Kunststoffverarbeiter Zweistelliges Umsatzplus im Jahr 2006

Redakteur: Josef-Martin Kraus

Frankfurtam Main (jk) – Die deutschen Kunststoffverarbeiter haben im vergangenen Jahr einen Umsatz von 49,3 Mrd. Euro erzielt. Das sind nominal gut 10% mehr als im Jahr zuvor. Auch

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Dr.-Ing. Reinhard Proske, Präsident des Gesamtverbands der Kunststoffverarbeitenden Industrie e.V. (GKV), Frankfurt am Main: „Im vergangenen Jahr waren wir besonders gut.“
Dr.-Ing. Reinhard Proske, Präsident des Gesamtverbands der Kunststoffverarbeitenden Industrie e.V. (GKV), Frankfurt am Main: „Im vergangenen Jahr waren wir besonders gut.“
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Frankfurtam Main (jk) – Die deutschen Kunststoffverarbeiter haben im vergangenen Jahr einen Umsatz von 49,3 Mrd. Euro erzielt. Das sind nominal gut 10% mehr als im Jahr zuvor. Auch preisbereinigt bleibt ein sattes Plus übrig: 8,5% realer Zuwachs, wie Dr.-Ing. Reinhard Proske auf der Pressekonferenz des Gesamtverbands Kunststoffverarbeitende Industrie e.V. (GKV), Frankfurt am Main, verriet. Das ist laut dem GKV-Präsidenten sehr beachtlich: „Im vergangenen Jahr waren wir besonders gut“.

Zuwachs gleichermaßen in allen Sparten

Das zweistellige Umsatzplus zieht sich – mit geringen Abweichungen – quer durch die Sparten der Kunststoffverarbeitung: Spitzenreiter sind die Hersteller von Baubedarfsartikeln wie Platten, Fensterprofilen und Dämmstoffen mit 12,5% Zuwachs. Die Verarbeiter in den klassischen Zulieferbereichen Automobil, Elektro, Maschinenbau, Optik, Messtechnik, Kommunikation, Luft- und Raumfahrt legten um rund 10% zu.

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Als besonders erfreulich ist für Proske das Plus für die Produzenten von Baubedarfsartikeln, das eine Verschnaufpause in der langfristig negativen Entwicklung dieser Sparte bedeutet. Sicherlich lasse sich dieser Zuwachs mit der Mehrwertsteuererhöhung begründen, die Bauherren zum Vorziehen von Investitionen in das Jahr 2006 motiviert habe – also ein Sondereffekt. Ein Indiz dafür: Über die Herbstmonate hinweg seien Isoliermaterialien kaum zu bekommen gewesen, schilderte der GKV-Präsident. Trotz voll ausgelasteter Produktionskapazitäten bei den Herstellern habe mancher Bauherr Lieferverzögerungen in Kauf nehmen müssen.

Die Packmittelproduzenten verzeichneten ein Plus von knapp 9%, ebenso die Hersteller sonstiger Kunststoffprodukte wie Sport- und Freizeitartikel, Spielzeug, Haushaltswaren für Bad und Küche, Schreib- sowie Büroartikel. Den Grund dafür sieht Proske in der guten Inlandsnachfrage im vergangenen Jahr. Sie habe vor allem die konsumnahen Zweige unserer Branche gestützt. Der Inlandsumsatz 2006 stieg um 9%, wobei die östlichen Bundesländer laut GKV-Präsident „mit überproportionalen Zuwachsraten weiter aufholen“. Von niedrigerem Niveau kommend, haben die Verarbeiter in Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen Umsatzzuwächse von 11 bis 25% erzielt.

Trotz guter Branchenkonjunktur gab es Pleiten

„Keine Frage, die durchweg guten Zahlen freuen uns“, so der GKV-Präsident. Die Freude wird jedoch nicht von allen Verarbeitern geteilt, denn die Umsatzentwicklung war in den einzelnen Betrieben zu unterschiedlich. Einerseits sind trotz guter Branchenkonjunktur viele in Schwierigkeiten geraten. Betriebsaufgaben, Insolvenzen und Übernahmen waren die Folge. Die Anzahl der statistisch erfassten Kunststoffverarbeiter reduzierte sich im vergangenen Jahr um 1,9%. Andererseits hat es eine Menge Verarbeiter gegeben, deren Umsatzzuwachs deutlich über dem Durchschnittwert von 10% lag.

