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Logistikstandort Zwischen Handel und Industrie – Frankreichs Logistik im Dilemma?

| Redakteur: Robert Weber

50 Jahre Elysée-Vertrag und Deutschland und Frankreich feiern. Doch bei unseren Nachbarn ist die Stimmung weniger ausgelassen. Die französische Regierung sucht Rezepte gegen die Krise. Die Wirtschaft stagniert. Die Industrie kämpft auch mit Logistikproblemen.

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(Bild: J&M)

Ende März öffnet Frankreichs wichtigste Logistikmesse ihre Tore. Auf der SITL trifft sich das Who is Who der französischen Logistikwirtschaft. In den vergangenen Jahren stießen die Logistiker an den Messeständen gerne mit Champagner an und feierten sich und die Wirtschaft. Die Geschäfte florierten, wenn auch auf niedrigem Niveau. Doch die Partylaune ist einem Kater gewichen – in der Industrie und in der Logistik.

Die Wirtschaft des Nachbarn am Rhein schwächelt. Die Banque de France vermeldete Anfang des Jahres einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal 2012 um 0,1 %.

Hohe Margen verhindertenneue Logistikprozesse

Die Probleme liegen vor allem im Maschinenbau und der Automobilindustrie. Beide Branchen kämpfen mit Absatzproblemen, aber auch mit veralteten Prozessen in der Logistik (siehe Infografik). „Unsere Unternehmen haben im Gegensatz zu deutschen Firmen weniger Geld in der Kasse für langfristige Investitionen in die Supply Chain. Die Arbeitskosten liegen derzeit etwa 10% über denen unseres Nachbarn. Dazu kommt: In einem Wachstumsmarkt waren die Firmenlenker jahrelang mit den Ergebnissen zufrieden. Ein Kostendruck war praktisch nicht existent. Jetzt, wo das Wachstum nachlässt, treffen die versäumten Investitionen die Wettbewerbsfähigkeit der Supply Chains in der Industrie", erklärt Tanguy Caillet, Managing Partner Frankreich, J&M Management Consulting. Die Einschätzung des Beraters trifft wohl vor allem auf den Maschinenbau und die Autoindustrie in Frankreich zu, denn im Handel finden sich durchaus Unternehmen, die auch in Sachen Logistik und Prozessmanagement zur europäischen Spitze gehören.

Als Vorbilder dienen vor allem die Firmen wie Danone, Carrefour oder Vente-Privee. Diese Unternehmen haben in den letzten Jahren viel Geld in ihre Prozessketten investiert. Der Grund: Zum einen weil in ihrem Markt die Margen vergleichsweise gering sind und zum anderen, weil die Konsumenten eine hohe Verfügbarkeit zu einem guten Preis erwarten. Der Erfolg der Unternehmen gibt ihnen recht und gleichzeitig sorgen sie für neue Nachfrage nach Logistiklösungen.

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