Umzüge Umzugsunternehmer Klaus Zapf ist tot

Redakteur: Jürgen Schreier

Klaus Zapf ist tot. Mit 62 erlag er, wir die Tagespresse meldet, einem Herzinfarkt. Nicht nur die Logistikbranche wird um das Berliner Original trauern, sondern auch alle „Überlebenden“ der Studentenbewegung. Denn Dutschke-Freund Zapf war Unternehmer und ein Linker.

Anbieter zum Thema

(Bild: Youtube/Zapf)

Der millionenschwere Unternehmer, der sein Jurastudium in Berlin schmiss, um als Wohnungsentrümpler seine Unternehmerkarriere zu starten, war tief in der linken Szene Berlins verwurzelt und zählte auch die Galionsfigur der deutschen Studentenbewegung, Rudi Dutschke, zu seinen Freunden.

Beim Umzug wurde schon mal ein Joint geraucht

Zapf wuchs im badischen Eppingen auf und zog Anfang der 1970er Jahre nach Berlin, um dem Wehrdienst in der Bundeswehr zu entgehen. An der Freien Universität Berlin studierte er Jura und jobbte als Bierzapfer und Möbelpacker. Zapf brach das Studium ab und gründete 1975 ein Umzugsunternehmen.

Geiz ist geil, war schon damals der unausgesprochene Leitsatz des skurrilen Unternehmers. Ein kurzer Gang durch die zu entrümpelnde Wohnung genügte und Zapf schüttelte eine Summe aus dem Ärmel, die seine Kunden überaus niedrig fanden. Außerdem hatte man es beim Umzug mit Zapf nie mit dumpfen Muskelmännern zu tun, sondern, wie der Berliner Tagesspiegel schreibt, „mit Gleichgesinnten aus dem akademischen Milieu, Selbstverwirklichern und Weltreisenden, mit denen man beim Tee oder Joint zwischendurch gehörig über die Umtriebe des kapitalistischen Systems räsonieren konnte.“ Je mehr sich das herumsprach, desto kräftiger wuchs das Monopol von Zapfs Firma bei linken Wohnungswechslern.

Trotzdem konnte der barttragende Wahlberliner messerscharf rechnen, sodass seine Firma rasch zu einem der umsatzstärksten Umzugsunternehmen in Europa heranwuchs – obwohl Zapf niemals einen Führerschein besaß.

Ein Multimillionär als Konzernschreck

Nach der Jahrtausendwende zog sich Zapf aus dem aktiven Umzugsgeschäft zurück. In die Schlagzeilen geriet er 2010 durch eine rechtskräftig gewordene Verurteilung zu Schadenersatz wegen Rechtsmissbrauchs aus dem Jahr 2007. Der Grund: Zapf war immer wieder mit Klagen gegen Aktiengesellschaften aufgefallen. Mit seiner Firma Pomoschnik Rabotajet GmbH (Der Helfer arbeitet) kaufte er systematisch Aktien auf und überzog die Vorstände der betreffenden Gesellschaften mit Klagen gegen deren Beschlüsse. Das brachte ihm den Titel „Schrecken der Konzerne“ ein, aber auch das erwähnte Schadenersatzurteil. Ziel dieser Aktionen sei es gewesen, so Zapf, den Wirtschaftseliten ihre Grenzen zu zeigen.

Am 20. August 2014 verstarb Klaus Zapf in Eppingen an den Folgen eines Herzinfarktes.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:42908390)