Mit unterschiedlichen Strategien zum Erfolg

Diesbezüglich sind die Erfolgsstrategien der Verarbeiter sehr unterschiedlich: Einerseits gibt es laut Proske milliardenschwere Mischkonzerne, die Kunststoffverarbeitung zum Kerngeschäft erheben und alle anderen Aktivitäten abgeben. Andererseits verzichten Großunternehmen nach Jahrzehnten der Eigenfertigung auf die Kunststoffverarbeitung und verlagern die Produktion zu Zulieferern.

Diesen global agierenden Unternehmen stehen die mittelständischen Kunststoffverarbeiter gegenüber, die jahrzehntelang als klassische Zulieferer gearbeitet haben. In den vergangenen Jahren verlängerten sie ihre Wertschöpfungskette, stiegen in die Produktentwicklung und Bauteilmontage ein, erarbeiteten Logistikkonzepte. Sogar Personaldienstleistungen wurden angeboten, um anderen Verarbeitern qualifiziertes Personal überlassen zu können, erläuterte der GKV-Präsident.

Export bleibt Wachstumstreiber

Trotz der guten Inlandskonjunktur bleibt der Export ein wesentlicher Wachstumstreiber für die deutschen Kunststoffverarbeiter. Er ist im vergangenen Jahr wieder stärker gestiegen als der Inlandsabsatz. 12% Umsatzzuwachs im Ausland erhöhten den Exportanteil der Verarbeiter in Deutschland von 35,3 auf 36%.

Beiden Wachstumsfaktoren ist es zu verdanken, dass wieder mehr Menschen in der Kunststoffverarbeitung Arbeit haben. Die Anzahl der Beschäftigten in dieser Branche stieg im vergangenen Jahr um 0,4%. Etwa 1000 neue Arbeitsplätze wurden geschaffen. Im Jahr zuvor gingen dagegen trotz 2,9% Umsatzplus Arbeitsplätze verloren.

Hohe Rohstoff- und Energiepreise drücken Renditen

Dennoch bleibt „ein Wermutstropfen“, wie Proske auf der Pressekonferenz formulierte: „Die hohen Preise für Rohstoffe und Energie haben im Laufe des vergangenen Jahres neue Höchstmarken erreicht.“ Das habe der energieintensiven Kunststoffverarbeitung besonders zugesetzt. „Könnten wir zumindest die hohen Preise für Rohstoffe an unsere Kunden weitergeben, wäre schon ein großer Schritt getan“, meinte der GKV-Präsident. Zwar ist nach seiner Beobachtung die Einsicht der Kunden gestiegen, dass Preiserhöhungen an den Endverbraucher weitergegeben werden müssen, jedoch hinken die Erhöhungen den realen Preisentwicklung meist weit hinterher.

Folglich drücken die hohen Preise für Rohstoffe und Energie auf die Renditen der Verarbeiter. „Die Ertragslage in der Kunststoffverarbeitung ist nach wie vor unbefriedigend“, stellte Proske fest. Zwar habe der deutliche Umsatzzuwachs des vergangenen Jahres bei manchen Verarbeitern das Gewinnvolumen erhöht, die Rendite selbst sei jedoch nicht gestiegen.

So zeigen für den GKV-Präsident die statistischen Zahlen des vergangenen Jahres, dass die Hersteller technischer Teile – das sind vor allem Zulieferer der Automobil- und Elektroindustrie –Preisrückgänge verkraften mussten – und das bei gleichzeitiger Steigerung von Rohstoff- und Energiekosten. „Viele Geschäftsführer von Mitgliedsbetrieben beklagen, dass ihnen trotz guter Umsatzlage die Margen erodieren“, schilderte Proske. Um heute das absolute Ergebnis von vor einigen Jahren zu erreichen, müsse deutlich mehr Umsatz eingefahren werden: „Insgesamt eine unbefriedigende Situation“, resümierte der Verbandspräsident.

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