mit der Entwicklung der Bildverarbeitungsbranche und der Messe Vision zeigen sich Dr. Olaf Munkelt (re.), VDMA, und Thomas Walter, Messe Stuttgart. (Bild: Schnell)

„Mit einem fulminanten Umsatzzuwachs von 32% auf den Spitzenwert von 1,26 Mrd. Euro hat die deutsche Bildverarbeitungsbranche 2010 ihren Einbruch vom vorausgegangenen Krisenjahr innerhalb nur eines Jahres überwunden“, sagte Dr. Olaf Munkelt, Vorsitzender des Vorstandes VDMA Industrielle Bildverarbeitung, anlässlich der Vision-Fachpressekonferenz 2011 in Mannheim. „Das ist die höchste Wachstumsrate, die wir jemals in unserer jährlichen Bildverarbeitungsstatistik verzeichnet haben.“, so Munkelt weiter.

Auch im laufenden Jahr meldet die Bildverarbeitungsbranche hohe Auftragseingänge. Deshalb geht der VDMA Industrielle Bildverarbeitung von einer weiteren Steigerung des Branchenumsatzes im Jahr 2011 von mindestens 20% aus. Damit würde die Marke von 1,5 Mrd. Euro überschritten.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Positive Entwicklung beflügelt die Vision 2011

Von dieser positiven Entwicklung profitiert auch die Messe Vision, erläuterte Thomas Walter, Bereichsleiter Industrie & Technologie Messe Stuttgart. Bereits heute zeichne sich ab, dass die Vision 2011 als internationale Fachmesse für Bildverarbeitung das Rekordergebnis des vergangenen Jahres mindestens wiederholen, wenn nicht sogar überbieten werde. Sowohl bei der Anzahl der angemeldeten Aussteller als auch bei der Ausstellungsfläche liegt die Weltleitmesse im Vergleich zum Anmeldestand vom Vorjahr im zweistelligen Plus.

Alle Keyplayer haben wieder zugesagt

Ein Großteil der Buchungen erfolgte, so Walter weiter, bereits während der letzten Vision und teilweise wurden die Stände sogar vergrößert. Auch beim Auslandsanteil lässt sich eine steigende Tendenz beobachten. Zum jetzigen Zeitpunkt sind Aussteller aus 26 Ländern angemeldet, darunter Japan, Kanada und die USA.

Walter: „Alle Keyplayer aus der Bildverarbeitungsbranche haben wieder zugesagt.“ Erstmals hat die Vision im vergangenen Jahr mit 323 Ausstellern die 300er-Marke überschritten. Zur Vision 2011 werden laut Walter zwischen 330 und 340 Aussteller erwartet, die auf über 20.000 m2 Bruttoausstellungfläche ihre aktuellsten Kameras, Visionsensoren, Framegrabber, Softwaretools, Beleuchtungssysteme, Objektive, Zubehör sowie komplette Systeme, Anwendungslösungen und Dienstleitungen präsentieren werden.

Exporte sind Treiber der Erholung

Wie Munkelt ausführt, waren vor allem die Exporte Treiber der kräftigen Erholung: Die Lieferungen ins Ausland stiegen um 40% im Vergleich zu dem Krisenjahr 2009 an, wohingegen das Inlandsgeschäft um 23% wuchs. Damit setzt sich der Internationalisierungstrend der deutschen Bildverarbeitungsindustrie fort: Die Exportquote stieg von zuvor 52 auf 56% an. Das Exportvolumen übertraf die bisherigen Rekordwerte von 2008; der Inlandsumsatz blieb 2010 allerdings noch unter dem Vorkrisenniveau.

Der Umsatz in Asien erhöhte sich im Vergleich zum Jahr 2009 um 66% und übertraf damit alle Erwartungen. „Der absolute Shooting Star 2010 war China. Der Umsatz mit diesem Land verdreifachte sich gegenüber 2009“, führte Munkelt weiter aus. Doch auch Nordamerika hat sich 2010 mit einem sehr deutlichen Umsatzplus von 45% gegenüber 2009 als Absatzmarkt zurückgemeldet (Nord- und Südamerika insgesamt: plus 41%).

Mit einem Anteil von 12% am Gesamtumsatz bleibt Nordamerika der wichtigste Handelspartner für die industrielle Bildverarbeitung aus Deutschland. Die Exporte in die europäischen Länder sind 2010 im Vergleich zu 2009 um 27% gestiegen und haben damit das Niveau von 2008 wieder erreicht.

Kamerabereich etwa ein Drittel des gesamten BV-Umsatzes

Die Entwicklung im Kamerabereich trug maßgeblich zur schnellen Erholung des Branchenumsatzes bei, führte Munkelt aus. Mit Kameras wird bereits knapp ein Drittel des gesamten Bildverarbeitungsumsatzes erzielt. Die zunehmende Standardisierung von Schnittstellen, zum Beispiel mittels Gen-I-Cam, Gig-E-Vision, USB oder Coax-Press, erleichtert den Einsatz von Bildverarbeitungskameras auf allen Einsatzfeldern. Auch technische Innovationen beflügeln über höhere Leistungsfähigkeit das Kamerageschäft.

