Verpackungen

Wellpappe – die Mutter (fast) aller Verpackungen

04.05.2007 | Autor / Redakteur: Claudia Treffert / Frank Fladerer

Produkte und Verpackungen aus Wellpappe finden sich in allen Bereichen der Wirtschaft. Was niemand vermutet: Oft outen sich Kartonagen als wahre Technologie-Träger. Bild: Panther
Produkte und Verpackungen aus Wellpappe finden sich in allen Bereichen der Wirtschaft. Was niemand vermutet: Oft outen sich Kartonagen als wahre Technologie-Träger. Bild: Panther

Kaum ein Bereich in Industrie oder Wirtschaft, in dem sie nicht zu finden wäre. Kaum eine Form, in die sie sich nicht bringen ließe. Kaum eine Technologie, die sich nicht in sie einbauen ließe: die Wellpappe – Mutter (fast) aller Verpackungen.

Wenn nicht jetzt, wann dann? Wenn nicht wir, wer dann?“ Den Anfang des Songs zur Handball-Weltmeisterschaft der Kölner Kultband „Höhner“ hat der Vorsitzende des Verbandes der Wellpappenindustrie (vdw), Norbert Julius, kurzerhand für seine Branche okkupiert. Das lässt auf das Selbstbewusstsein der Wellpappenhersteller schließen. Und Julius legt noch eins nach: „Ohne Wellpappe würde die stark arbeitsteilige Wirtschaft nicht so funktionieren, wie wir das heute gewohnt sind. Sie ist ein Schlüsselprodukt – denn wie wollen Sie Halb- und Fertigwaren transportieren, wenn nicht in Wellpappe?“

Der Erfolg der Branche gibt ihm Recht. Seit Jahren steigt der Absatz des Packstoffs – im vergangenen Jahr um rund 8% Prozent auf 8,2 Mrd. Quadratmeter – seit Jahren haben Transportverpackungen aus Wellpappe beim Handel und in der Industrie die Nase vorn. Die Belebung der Inlandsnachfrage, die erneute Exportweltmeisterschaft der deutschen Industrie: All das sind Indikatoren, dass die Wellpappe auch in 2007 wieder ein gefragter Packstoff ist und dass in den Werken Mitarbeiter und Maschinen nicht zwangsweise kürzertreten müssen.

Margen in der Wellpappenbranche lassen zu wünschen übrig

Trotz der guten Aussichten halten sich die Wellpappenhersteller mit ihrem Jubel zurück, und zwar aus gutem Grund: Ihre Margen lassen zu wünschen übrig. Eine entscheidende Rolle kommt dabei den Rohstoffpreisen zu, die sich seit September 2005 auf dem Höhenflug befinden. So kostet allein der Testliner derzeit rund 40% mehr als vor anderthalb Jahren.

„Preiserhöhungen gab es immer wieder mal“, erinnert sich Carin Hilmer-Brenzinger, Mitglied der Geschäftsführung der Panther-Packaging-Gruppe, Tornesch. „Aber so drastisch waren sie noch nie.“ Darüber hinaus setzen die Energiepreise die Margen unter Druck. Ob für die Produktion oder den Transport der Wellpappe, überall zahlen die Hersteller sehr viel mehr: für Strom, Gas, Öl und Benzin. Deshalb ist inzwischen in der Branche jedem klar, dass Wellpappe deutlich teuerer werden muss.

Verständlicherweise zeigen sich die Abnehmer der Wellpappe nicht sehr erfreut über den Preisschub. Doch sie akzeptieren ihn, da sie ihn als notwendig anerkennen und nicht nur hierzulande mehr für den Packstoff zahlen müssen als bisher. Gemeinsam mit ihrem Lieferanten suchen sie allerdings nach effizienteren Lösungen, um damit die Mehrkosten etwas aufzufangen. Genau darin liegt die Stärke der Wellpappenhersteller, die sich längst vom reinen Produktionsbetrieb zu findigen Entwicklern innovativer Verpackungslösungen, zu Systemlieferanten und zu Beratern rund um die Wellpappe gewandelt haben.

Prämierte Papp-Verpackungen

Was innovative Verpackungslösungen anbelangt, so prämiert der Verband regelmäßig im Rahmen der Fachpack in Nürnberg die besten mit der „Goldenen Welle“. Im letzten Jahr landete eine Verpackung für Antriebswellen auf dem ersten Platz, die Smurfit Europa Carton in Düsseldorf für einen Kunden entwickelte, der sie seit August des vergangenen Jahres einsetzt. Statt der sonst üblichen Mehrwegverpackungen mit neun Tiefziehschalen für jeweils fünf Antriebswellen schützt die Variante in Wellpappe die Antriebswellen während des Transports zum Kunden.

