Luftfracht UNO nutzt Cargo-Anlage von Ethiopian Airlines

Autor / Redakteur: Wolfgang Cieplik / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Bisher überwiegend Frischfleisch, Kaffee und Blumen – jetzt Arzneimittel, Hilfsgüter und Schutzausrüstung: Die neu gebaute Cargo-Anlage im äthiopischen Addis Abeba übernimmt in Zeiten von Corona eine wichtige Rolle. Das Wiehler Familienunternehmen Unitechnik plante und realisierte als Generalunternehmer die technische Ausstattung der für einen Durchsatz von 600.000 t Frisch- und Trockenware pro Jahr ausgelegten Anlage.

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Unitechnik hat das neue Luftfrachtterminal für die staatliche Fluggesellschaft Ethiopian Airlines geplant und realisiert. Mit 38.000 m² ist die Air-Cargo-Anlage so groß wie fünf Fußballfelder.
Unitechnik hat das neue Luftfrachtterminal für die staatliche Fluggesellschaft Ethiopian Airlines geplant und realisiert. Mit 38.000 m² ist die Air-Cargo-Anlage so groß wie fünf Fußballfelder.
(Bild: Unitechnik)

So groß wie fünf Fußballfelder und perfekt geeignet für temperaturempfindliche Waren – Unitechnik hat das hochmodern ausgestattete Automatiklager in Addis Abeba mit der Fläche von 38.000 m² nach internationalen Standards konzipiert. Seit dem Aufflammen der Pandemie ist das Frachtzentrum eine zentrale Anlaufstelle für die Aktivitäten der Vereinten Nationen im Kampf gegen Covid-19. Vor Ort starten und landen täglich mehr als 20 moderne Cargo-Flugzeuge sowie umgebaute Passagierflugzeuge der Ethiopian Airlines (EAL), um Hilfslieferungen des Welternährungsprogramms der UNO in alle Teile Afrikas realisieren zu können.

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Das Cargo-Terminal ist sowohl im Hinblick auf den Durchsatz und die Logistikprozesse als auch auf die Sicherheitsstandards wegweisend. Aufgeteilt in einen Kühl- und einen Trockenbereich gewährleistet die zukunftsorientierte Anlage eine ununterbrochene Kühlkette. Leicht verderbliche Ware wie auch hochsensible Medikamente und Hilfsgüter lassen sich somit nach europäischen Standards lagern und transportieren. Die professionelle Lagerung, eine lückenlose Dokumentation und ein schneller Umschlag sind zudem wichtige Voraussetzungen für den Handel mit Industriestaaten. Die neue Air-Cargo-Anlage erweitert die Kapazität des bereits bestehenden Luftfrachtterminals, das ebenfalls von der Unitechnik-Gruppe realisiert wurde, und schafft die Voraussetzungen für den effizienten und sicheren Umschlag von Waren. Ethiopian Airlines steigert seine bisherige Durchsatzleistung mit dem Neubau von 350.000 t pro Jahr auf fast 1 Mio. t. „Langfristig wollen wir mit der Investition erreichen, dass unsere Hauptstadt nicht nur Frachtdrehscheibe für den afrikanischen Kontinent wird, sondern sich auch als internationaler Cargo-Hub etabliert. Damit treten wir in direkten Wettbewerb mit Hubs wie Dubai“, erklärt Tewolde Gebremariam, CEO von Ethiopian Airlines.

Von der Air- zur Landside und umgekehrt

Abgewickelt werden über die neue Anlage sowohl Export- und Importaufträge als auch Transitprozesse, bei denen das Terminal als Umladestelle dient. Unterteilt ist das Frachtzentrum in eine großflächige Kühlzone (17.000 m²) mit Temperaturbereichen von 2 bis 10 °C und in eine ungekühlte Trockenzone (19.000 m²). Die computergesteuerte Anlage hat eine Kapazität von 600.000 t Fracht pro Jahr. Kernstück des Terminals sind zwei automatische Läger für Luftfrachtcontainer (Unit Load Devices, ULD). In den 20-Fuß-Fächern können Container unterschiedlicher Größe kombiniert werden, sodass bis zu 1000 10-Fuß-ULD gleichzeitig gelagert werden können. Die Ein- und Auslagerung der bis zu 6,8 t schweren Alucontainer erfolgt durch vier vollautomatische Regalbediengeräte (ETV) der Firma Amova, die die gesamte Schwerlastlager- und Fördertechnik realisiert hat. Für einen optimalen Durchsatz sind die Anforderungen an die Prozesskette besonders hoch. Ist ein Frachtflieger gelandet, muss er so schnell wie möglich entladen und mit neuer Fracht bestückt werden.

Für Import und Export ausgelegt

Ist der Frachtflieger entladen und sind die ULD in den Automatiksystemen eingelagert, beginnt die eigentliche Arbeit im Cargoterminal. Waren für den Import werden für den Weitertransport per Lkw auf Paletten umgepackt. Die ULD fahren dazu auf spezielle Arbeitsstationen (Workstations). Zum einfachen Be- und Entladen lassen sich diese Workstations absenken. Die Zielpaletten werden per Schmalgangstapler in einem zehngassigen Palettenlager zwischengelagert. Waren, die exportiert werden, vollziehen den Prozess in umgekehrter Reihenfolge. Sie werden anschließend ans Flugzeug transportiert. Der durchdachte Mix aus automatisierten und manuellen Systemen gewährleistet einen hohen Durchsatz bei maximaler Verfügbarkeit.

