Maschinenbaustudie 2014

Wie Deutschland Exportschlager bleiben kann

Seite: 2/2

Firma zum Thema

Chinesen holen in Forschung und Entwicklung langsam auf

Chinesische Unternehmen versuchen zudem über verstärkte M&A-Aktivitäten Zugang zu High-Tech Know-how zu erlangen und Rückstände in der technologischen Entwicklung durch verbesserte Serviceangebote auszugleichen. Für die Zukunft ist weiterhin mit verstärkten Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten zu rechnen. „Die herausragende Forschungs- und Entwicklungsarbeit war bislang ein wichtiges Fundament der deutschen Technologieführerschaft. Hier werden chinesische Hersteller in den kommenden Jahren aufholen“, warnt Dierk Buss, Mitglied der Geschäftsleitung und Industriegüterexperte bei Alix Partners.

Deutsche Hersteller müssen Technologieführerschaft behaupten

Deutsche Unternehmen sollten ihre bestehende Technologieführerschaft dadurch behaupten, indem sie auf die richtigen Technologien setzen. Dazu gehören neben der Robotisierung auch die Bereiche Industrie 4.0 und Energieeffizienz. Um dies zu erreichen, müssen wichtige Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie die Marktbeobachtung kontinuierlich getätigt und, wenn nötig, gesteigert werden. Die langfristige Modernisierung des chinesischen Maschinenmarktes bietet für deutsche Hersteller als Technologielieferanten ein enormes Wachstumspotenzial, vor allem im Bereich der Robotisierung. Jedoch wird sich der technologische Vorsprung der Industrienationen mit der voranschreitenden Automatisierung in den Schwellenländern sukzessive reduzieren.

Downgrading und Lokalisierung als Erfolgsfaktoren

Die größten Wachstumspotenziale bestehen in den kommenden Jahren im mittleren Technologiesegment der Schwellenländer-Märkte. Dieses Segment bietet deutschen Maschinenbauern zahlreiche Möglichkeiten zur Festigung und zum Ausbau der Produkt- und Technologieführerschaft und zum Erhalt der deutschen Stellung im internationalen Maschinenbaumarkt. Der dafür erforderliche Ressourcenaufwand an Zeit, Kosten und Personal sollte jedoch nicht unterschätzt werden, da Produkte und Technologien an die speziellen Anforderungen in den Zielmärkten anzupassen sind. Dies gilt insbesondere für Schwellenländer, in denen ein Downgrading komplexer Produkte in bestimmten Fällen erforderlich ist.

„Gleichermaßen hochwertige, jedoch auf die Bedürfnisse der jeweiligen Kundenstruktur angepasste Maschinen sollten zu marktgerechten Konditionen abgesetzt werden, vor allem in Verbindung mit einem weitreichenden Serviceangebot in den jeweiligen Ländern.“, erläutert Claudia Sommer, Vice President bei Alix Partners. Parallel sollten deutsche Unternehmen ihre Forschungs- und Entwicklungs- sowie M&A-Aktivitäten stärker auf diese Wachstumsmärkte konzentrieren. Denn dort wird die Nachfrage nach modernen Maschinenparks voraussichtlich auch künftig am größten sein.

Daher sind deutsche Firmen angehalten, schlankere Kostenstrukturen zu installieren, inklusive einer effektiven Kostenkontrolle in den Bereichen Produktion und Vertrieb. Ziel ist die Erschließung einer kompletten und kosteneffizienten Wertschöpfungskette, welche bei Bedarf Entwicklung, Beschaffung, Fertigung sowie Montage, Logistik oder Service in den jeweiligen Absatzmärkten beinhalten kann. Ein effektives Ressourcen- und Talentmanagement wird auf absehbare Zeit ein wesentlicher Erfolgsfaktor für deutsche Hersteller im Ausland bleiben. In den vergangenen Jahren haben deutsche Firmen dies vor allem in China betrieben, mit dem Ziel, qualifizierte Mitarbeiter zu finden sowie Fachkräfte vor Ort auszubilden und einzusetzen.

Die aktuelle Lage im Konflikt zwischen Russland und der Ukraine bleibt indes nicht ohne Auswirkungen. Russland ist mit etwa 5 % der deutschen Maschinenexporte seit Jahren der viertwichtigste Exportmarkt. Nach einem Wachstum in 2011 und 2012 und nach einem rückläufigen Jahr 2013 im Zuge der wirtschaftlichen Abkühlung in Russland, brachen die deutschen Maschinenexporte in den ersten zwei Monaten 2014 um 16 % ein. Die politische Auseinandersetzung zwischen Russland und der Ukraine hat bereits jetzt sinkende Konjunkturerwartungen, heftige Kursverluste des russischen Rubels, Verteuerung von Krediten sowie eine Kapitalflucht ausländischer Investoren zur Folge. Sollte die Krise weiter andauern, wird dies einen spürbaren negativen Effekt auf die deutschen Maschinenexporte nach Russland haben.

(ID:42710004)