Die Jury fühlte sich sehr angesprochen von der „äußerst wirtschaftlichen und minimalistischen Verpackung“, die hohen Produktschutz mit einfachem Handling kombiniere. Auch verblüffend einfach sieht die Manometerverpackung von Straub Verpackungen, Bräunlingen, aus. Sie belegte den zweiten Platz beim Wettbewerb, unter anderem weil sie den Auspackern die Arbeit erleichtert und dann die Manometer sicher übereinander platziert präsentiert. Dass die Wellpappenlösung des Herstellers aus dem Badischen eine Mehrstoffverpackung ablöst, kommt außerdem der Umwelt zugute. Ein „Pfund“, das die voll wiederverwertbare Wellpappe immer öfter in die Waagschale werfen kann.

Und als wäre die bei der Entwicklung immer neuer Wellpappe-Verpackungsmittel gebotene Kreativität der Hersteller nicht schon genug gefordert, stellt der Markt seit einiger Zeit immer strengere Forderungen an die Nach- und Rückverfolgbarkeit sowie die (Fälschungs-) Sicherheit der Kartonagen. Aber auch in diesem Bereich zeigen sich Unternehmen wie Panther, SCA Packaging, Smurfit oder Straub einfallsreich und kompetent.

Speziellen Codierung mit FM-Rasterschlüssel

In Sachen Sicherheit hat sich beispielsweise bei Panther ein Verfahren mit einer speziellen Codierung mittels FM-Rasterschlüssel als probat erwiesen. Nach dem Schloss-Schlüssel-Prinzip kann mit Auflage einer Folie die Echtheit des Druckes auf einer Verpackung erkannt werden. Dem Prüfer beim Zoll oder an der Warenannahme ist mit diesem „Schlüssel“ eine sofortige Erkennung von Imitaten möglich. Weder Schloss noch Schlüssel sind kopierbar und somit fälschungssicher.

Ein weiterer Fälschungsschutz aus Tornesch, der den Produktpiraten das Handwerk erschwert, besteht aus Spezialfarben, mit denen die Wellpappe-Produkte gewissermaßen lackiert werden. Mit diesen Farben werden einzelne Elemente des Druckbildes markiert, die dann als Prüffeld dienen. Erst unter Schwarzlicht werden die Elemente wieder sichtbar. Dabei kann eine bestimmte Farbe für ein individuelles Produkt definiert werden, die unter UV-Licht mit dem Auge erkennbar wird – ähnlich wie bei der Prüfung von Geldscheinen. Eine ganz anders geartete Technologie, die bereits seit längerem die Medien füllt und für branchenübergreifenden Gesprächsstoff sorgt, ist die Radio-Frequenz-Identifikation, kurz RFID.

Die Möglichkeiten, die mit Transpondern, elektronischen Speicher-Chips mit Funkantenne, realisiert werden können, scheinen unbegrenzt. Nicht nur die eindeutige, unverwechselbare und somit auch fälschungssichere Produkt- oder Verpackungskennzeichnung ist mit RFID machbar, sondern auch die lückenlose Nach- und Rückverfolgung vor allem von Lebensmitteln, wie sie seit fünf Jahren in der EU-Norm 178/2002 gefordert wird.

RFID bereits alltagstauglich

Für die Pilotprojekte, die bei Panther gemeinsam mit Kraft Foods und Rewe sowie – unabhängig davon – auch bei SCA Packaging mit der Metro und Markenartikel-Herstellern zum Thema RFID und Wellpappenverpackungen durchgeführt werden, ist zwar bislang noch kein Preis ausgelobt worden, gleichwohl sind die Arbeiten preiswürdig, auch weil sich darin die Beratungskompetenz der Wellpappenhersteller widerspiegelt. Den Chip in die Wellpappe einzubetten, ist dabei nicht das vordergründige Problem.

Aber: „Er muss passgenau dort sein, wo es die jeweiligen Kunden wünschen“, relativiert Hilmer-Brenzinger. Und das ist bei wechselnden Wellpappe-Verpackungen und -Displays oft nicht so einfach. Doch mit TransPanther haben die Tornescher ein System entwickelt, mit dem diese Produkte mit Transpondern ausgestattet werden können.

Prinzipiell ist der Einsatz von Transpondern im meist genutzten Transportverpackungsmittel Wellpappe bereits alltagstauglich. Aber noch gilt es, die Zuverlässigkeit dieser Technologie, insbesondere die Lesegenauigkeit bei hohen Durchlaufraten, zu erhöhen und den Stückpreis der Tags zu senken.

An beidem wird in Industrie, Handel und Forschung fieberhaft gearbeitet. Der Durchbruch scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Die Verpackungsmittel-Industrie zeigt jedenfalls, dass sie auf die steigenden Anforderungen sowohl ökonomisch, ökologisch als auch technisch gut vorbereitet ist. Ihre Produkte sind eben nicht von Pappe – oder etwa doch?

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