Chemie- und Pharmalogistik

Was braucht die Blockchain?

| Autor / Redakteur: Prof. Dr. Michael Henke / Manja Wühr

Über kurz oder lang wird sie kommen – die Blockchain. Ihre Vorteile sprechen für sich.
Über kurz oder lang wird sie kommen – die Blockchain. Ihre Vorteile sprechen für sich. (Bild: ©Connect world - stock.adobe.com)

Die Branchenführer haben sie längst gestartet, ihre Pilotprojekte zur Blockchain-Technologie. Für sie ist nicht mehr die Frage, ob die Blockchain zum Einsatz kommt, sondern wann und wie umfassend.

Bei einer Blockchain können einmal eingegebene Daten nachträglich nicht mehr verändert werden. Damit werden Herkunftsnachweis und lückenlose Nachverfolgbarkeit von Rohstoffen und Zulieferprodukten sowie der Schutz vor Fälschungen in Pharma und Chemie auf eine völlig neue Stufe der Sicherheit, Zuverlässigkeit und Transparenz gehoben.

Steht etwa eine Liefer-Charge auf der Rampe des indischen Lieferanten versehentlich zu lange in der Sonne, entdeckt der europäische Hersteller den daraus resultierenden Hitzeschaden nicht erst Tage oder gar Wochen später bei seiner Eingangskontrolle. Er erkennt ihn in der Minute der Schädigung, in Echtzeit. Weil es ihm der Sensor an der Palette oder im Container meldet. Und im Gegensatz zu Lieferpapieren oder Lieferantenaussagen ist diese Meldung wasserdicht. Dafür sorgt eine fälschungssichere Blockchain, die permanent alle Datenblöcke, die in der Lieferkette unterwegs sind, auf Übereinstimmung und Nachverfolgbarkeit überprüft. Da diese Überprüfung eine imposante Rechnerleistung benötigt, werden die Kosten für die nötige IT-Aufrüstung oft als Argument gegen eine Blockchain-Einführung angeführt.

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Kosten-Nutzen-Relation

Es gibt zwei Argumente gegen den Kosteneinwand. Zum einen: Wären die Kosten prohibitiv oder schlicht unrentabel, gäbe es nicht schon so viele Pilotprojekte in Chemie, Pharma und vielen anderen Branchen. Zum anderen sind die potenziellen Schäden durch Arzneimittelpiraterie, gefälschte Produkte, zu spät bemerkte Lieferausfälle oder Skandale wegen fehlerhafter Produkte weitaus höher als die Kosten der benötigten Rechnerleistung. Selbst dass kleine Lieferanten sich die Kosten nicht leisten können, ist kein Argument: Eine Blockchain-Lösung im Supply Chain Management ist nur sinnvoll einsetzbar, wenn mehrere Unternehmen kooperativ damit arbeiten, also wird man letztlich auch bei den Kosten kooperieren. Denn von einer funktionierenden Blockchain profitieren alle. Wobei das „alle“ in der Pilotphase und bei der Einführung leicht irreführend ist.

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Theoretisch ist es so, dass eine Blockchain dann bestmögliche Ergebnisse liefert, wenn alle Partner entlang von Supply Chains mitmachen. Das verführt manche Unternehmen praktisch dazu, gleich die komplette Lieferkette mit Blockchain versehen zu wollen, und das ist für den Anfang fast eine Garantie für Misserfolg. Weitaus erfolgversprechender ist ein Pilot-Projekt auf einem abgrenzbaren Teil einer Lieferkette oder auf einer kleinen, (nicht zu) kurzen Lieferkette. Da bei solch maßvollen Piloten der Erfolg praktisch vorhersehbar ist, entwickelt er auch die nötige Sogwirkung für eine großflächige Anwendung der Blockchain-Technologie. Skeptiker meinen, dass die Technologie lediglich für besonders sensible Versorgungsketten nützlich und rentabel sei. Das ist ein Irrtum.

Fazit: Die nicht abreißen wollende Kette der Produktskandale führt dazu, dass in naher Zukunft sämtliche Produkte und Märkte hoch sensibel sein werden. Um nur ein Beispiel anzuführen: Ob in meiner Kopfschmerztablette wirklich nur die Inhaltsstoffe enthalten sind, die dort auch hineingehören, kann heute kein Werbeversprechen glaubhaft zusichern – eine Blockchain in Zukunft schon!

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem Partnermagazin Process und wurde von Manja Wühr betreut.

* Der Autor ist Institutsleiter am Fraunhofer IML und Inhaber des Lehrstuhls für Unternehmenslogistik der TU Dortmund. Kontakt: Tel. +49-231-9743-100

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