So entwickelt sich die CMOS-Technik schnell weiter und wird zunehmend eingesetzt. Weil sich die Bildverarbeitung als Zukunftsbranche ständig neue Anwendungsfelder auch außerhalb der Industrieproduktion erschließt, steigt die Nachfrage nach Kameras weiter an. Insgesamt können die deutschen Hersteller von Bildverarbeitungskameras auf ein sehr dynamisches Jahr 2010 zurückblicken: Ihre Umsätze stiegen um fast 62%.

Erstmals Medical Discovery Tour

Die Vision besteht besteht aus zwei Hauptelementen, führt Walter aus: einer Hightech-Leistungsschau sowie einem hochwertigen und vielseitigen Rahmenprogramm, das der Wissensaktualisierung und der Weiterbildung der Besucher dienen soll. Die klar abgesteckte Themenfokussierung auf Bildverarbeitungsbelange ist ein Alleinstellungsmerkmal der Fachmesse Vision.

Ein gutes Beispiel dafür sei die erstmals stattfindende Sonderschau „Medical Discovery Tour“ zum Thema Medizintechnik. Denn aufgrund von Messebesucher- und Ausstellerbefragungen habe sich herauskristallisiert, dass das Interesse am Thema Bildverarbeitung in der Medizintechnik zunehme. Aussteller schätzen mittlerweile die Medizintechnik als fünftwichtigste Besucherbranche ein und von den Besuchern ordnen sich bereits 8% diesem Bereich zu.

Die Vision 2011 reagiert auf dieses Ergebnis mit der „Medical Discovery Tour“, einer Art Medizintechnikparcours, auf dem Ausstellerstände, die zu diesem Themenschwerpunkt Produkte, Applikationen oder Dienstleistungen anbieten, mit einem bestimmten Logo gekennzeichnet werden, sodass der Besucher sich schnell orientieren kann.

Zudem wird es innerhalb der Industrial Vision Days explizit Vorträge zu diesem Schwerpunkt geben. Die „Medical Discovery Tour“ entsteht in Zusammenarbeit mit dem Medienpartner und Sponsor Device-Med.

Hochwertiges Rahmenprogramm fördert Weiterbildung

Die Attraktivität einer Fachmesse steigt laut Walter enorm durch ein zusätzliches Angebot an Fortbildungsmöglichkeiten für den Besucher. Dazu bietet die Vision 2011 wieder reichlich Gelegenheit mit ihrem vielseitigen Rahmenprogramm.

An erster Stelle seien die traditionellen Industrial Vision Days zu nennen, die an allen drei Messetagen stattfinden. Der Fachverband Industrielle Bildverarbeitung im VDMA organisiert die Vortragsreihe seit vielen Jahren. Seiner Kompetenz sei es zu verdanken, dass die Themen immer hochaktuell seien. Beispielsweise werde der Einsatz von Bildverarbeitungssystemen in der Medizintechnik auf dem Programm stehen oder auch neue Schnittstellenstandards.

Im Rahmen der Industrial Vision Days findet dann am zweiten Messetag ein Expertenpanel „The sharper image! What’s new in Image Acquisition?” in englischer Sprache statt. Im Mittelpunkt steht die Aufholjagd der CMOS-Bildsensoren gegenüber der CCD-Technologie. Bringt die CMOS-Technologie die besseren Bilder? Aspekte wie Kompression, Optik und Beleuchtung werden dabei berücksichtigt. Das Panel richtet die Zeitschrift Inspect zusammen mit dem Fachverband Industrielle Bildverarbeitung im VDMA aus.

Sonderschau Internationale Bildverarbeitungsstandards zum Anfassen

Neue Schnittstellenstandards, wie Coax-Press und Cameralink HS sowie Gigabit-Ethernet-Vision 2.0 und USB 3.0, stehen in den Startlöchern. Je mehr Schnittstellenstandards es gibt, umso schwieriger wird es jedoch für den Applikationsingenieur, das optimale Interface auszuwählen. Dazu muss er die Leistungsfähigkeit der einzelnen Schnittstellen gut kennen.

Mit der Sonderschau Internationale Bildverarbeitungsstandards in Halle 6 wollen Vereinigungen wie die Automated Imaging Association (AIA), die European Machine Vision Association (EMVA) und die Japan Industrial Imaging Association (JIIA) gemeinsam Aufklärungsarbeit leisten. Die Sonderschau findet zum vierten Mal auf der Vision statt und wird „Standards zum Anfassen präsentieren“, das heißt konkrete Applikationen und Demonstratoren. Außerdem können die Messebesucher direkt mit den Entwicklern sprechen.

(ID:28133080)