MDE

Was ist mobile Datenerfassung? Definition, Beispiele & MDE Gerät!

| Autor / Redakteur: Annedore Bose-Munde / Bernd Maienschein

Im Phoenix-Vertriebszentrum in Mannheim werden für die Datenerfassung und -verarbeitung leistungsfähige, 2D-fähige Scanner eingesetzt.
Im Phoenix-Vertriebszentrum in Mannheim werden für die Datenerfassung und -verarbeitung leistungsfähige, 2D-fähige Scanner eingesetzt. (Bild: Phoenix)

Mobile Datenerfassung (MDE) bezeichnet die Erfassung von Bestell-, Waren- und Maschinendaten, fern des Computerarbeitsplatzes. Die Einbindung der leistungsfähigen MDE Geräte in den Prozessablauf haben erheblichen Einfluss auf die Effizienz beim Einsatz in Industrie, Produktion und Handel.

Mit der mobilen Erfassung von Bestell-, Waren- und Maschinendaten am Entstehungsort wird nicht nur die Flexibilität in der Abwicklung erhöht. Auch ein nachträglicher Abgleich der Bestände wird durch die Echtzeiterfassung überflüssig. Doch die Leistungsfähigkeit der mobilen Datenerfassungsgeräte (MDE) und die passgenaue Einbindung in den Prozessablauf haben erheblichen Einfluss auf die Effizienz beim Einsatz.

Moderne Komponenten der Informations- und Kommunikationstechnik durchdringen zunehmend die Produktionstechnik. Dies bewirkt, dass eine große Menge unterschiedlicher Daten mit einem direkten oder indirekten Bezug zur Produktion für die Erfassung und Verarbeitung zur Verfügung stehen. Damit gewinnen Daten als Ressource stetig an Bedeutung. Aber wie lassen sich diese Daten erfassen, verarbeiten und als Informationen zur Verfügung stellen, dass diese in komplexen Produktionsszenarien unterstützend wirken?

„Um die Daten im Umfeld der Produktion und Logistik nutzbringend anzuwenden, sind neue und angepasste Methoden und Lösungen für eine flexible Erfassung, Verwaltung und deren problemorientierte Auswertung erforderlich“, sagt Dr. Tino Langer, Hauptabteilungsleiter „Smarte Fabrik - Digitalisierung und Automatisierung“ am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Chemnitz.

Flexible und fehlerfreie Prozesse erfordern leistungsfähige MDE Geräte

Die fehlerfreie und punktgenaue Bereitstellung von Produkten ist beispielsweise im pharmazeutischen Großhandel existenziell. Bei der Phoenix Pharmahandel GmbH & Co KG ist dies flexibel und gleichzeitig passgenau organisiert. Alle erforderlichen Daten übermitteln die ERP-Systeme an das Scansystem. Dieses führt die Aufgaben zur Kommissionierung aus. Der Kommissionierer scannt das Lagerfach und/oder das jeweilige Produkt. Hat er dies abgeschlossen, zeigt ihm das MDE Gerät die nächste Kommissionieraufgabe wegeoptimiert an. Nach Abschluss aller Picks legt er die Ware in den bereitgestellten Behälter. Alle erforderlichen Informationen sind im Business-Intelligence-System (BI-System) ersichtlich. Neben dieser „Basis“-Kommissionierung gibt es eine Vielzahl von anderen spezifischen Kommissionieraufträgen, die anders durchgeführt werden. Beispielsweise die zweistufige Kommissionierung über Transportwagen oder die Kommissionierung von Paletten.

„Supportfunktionen, beispielsweise die Kontrolle des Auftragsbehälters, Bestandsabfragen, Sichtbarkeit der Übervorratslagerorte oder Nachfüllaufgaben für manuelle und automatisierte Lagerbereiche, ergänzen die Kommissionieraufgaben. Des Weiteren unterstützt das System unterschiedliche Inventurverfahren. Die Fördertechnik stellt im Warenausgang die Großzahl der Aufträge in Auftragsbehältern bereit. Hier erfolgt eine Verladescannung auf das jeweilige Fahrzeug“, beschreibt Stefan Pflug, Phoenix Geschäftsleitung Betrieb Deutschland, den komplexen Prozess.

Mit dem MDE Gerät scannen die Auslieferfahrer die Sendungseinheiten gegen eine auf den Scanner übertragene Ladeliste. Ein Vertauschen oder fehlende oder falsche Sendungseinheiten sind nicht möglich. Zu jedem Zeitpunkt ist ersichtlich, wie viele und welche Sendungseinheiten noch geladen werden müssen. Bei der Apotheke wird ein dort angebrachter, apothekenspezifischer Barcode gescannt, daraufhin die dort abzugebenden Sendungseinheiten angezeigt, diese abgescannt und durch Unterschrift des Apothekenpersonals quittiert.

Neue Techniken ermöglichen eine höhere Transparenz der Datenerfassungsprozesse

In puncto mobile Datenerfassung und -verarbeitung hat sich mit Blick auf die Technik bei Phoenix in den letzten Jahren viel geändert. So wurden und werden durch gesetzliche Änderungen der Aufmachung verschreibungspflichtiger Arzneimittel, ältere Scanner kontinuierlich durch 2D-fähige MDE-Geräte ersetzt. Damit hat die Transparenz der Prozesse einen höheren Stellenwert erhalten, so dass beispielsweise die Produktivität und Qualität bereichsbezogen ausgewertet werden kann.