Umfassendes Sicherheitssystem

Ein- und ausgehende Ware wird mit neuster Röntgentechnologie durchleuchtet und von fachkundigem Personal begutachtet. Um den Zutritt von unbefugten Personen zu verhindern, ist das Terminal mit einem modernen Zugangskontrollsystem ausgestattet. Eine umfangreiche Kameraanlage (CCTV) überwacht zudem die sicherheitskritischen Zonen und macht die Lagerprozesse auch im Nachhinein nachvollziehbar. Die Arbeitssicherheit der Mitarbeiter nimmt ebenfalls einen hohen Stellenwert ein: Lichtschranken an den Toren schützen den Zugang zum vollautomatischen Bereich und bringen die Automatikanlage zum Stillstand, sobald Personen die kritische Zone betreten. Um eine permanente Verfügbarkeit der Automatikanlagen zu gewährleisten, wird der Lagerbetrieb zudem über mehrere Generatoren abgesichert. Im Falle eines Stromausfalls springen diese ein und decken den Strombedarf der Anlage für mehrere Stunden.

Lagerprozesse exakt steuern

Das Gehirn der Logistikanlage ist das Warehouse-Management-System (WMS). Das auf der Softwareplattform „UniWare“, dem von Unitechnik entwickelten Lagerverwaltungssystem, basierende Leitsystem verwaltet alle Lagerplatzbelegungen und koordiniert die automatischen und manuellen Bewegungen. Dazu zählen alle Warenbewegungen zwischen der Landside und der Airside. Das WMS koordiniert die ankommenden Güter an der Lkw-Rampe und weist den Paletten einen Platz im manuellen Hochregallager zu. Auf der Airside identifiziert das System die ankommenden ULD und steuert die Einlagerung im automatischen ULD-Hochregallager. Auf der Fläche zwischen dem Palettenlager und dem ULD-Lager werden die ULD mithilfe von höhenverstellbaren Workstations beladen (build up) oder entladen (break down).

Den Überblick über den komplexen Materialfluss behalten die Mitarbeiter über die im WMS integrierte Visualisierung „UniWare-VISU“. Diese zeigt den Zustand und die Abläufe im Lagerinneren in Echtzeit. Somit können auch die 25 Luftfahrt- und Logistikmitarbeiter des UN World Food Programme (WFP) eine kontinuierliche Nachverfolgung der Hilfsgüter sicherstellen. Das ist besonders im Hinblick auf die schnelle Ausbreitung der Coronapandemie in Afrika essenziell.

Das intuitive Lagerverwaltungssystem lässt sich dank mobiler Datenterminals überall im Lager bedienen. „UniWare“ kommuniziert mit dem Hostsystem Cargospot, das die übergeordnete Koordination der Frachtaufträge übernimmt. „Unser WMS bietet Schnittstellen zu allen Cargohosts und gewährleistet so prozesssichere Abläufe in der komplexen Cargo-Logistik“, so Vertriebsleiter Michael Huhn von Unitechnik. „,UniWare‘ ist auf mehr als zwölf internationalen Flughäfen im Einsatz und lässt sich flexibel an die jeweilige Situation anpassen.“ In der aktuellen Lage erfolgt damit eine effiziente Lagerung von Hilfsgütern, inklusive temperaturkontrollierter Fracht, sowie ein optimierter Umschlagprozess von Medikamenten und Gesundheitsprodukten.

Afrika im Kampf gegen Covid-19 unterstützen

Mit dem großflächigen Frischebereich (Perish- able-Terminal) hat EAL ausreichend Kapazität für den Umschlag von temperaturempfindlichen Waren geschaffen. Ob Schnittblumen und Fleisch oder medizinische Produkte – die hochmoderne und energieeffiziente Anlage stellt die Kühlung des 17.000 m² großen Hallenkomplexes sicher, von den Toren auf der Airside bis zu den Lkw-Rampen auf der Landside. Spezielle Kühlkammern (Cooler) sorgen zudem dafür, dass die Ware schnellstmöglich auf die Zieltemperatur gebracht wird. Das sind optimale Voraussetzungen für den Transport von Arzneimitteln unter kontinuierlicher Einhaltung der Kühlkette. Darüber hinaus eignet sich der hochmoderne Flughafen in Äthiopien auch für die Beförderung von medizinischem Personal sowie die Durchführung medizinischer Notevakuierungen.

Tewolde Gebremariam, der CEO von Ethiopian Airlines, erläutert das Selbstverständnis der Airline in der aktuellen Situation wie folgt: „Ethiopian Airlines spielt bei den weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung von Covid-19 eine Schlüsselrolle, da wir den Versand von lebensrettenden medizinischen Hilfsgütern in verschiedene Teile der Welt erleichtern. Wir fühlen uns geehrt, der Welt in dieser schwierigen Zeit mit unserem hochmodernen ,Pharma Wing‘ sowie unserer Fracht- und Passagierflotte dienen zu können. Jetzt, da Addis Abeba aufgrund unserer fortschrittlichen Ausstattung, unseres ausgedehnten Netzwerks von 127 internationalen Zielen und unserer Flugzeugflotte von WFP und WHO zum humanitären Luftdrehkreuz ernannt wurde, werden wir unsere Bemühungen als führender Luftfrachtdienstleister in Afrika weiter verstärken.“ ■

* Wolfgang Cieplik ist Inhaber der Unitechnik Systems GmbH in 51674 Wiehl, Tel. (0 22 61) 9 87-0, wolfgang.cieplik@unitechnik.com

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