RFID-Business

Wachstumstreiber sind die Kunden

28.02.2007 | Autor / Redakteur: Lothar Lochmaier / Bernd Maienschein

Bernd Krakau, Industry Line Services, T-Systems: „Die Aufteilung der notwendigen Investitionskosten unter den Beteiligten birgt ein großes Konfliktpotenzial aufgrund der unterschiedlich verteilten Marktmacht zwischen den Teilnehmern der Wertschöpfungskette.“ Bild: T-Systems
Bernd Krakau, Industry Line Services, T-Systems: „Die Aufteilung der notwendigen Investitionskosten unter den Beteiligten birgt ein großes Konfliktpotenzial aufgrund der unterschiedlich verteilten Marktmacht zwischen den Teilnehmern der Wertschöpfungskette.“ Bild: T-Systems

Nur die Einführung kostengünstiger RFID-Tags allein bringt den Unternehmen kaum erkennbaren Nutzen. Erforderlich ist eine ganzheitliche Betrachtung der Logistikkette, um zu greifbaren Verbesserungen zu gelangen, wurde auf dem Deutschen Verkehrsforum in Berlin deutlich.

Die Schmitz Cargobull AG gehörte mit ihrem Produktionssystem im Altenberger Werk 2006 zu den Preisträgern des Wettbewerbs „Die Fabrik des Jahres“. Schon heute setzt das Unternehmen für seine Kunden auf ein erweitertes Leistungsspektrum für den Spediteur und Logistiker. Trading und Monitoring von Trailern erfolgt über ein gemeinsam mit Bosch/Blaupunkt sowie T-Systems entwickeltes eigenes Telematiksystem.

Über diese Schnittstelle werden nicht nur Fahrzeugdaten, sondern auch Daten über den Ladungszustand ermittelt. Als Vision will das Unternehmen detaillierte Ladungsdaten über RFID integrieren, die zukünftig auch den Bereich der internen Produktionslogistik revolutionieren sollen. Derartige Erfolgsbeispiele machen zwar Mut. Noch aber können sich heute nur wenige Unternehmen das hoch gesteckte Ziel „E-Logistics“ als Aushängeschild anheften. Hemmnisse für eine breitere Einführung der Zukunftstechnologie sind noch zu überwinden, wurde auf dem hochkarätig besetzten Deutschen Verkehrsforum „Die Zukunft mit RFID: Effiziente Systeme für die Logistik“ in Berlin deutlich.

Ernüchternd wirkt vor allem der hohe finanzielle Aufwand in eine geeignete RFID-Infrastruktur. „Die Aufteilung der notwendigen Investitionskosten unter den Beteiligten birgt ein großes Konfliktpotenzial aufgrund der unterschiedlich verteilten Marktmacht zwischen den Teilnehmern der Wertschöpfungskette“, berichtet Bernd Krakau, Member of the Board der Industry Line Services bei T-Systems.

Individuelle und nicht vernetzte RFID-Projekte beziehungsweise Anwendungen der Wertschöpfungsteilnehmer führten oftmals dazu, dass deren Skalierbarkeit und Übertragung auf weitere Teilnehmer der Kette unsicher sei, sagt Bernd Krakau. „Gleichzeitig lassen sich durchgängige Service-Level-Vereinbarungen aufgrund der isolierten Aktivitäten und der damit entstehenden Insellösungen für die gesamte Lieferkette kaum vereinbaren“, so Krakau weiter.

Auto-ID-/RES-Plattform fungiert als neutrales RFID-Trustcenter

Eine Optimierung und Automatisierung innerhalb der Liefer- und Wertschöpfungsketten lässt sich dadurch nur bedingt realisieren. Eine Lösung aus Sicht der jeweiligen Kundenanforderungen stelle die sogenannte Auto-ID-/RES-Plattform dar, die als neutrales RFID-Trustcenter für die Beteiligten fungiere, so Krakau. Sie erfasst alle relevanten Daten mittels Tag, Gates, Reader oder Antennen und übermittelt diese an die „managed“ Plattform. Dabei stellt der Betreiber unter anderem die ICT-Infrastruktur, die branchenunabhängige Plattform mit spezifischen Servicemodulen und sichere Datentransfers bereit. Gleichzeitig übernimmt er auch die „End-to-End“-Verantwortung.

Aus betrieblicher Sicht sei vor allem eine strategische Betrachtung der logistischen Planung im Unternehmen erforderlich, ergänzte Ewald Kaiser, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Kühne + Nagel International AG: „RFID ist kein Allheilmittel gegen alle Schwachstellen.“

Dennoch seien die Funkchips in einigen Bereichen mit entscheidenden Vorteilen gegenüber der Barcode-Erfassung bei der Identifikation der Ware (Pulk-Erfassung) ausgestattet. Für offenere Systeme seien aber marktreife Standards erforderlich, um eine breitere Nutzung mit Mehrwert für alle Beteiligten zu erreichen.

RFID und Barcode auch weiterhin in friedlicher Koexistenz?

Wie die künftige Vision einer durchgängig vernetzten Logistikkette aussehen könnte, wurde an dem Praxisbericht der Deutschen Post World Net (DPWN) deutlich. Clemens Beckmann, Sprecher der Geschäftsführung bei der DPWN Business Consulting GmbH, sieht zwar RFID und Barcode auch weiterhin in einer friedlichen Koexistenz. DHL hat aber auch eine neue, zukunftsweisende Technologie für die Pharmaindustrie entwickelt, von der auch andere Branchen profitieren sollen.

Durch den Einsatz von RFID sei die Transparenz temperaturgeführter Transporte erheblich verbessert worden. Denn Temperaturschwankungen außerhalb des empfohlenen Bereichs können sich negativ auf die Lebensdauer medizinischer Produkte wie zum Beispiel der Impfstoffe auswirken. Die Lösung: Ein spezieller RFID-Sensor-Tag, eine Kombination aus Temperatursensor und RFID-Funkchip, kontrolliert und dokumentiert die Temperatur der Sendungen während des gesamten Transports. „Die Messdaten stehen an jedem Auslesepunkt zur Verfügung, so dass Absender, Empfänger oder Kontrolleur den Zustand der Produkte stets überprüfen können“, sagt Clemens Beckmann.

Lothar Lochmaier ist Fachjournalist in 10585 Berlin, Tel. (030) 33778747, lochmaier@gmx.de

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