Konjunktur 2009 Unsichere Zeiten

Redakteur: Ulrike Gloger

Es war noch nie so schwierig, eine Konjunkturprognose für ein neues Jahr zu erstellen wie dieses Mal. Zugleich aber gab es noch nie so viele Prognosen. Seit Anfang November 2008 überschlagen sich die Vorhersagen. Zurückhaltend gibt sich der deutsche Maschinenbau. Für 2009 sollen die Erwartungen erst im Februar bekannt gegeben werden.

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Dr. Manfred Wittenstein, Präsident des VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau: „Selbstverständlich kann sich auch der deutsche Maschinen- und Anlagenbau nicht den Folgen der internationalen Finanzkrise entziehen. Es besteht aber überhaupt kein Grund zu übertriebenem Pessimismus.“ Bild: VDMA
Dr. Manfred Wittenstein, Präsident des VDMA Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau: „Selbstverständlich kann sich auch der deutsche Maschinen- und Anlagenbau nicht den Folgen der internationalen Finanzkrise entziehen. Es besteht aber überhaupt kein Grund zu übertriebenem Pessimismus.“ Bild: VDMA
( Archiv: Vogel Business Media )

Schon zu Beginn des gerade abgelaufenen Jahres 2008 verhießen die Auguren nichts Gutes: Dunkle Wolken über dem Konjunkturhimmel und viele Risiken. Doch dann gewann die Konjunktur 2008 noch einmal richtig an Fahrt. Im deutschen Maschinenbau übertraf die Produktion im Zeitraum Januar bis Oktober 2008 ihr Vorjahresniveau um 7,3%. Die Kapazitäten waren im Oktober zu knapp 89% ausgelastet – ein Wert, der immer noch deutlich über dem langjährigen Durchschnitt von 85% lag. Der Auftragseingang aber verfehlte sein extrem hohes Vorjahresniveau um 1%. „Diese Entwicklung kann für den Durchschnitt der Branche als Normalisierung auf historisch hohem Niveau gesehen werden“, konstatiert VDMA-Präsident Dr. Manfred Wittenstein. Die Branche ging zum Jahresende davon aus, im Gesamtjahr 2008 noch einmal einen Produktionszuwachs von 5% zu erreichen.

Maschinenbau hält sich noch zurück

Für 2009 prognostizierte der Verband im Spätherbst noch ein Nullwachstum. Doch als die Finanzkrise zu einem globalen Desaster eskalierte, die Autoindustrie ins Schleudern geriet und die Auftragseingänge im Maschinenbau einbrachen, wurde die Prognose 2009 auf den Februar verschoben.

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Dass in so unsicheren Zeiten eine Prognose in der Tat schwierig ist, bestätigt auch der Wirtschaftsweise Prof. Dr. Bert Rürup: „Modelle, die auf Erfahrungen der Vergangenheit basieren, funktionieren nicht mehr.“ Deshalb blicken viele nicht auf Prognosen, sondern untersuchen die Stimmung. Und die ist nicht gut.

Das wichtigste Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft, der Ifo-Geschäftsklima-Index, rutschte im Dezember stark ab. Auch in der zum Jahresende veröffentlichten Verbandsumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft IW Köln herrscht Pessimismus vor. „Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich deutlich eingetrübt, und auch dem neuen Jahr blicken viele Branchen mit Sorgen entgegen.“ So fasst Prof. Michael Hüther, Direktor des IW Köln, die Ergebnisse der Verbandsumfrage 2009 zusammen.

Danach ist die aus dem vergangenen Aufschwung gespeiste Zuversicht weitgehend verschwunden. Von den 43 befragten Wirtschaftsverbänden geben 41 an, die Stimmung in den Unternehmen ihrer Sparte sei schlechter als zum vorherigen Jahreswechsel. Lediglich zwei Branchen bezeichnen sie als unverändert: der Hauptverband des deutschen Einzelhandels und die Volksbanken.

Werkzeugmaschinenbauer geraten unter Druck

Dass das Jahr 2009 kein gutes Jahr wird, damit rechnet auch die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie. Nach einem Rekordjahr 2008 – dem dritten in Folge – mit 12% Produktionszuwachs erwartet der VDW — Verein deutscher Werkzeugmaschinenfabriken für 2009 einen Produktionsrückgang von 15%. „Dies resultiert vor allem aus dem starken Nachfrageeinbruch im vierten Quartal und den verhaltenen Perspektiven für die Orderentwicklung im ersten Halbjahr 2009“, begründet VDW-Vorsitzender Carl Martin Welcker die Prognose. Allein im Oktober brachen die Werkzeugmaschinenbestellungen um 42% ein. In den Monaten August bis Oktober blieben sie 23% unter dem Vorjahr. Im Oktober lag die Kapazitätsauslastung noch bei fast 93% und der Auftragsbestand bei 8,4 Monaten.

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