Virtual Reality VR: Vertriebstool der Zukunft

Autor / Redakteur: Claudia Ballhause / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Virtual-Reality-(VR-)Anwendungen lassen den User in Echtzeitsimulationen eintauchen und andere Welten hautnah erleben. Kein Wunder, dass sie als Vertriebsinstrument gerade in Branchen wie Maschinenbau und Industrie hochinteressant sind. Lassen sich doch darüber Einblicke und Eindrücke gewinnen, die live am Objekt nicht immer möglich sind, weil Geräte und Anlagen nicht zugänglich oder nicht transportabel sind. Ein deutscher Maschinenbauer hat seinen Raupentelekran mit Funkfernsteuerung mithilfe von VR virtualisieren lassen.

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VR-Messeeinsatz auf der Bauma 2019: Sennebogens Raupentelekran ist für Standbesucher virtuell erlebbar.
VR-Messeeinsatz auf der Bauma 2019: Sennebogens Raupentelekran ist für Standbesucher virtuell erlebbar.
(Bild: Blue Silver)

Die Sennebogen Maschinenfabrik GmbH ist ein führendes deutsches Familienunternehmen für kundenspezifischen Maschinenbau. Die Zentrale befindet sich in Straubing, produziert wird in vier europäischen Werken. Weitere Vertriebsniederlassungen gibt es in den USA und Singapur.

Für die Weltleitmesse für Baumaschinen, die Bauma in München, beauftragte Sennebogen die Münchener 3D-Agentur Blue Silver mit einer VR-Anwendung, die ein Publikumsmagnet werden sollte. Der Full-Service-Anbieter und Dienstleister für 2D- und 3D-Visualisierung ist Spezialist für erklärungsbedürftige technische Produkte aus Maschinenbau, Industrie und Technik. Mit der VR-Anwendung für Sennebogen sollten die Messebesucher, im speziellen Maschinenfahrer, erleben, wie nützlich das Konzept des Raupentelekrans 613E ist und wie leicht und präzise die Maschine mit der Funkfernbedienung sich selbst in kniffligen Einsätzen sicher bedienen lässt.

Fernsteuerung des Telekrans durch VR erlebbar machen

Kräne mit Raupenfahrwerken sind besonders wichtig für Arbeiten auf schwierigen Untergründen und garantieren Flexibilität und Mobilität auf der Baustelle durch unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten. Aber wie bei allen Kraneinsätzen muss der Bediener alles stets im Blick haben. Trotz hochfahrbarer Kabine und guter Übersicht braucht es dafür nicht selten einen zusätzlichen Einweiser, gerade bei unübersichtlichen Verladeaufgaben. Der Einsatz mit Funkfernsteuerung ist daher eine gute Alternative und einfache Lösung. Sie schafft gleichzeitig noch mehr Flexibilität für den Fahrer, der den Kran so von jeder Position aus sicher bedienen kann. Genau dieses Konzept sollte in der VR-Anwendung für die Bauma erlebbar gemacht werden.

VR-Einsatz in der Ausbildung: Sennebogen setzt in seiner Akademie darauf, seine Mitarbeiter mit der Originalsteuerung zu schulen.
VR-Einsatz in der Ausbildung: Sennebogen setzt in seiner Akademie darauf, seine Mitarbeiter mit der Originalsteuerung zu schulen.
(Bild: Blue Silver)

Die Besucher der Messe sollten in der virtuellen Realität den Kran spielerisch selbst bedienen können. Dies erlaubt noch intensivere Eindrücke als die Darstellung über Film und Video. Als Hardware kam die originale Funkfernsteuerung zum Einsatz, damit die Maschinenfahrer wirklich einen realen Eindruck von der Bedienung bekämen. Die Funktionalitäten der Joysticks wurden so in der Software umgesetzt, dass auch in der virtuellen Welt alle Kommandos originalgetreu abgebildet werden können. Um den Aufbau spannend und interessant zu machen, wurden unterschiedliche Aufgaben integriert: sei es das Schwenken des Hubhakens, das Einhaken und Anheben von Gewichten oder das Steuern des Fahrzeugs über die Baustelle.

