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Kommentar Wenn der Finanzminister die Logistikprozesse sponsert

Redakteur: Robert Weber

Zalando darf sich nicht in Schwaben ansiedeln. Die Logistik ist im Landkreis Günzburg nicht erwünscht. Warum? Vor allem bei den Löhnen müssen wir Verbraucher uns und die Händler sich selber hinterfragen.

Der Landrat muss sich nicht im Amt verstecken.
Der Landrat muss sich nicht im Amt verstecken.
(Bild: David Franz)

In knapp drei Wochen wählen wir einen neuen Bundestag und vielleicht sogar eine neue Bundesregierung. Doch von Kampf ist im Wahlkampf bisher nicht viel zu spüren. Gut, Seehofer spielt mal wieder die Mautkarte aus, aber das war es dann auch schon. Wenn es auf der Bundesebene also nicht interessant genug ist, dann orientieren wir Journalisten uns ein paar politische Ligen nach unten und kümmern uns um den Landkreis Günzburg.

Die Region ist ein Musterlandkreis. Niedrige Arbeitslosigkeit, gut bezahlte Jobs und eine Reihe von attraktiven Gewerbegrundstücken – Filets – sorgten für gute Stimmung bei den Politikern. Bis Zalando anklopfte. Zalando, der Modeversender. Die Berliner Unternehmer mit Jeans, Sneakers und lässigem Jacket wollten ein riesiges Logistikzentrum bauen. Invest: 100 Mio. Euro. Von 2000 neuen Jobs in der Logistik war die Rede. Wow, da steht wohl jeder Gemeinderat stramm. Nicht so in Günzburg. Der Zweckverband für das Gewerbegebiet lehnte eine Ansiedlung des E-Commerce-Riesen ab.

Gute Arbeit von der Politik

Aufschrei in der Presse: Zalando nicht erwünscht! Die Lokalpresse hakte beim Landrat nach, ebenso überregionale Medien und auch wir waren mit von der Partie. Doch der gute Mann war irgendwann so genervt, dass er über das Logistikzentrum gar nicht mehr sprechen wollte. Dabei hatte der Lokalpolitiker ja gute Arbeit geleistet. Warum? Mehrere Gründe sprachen gegen die Ansiedlung. Die Gewerbesteuereinnahmen wären mager ausgefallen, denn Zalando schreibt rote Zahlen. Und die 2000 Stellen? Nun ja, die Mehrheit davon wären wohl Niedriglohnjobs gewesen. Und genau das ist das Problem. Die Logistikwirtschaft ist in Deutschland nicht überall beliebt und das liegt auch an der Lohnstruktur. Die niedrigen Löhne belasten zusätzlich unsere Sozialkassen und der große Paukenschlag droht erst in einigen Jahrzehnten. Dann nämlich gehen die Niedriglohnempfänger in Rente und haben nur wenige Rentenpunkte angesammelt. Will heißen: Die Allgemeinheit muss dafür geradestehen. Finanzieren wir also schlanke Logistikprozesse indirekt mit?

Der Landrat will lieber produzierende Industrie anlocken, die gute Löhne zahlt, Gewinne erwirtschaftet und sich in das regionale Wirtschaftsleben integriert. Die Entscheidung gegen Zalando war also richtig, kein Grund sich im Landratsamt zu verstecken.

Mehr in den Taschen

Sollen wir nun die Zalandos dieser Welt in die strukturschwachen Regionen verbannen? Nein, aber wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen mehr verdienen. Wie das gehen soll? Kaufen wir immer nur die Superschnäppchen ein? Politik und Konsumenten müssen sich hinterfragen: Was wollen wir fördern und was können wir dann auch fordern?

Robert Weber

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