Außenhandel Zwei Jahre „Incoterms 2010“ – was ist zu beachten?

Autor / Redakteur: Claudia Richter / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Seit dem 1. Januar 2011 haben die neuen Incoterms ihre Gültigkeit – Zeit für einen kurzen Blick auf die neuen Lieferbedingungen. Bei den Incoterms handelt es sich um internationale Vertragsklauseln, die von der Internationalen Handelskammer entwickelt wurden und die Einzelheiten der Lieferung von Waren regeln.

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Der Abschluss einer Warentransportversicherung ist empfehlenswert, um den tatsächlichen Warenwert abzusichern.
Der Abschluss einer Warentransportversicherung ist empfehlenswert, um den tatsächlichen Warenwert abzusichern.
(Bild: HDI-Gerling)

Die erste Version der Incoterms trat 1936 in Kraft. Seitdem wurden diese standardisierten Lieferbedingungen bereits zum achten Mal an die Bedürfnisse des Handels angepasst. Die aktuellen Incoterms 2010 berücksichtigen besonders die geänderten Handelspraktiken, Containerisierung und den elektronischen Datenverkehr. Die Incoterms liegen einem Vertrag jedoch nicht automatisch zugrunde, denn sie haben keine Gesetzeskraft. Sie müssen – wie jede Vertragsklausel – zwischen den Vertragsparteien vereinbart werden.

Was genau regeln die Incoterms?

Die Incoterms regeln im Wesentlichen

  • den Ort der Lieferung,
  • den Ort des Gefahrübergangs (wer trägt die Kosten bei Verlust oder Beschädigung während des Transportes?),
  • die Verteilung der anfallenden Kosten (nicht Kaufpreis!),
  • die Verpflichtung zum Abschluss einer Transportversicherung,
  • die Verantwortlichkeit für die Beschaffung der notwendigen Dokumente.

Durch Incoterms kann auf anerkannte Standards zurückgegriffen werden

Vorteile: Werden Incoterms verwendet, so sind die wesentlichen Käufer- und Verkäuferpflichten – auch international – klar geregelt. Die Vertragsparteien müssen sich zudem nicht mühsam über Einzelheiten gesondert einigen, sondern können auf anerkannte Standards zurückgreifen.

Ein Beispiel: Enthält ein Vertrag die Klausel „CIF Hamburg gemäß Incoterms 2010“, ist klar, dass der Verkäufer die Kosten und die Fracht bis zum vereinbarten Bestimmungshafen zu tragen sowie eine entsprechende Seeversicherung zu seinen Lasten abzuschließen hat. Hamburg ist dabei der Bestimmungshafen.

Durch die Incoterms wird allerdings nicht geregelt, ob und wie ein Kaufvertrag überhaupt zustande kommt. Des Weiteren wird auch keine Aussage über die Modalitäten von Zahlungsabwicklung, Gewährleistung oder Ähnlichem getroffen. Bei der Verwendung der Incoterms ist darauf zu achten, dass ein Bestimmungshafen angegeben wird und die Incoterms genau bezeichnet werden, zum Beispiel „Incoterms 2010“. Letzteres ist wichtig, da die Klauselnamen der „Incoterms 2000“ zum Teil geblieben sind, jedoch einen veränderten Regelungsinhalt haben.

Nicht nur, weil über die Incoterms die Verpflichtung zur Eindeckung einer Transportversicherung vereinbart wird, sondern auch, um den tatsächlichen Warenwert abzusichern, empfiehlt sich der Abschluss einer Warentransportversicherung. Grundsätzlich haftet zwar das Transportunternehmen für Schäden an den transportierten Gütern. Durch gesetzliche und vertragliche Bestimmungen ist die Haftung der Transportunternehmen jedoch beschränkt, zum Beispiel auf 8,33 Sonderziehungsrechte (SZR) – also circa 10 Euro je Kilogramm des Rohgewichtes der Sendung (Gewicht eines Gutes einschließlich seiner Verpackung).

Warentransportversicherung sichert tatsächlichen Warenwert

Ohne eine Warentransportversicherung steht, abhängig von der jeweiligen Gefahrtragungsregelung, entweder der Versender oder der Empfänger im Risiko. Auch nach einem erfolgreichen Regress gegen das Transportunternehmen trägt er die Differenz zwischen dem Regresserlös und dem tatsächlichen Warenwert. Ist der Schadensort oder Schadenshergang nicht eindeutig zu identifizieren, kommt es oft zu Streitigkeiten zwischen den Vertragsparteien. Zur Klärung des Schadenfalls nutzt HDI-Gerling in der Warentransportversicherung unter anderem die Expertise von unabhängigen Havariekommissaren und Sachverständigen. Optimal ist der Versicherungsschutz „unabhängig der Gefahrtragung“, denn auf diese Weise vereinfacht sich die Abwicklung des Versicherungsfalls.

Der Versicherungsnehmer muss zudem im Schadenfall auch nicht mehr selbst den Regress durchführen. Diese Aufgabe übernimmt ebenfalls die Warentransportversicherung für ihn.

* Claudia Richter ist Mitarbeiterin der HDI-Gerling Firmen und Privat Versicherung AG in 30659 Hannover

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