„Die Vernetzung der Systeme ist stark vorangeschritten, so werden die Informationen der mobilen Datenerfassung auch integrativ in anderen Systemen genutzt. Durch die Nutzung von BI-Systemen und die damit verbundene höhere Transparenz können wir Prozesse nachhaltig optimieren. Und Scannungen entlang der gesamten Lieferkette zeigen in Echtzeit, wo sich welche Ware befindet“, beschreibt Pflug die Entwicklungen im Unternehmen. „MDEs erzeugen eine hohe Transparenz in immer komplexeren Logistiknetzwerken und -prozessketten. Dies ist wichtig, um unsere Mitarbeiter bei ihren täglichen Aufgaben bestmöglich zu unterstützen und für unsere Kunden effiziente und qualitativ hochwertige Logistikdienstleistungen zu erbringen“, benennt er den Nutzwert.

Die Technik wird aktuell in allen 20 deutschen Vertriebszentren der Phoenix group eingesetzt, darüber hinaus in 15 weiteren Ländern mit insgesamt 120 Standorten. „Dieses Scansystem ist das Arbeitspferd der Kommissionierung im Großhandel, mit dem wir an Spitzentagen bis zu 2 Millionen Transaktionen pro Stunde durchführen“, beziffert Pflug den Umfang. Und er nennt weitere Vorhaben des Unternehmens: „Das System bietet insbesondere in der Vernetzung mit anderen Funktionen noch erhebliche Potentiale, die kontinuierlich ausgearbeitet und in 15 Ländern ausgerollt werden.“

„Bei immer komplexeren Prozessen müssen Mitarbeiter in die Lage versetzt werden, durch eine deutlich reduzierte Informationsfülle die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Damit gewinnen neben dem Aspekt der Datenauswertung zur Generierung von produktionsrelevanten Informationen vor allem die Informationsaufbereitung und -bereitstellung an Bedeutung“, bestätigt Dr. Langer vom Fraunhofer IWU.

Materialfluss und Maschinenzustand bei vernetzten Maschinen jederzeit im Blick

Beim Hersteller von Metallsäge- und Lagertechnik Kasto werden für die mobile Datenerfassung Industrie Smartphones mit integriertem Barcodeleser, Telefon, Kamera und diversen Schnittstellen eingesetzt. Außerdem Industrie Tablets mit entsprechender Ausstattung. Die Daten werden durch Barcodes/RFID, Sprache und manuelle Eingabe erfasst und an das Lagerverwaltungs- beziehungsweise Warenwirtschaftssystem übermittelt.

Für die übersichtliche Handhabung seiner Sägemaschinen hat das Unternehmen jetzt eine App auf den Markt gebracht. Damit können Anwender per Smartphone oder Tablet jederzeit und von überall auf dem Firmengelände den Status ihrer Sägemaschinen abfragen, überwachen und im Bedarfsfall schnell reagieren. Die App bietet eine Statusübersicht aller im Netzwerk vorhandenen Kasto-Sägemaschinen. Dabei gibt sie Aufschluss über den Zustand der Maschinen, beispielsweise ob sie im Automatik- oder Handbetrieb laufen, eine Störung vorhanden ist oder sich die Maschine im Status Werkzeugwechsel befindet. Läuft eine Säge im Automatikbetrieb, kann die App auf die in der jeweiligen Maschinensteuerung hinterlegten Informationen zugreifen. Damit erhält der Benutzer genaue Auskünfte über alle relevanten Parameter wie Artikel, Abschnittlänge, Soll- und Ist-Stückzahl sowie die Vorschub- und Schnittgeschwindigkeit. Kommt es zu einem Fehler im Betriebsablauf, visualisiert die App die anstehende Fehlermeldung, und der Anwender kann schnell reagieren. Ausfallzeiten lassen sich auf ein Minimum reduzieren.

„Durch den Einsatz von MDE Geräten ist eine schnellere Datenerfassung und Bearbeitung möglich geworden, was zu einer flexiblen Arbeitsweise beiträgt. Die benötigten Daten sind durch den globalen Datenzugriff überall auf einen Blick vorhanden“, sagt Sönke Krebber, Mitglied der Geschäftsleitung.

Für das MDE Gerät gibt es bereits einige punktgenaue und sehr effiziente Anwendungen. Derzeit werden erfasste Daten jedoch oft nur entsprechend ihres originären Erfassungsgrundes analysiert und verarbeitet. „Ein entscheidend erhöhter Mehrwert lässt sich erzielen, wenn bereits erfasste und

abgespeicherte Daten über deren ursprünglichen Erfassungsgrund hinaus weiterverarbeitet werden“, gibt Dr. Tino Langer einen Ausblick auf zukünftige Anwendungen.

Ergänzendes zum Thema
 
Mobile Datenerfassungsgeräte bewähren sich in der Praxis

* Dipl.-Ing. Annedore Bose-Munde ist Fachredakteurin für Wirtschaft und Technik in 99094 Erfurt, Tel. (03 61) 78 94 46 95, info@bose-munde.de

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