Die VR-Anwendung basiert auf der HTC-Vive-VR-Brille. Diese Hardware garantiert die Usability und ist besonders geeignet für Anwendungen, in denen sich der User frei bewegen kann. Blue Silver machte sich zunächst vor Ort in Straubing ein Bild von den Dimensionen und dem Umfang. Auf Basis des dort aufgenommenen Bildmaterials sowie der Konstruktionsdaten konnte die Visualisierung entstehen. Dafür musste das sehr umfangreiche Datenvolumen bereinigt werden.

Das Projekt für die Anwendung wurde in vier Monaten realisiert. Besonderen Schwerpunkt legten die Entwickler auf das Gestalten der Umgebung in der Virtual Reality, die universell und gleichzeitig sehr ansprechend sein sollte. Zudem wurden wie in einem Computerspiel mehrere Schwierigkeits-Level programmiert, damit auch unerfahrene Anwender den Kran ohne größere Schwierigkeiten oder Frustrationen steuern konnten. Im ersten Level sollte ein Bauteil nur mit dem Oberwagen angehoben werden, also eine einfache Arbeitsbewegung. Im zweiten Level war der Kranführer gefordert, virtuell mehrere Funktionen überlagert auszuführen und auch mit dem Fahrzeug unterschiedliche Positionen einzunehmen. Durch eine gewisse Toleranz für schwierige Manöver, wie zum Beispiel das Einhaken, kam auch der Spaß an der Anwendung nicht zu kurz. Eine große Herausforderung war die Programmierung der Schnittstelle zwischen der originalen Funkfernsteuerung und der VR-Brille, damit alle Kommandos ohne Verzögerung umgesetzt werden konnten.

Einsatz auf der Messe war ein Publikumsmagnet

Um sich vor der Messe gut auf die Anwendung vorzubereiten, konnten die Mitarbeiter von Sennebogen das System in der Zentrale zuvor ausgiebig testen. Blue Silver stand ihnen in dieser Phase als Support zur Seite. Der Einsatz auf der Bauma war so optimal vorbereitet. Vor Ort konnten sich die Besucher mit der VR-Brille und dem Controller in einem kleinen Bereich frei bewegen und die Anwendung, begleitet von einem Mitarbeiter, durchspielen. Es herrschte Hochbetrieb, das Erlebnis wurde gut angenommen. Während ein User den Kran virtuell steuerte, konnten die anderen Zuschauer die Bewegungen in der virtuellen Realität auf einem Display verfolgen.

VR-Messeeinsatz auf der Bauma 2019.
VR-Messeeinsatz auf der Bauma 2019.
(Bild: Blue Silver)

Großer Vorteil der VR-Anwendung: Ist sie einmal entwickelt, kann sie vielfältig weiter eingesetzt werden. In der betriebseigenen Akademie lernen Mitarbeiter damit dank der Originalsteuerung zum Beispiel, den Kran zu bedienen. Zudem hat auch der Vertrieb eine kleine, transportable Lösung an der Hand, um Kunden vor Ort oder auf kleineren Messen das Fahrzeug einmalig zu präsentieren. Schließlich können aus dem Material auch 360°-Videos oder 3D-Animationen generiert werden.

Die Zusammenarbeit und das Ergebnis waren für beide Seiten ein voller Erfolg. Es ist nicht das erste gemeinsame Projekt der Unternehmen: Zuvor hatte Blue Silver für Sennebogen einen Teaser erstellt, um mehr Aufmerksamkeit für die Produkteinführung der Modellreihe 355 zu schaffen.

* Claudia Ballhause ist IT-Journalistin und lebt in Argentinien. Weitere Informationen: Blue Silver GmbH, 85737 Ismaning, Tel. (0 89) 62 29 94-0, mail@blue-silver.com

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