BME-Logistikstudie 2024 Zu wenig Resilienz für Lieferketten

Von Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. 3 min Lesedauer

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Es liegt weiterhin viel Arbeit vor dem Einkauf, der Beschaffungslogistik und dem Supply Chain Management. Das geht aus einer aktuellen Studie des Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e. V. (BME) hervor.

Lieferketten müssen reisilienter werden. Der BME sieht dabei großen Handlungsbedarf für Einkauf, Beschaffungslogistik und SCM.(Bild:  Kalyakan - stock.adobe.com)
Lieferketten müssen reisilienter werden. Der BME sieht dabei großen Handlungsbedarf für Einkauf, Beschaffungslogistik und SCM.
(Bild: Kalyakan - stock.adobe.com)

Der BME hat die Ergebnisse der Studie „Risikomanagement und Resilienz in Supply Chains“ veröffentlicht. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass die Umsetzung eines Supply Chain Risk Management (SCRM) weiterhin am Anfang steht und noch nicht ausgereift ist. Störereignisse hätten die Bedeutung resilienter Lieferketten zudem erheblich erhöht.

Obwohl die Turbulenzen für die Weltwirtschaft nicht abgenommen haben und zu einer immer größeren Belastung der globalen Lieferketten werden, erhält ein umfassendes SCRM in vielen Unternehmen noch zu wenig Aufmerksamkeit. Das geht aus den Ergebnissen der Studie hervor. „Lediglich 26 Prozent der befragten Unternehmen haben eine explizite Funktion eingerichtet, die sich mit SCRM befasst. Diese Zahl verdeutlicht, dass mehr als zwei Drittel bislang keine strukturelle Verankerung für dieses wichtige Thema geschaffen haben“, betont BME-Hauptgeschäftsführerin Dr. Helena Melnikov. Angesichts der zunehmenden globalen Risiken sei dies ein alarmierendes Signal.

Die aktuelle Studie untersuchte auch den Grad der Wirksamkeit des SCRM. Nur 31 Prozent der Befragten sind damit zufrieden oder sehr zufrieden. „Dies zeigt, dass viele Unternehmen den Nutzen ihrer Maßnahmen noch nicht voll ausschöpfen. Angesichts weltweiter Bedrohungen der Lieferketten durch unvorhersehbare Krisen muss die Effektivität von Risikomanagement-Systemen gestärkt werden“, so Michael Jungk, Leiter der BME-Sektion Supply Chain Management und Logistik.

Transparenz in den Lieferketten bleibt eine weitere Herausforderung

Die Ergebnisse zeigen, dass zwar 79 Prozent der Unternehmen die erste Lieferantenstufe und 53 Prozent die erste Kundenstufe abdecken, jedoch werden tiefere Stufen innerhalb der Lieferkette häufig vernachlässigt. Nur knapp ein Drittel der Unternehmen berücksichtigen die zweite Lieferantenstufe, und bei lediglich 14 Prozent werden weitere Stufen miteinbezogen. Auch kundenseitig zeigt sich, dass lediglich 13 Prozent der befragten Firmen über die erste Stufe hinausgehen. Das mache es schwierig, Risiken in der Tiefe der Lieferkette zu erkennen und rechtzeitig darauf zu reagieren, so das Fazit der Studienautoren.

Maßnahmen nach Störereignissen zur Stärkung der Lieferketten

Die am intensivsten genutzte Maßnahme, um nach den Störereignissen zu Resilienz in der Lieferkette beizutragen, war die Lagerhaltung. Dabei ging es einerseits darum, Störungen in der Inbound-Supply-Chain durch erhöhte Lagerhaltung von Rohmaterialien, Bauteilen, Komponenten und Modulen abzufedern. Andererseits sollten in der Outbound-Supply-Chain die Auswirkungen durch die Bevorratung von Fertigprodukten und Handelsware möglichst gering gehalten werden. Mehr als 40 Prozent der Unternehmen setzen laut Befragung diese Maßnahmen in großem und weitere gut 40 Prozent in gewissem Umfang um. Die Digitalisierung von Prozessen, Anpassungen in der Beschaffungsstruktur und bei den Beschaffungswegen sind weitere Maßnahmen, die laut befragten Unternehmen teilweise umgesetzt werden.

Supply Chains werden heute als deutlich resilienter eingeschätzt

Insgesamt zeigt die Studie, dass Unternehmen ihre Lieferketten heute als deutlich resilienter einschätzen als vor Beginn der Covid-19-Pandemie. Der Anteil der Betriebe, die ihre lieferantenseitigen Supply Chains als widerstandsfähig oder sehr robust ansehen, ist von 22 Prozent auf 44 Prozent gestiegen. Auch auf der Kundenseite erhöhte sich dieser Wert von 29 Prozent auf 55 Prozent. Insbesondere der Informationsaustausch zwischen Unternehmen innerhalb der Lieferkette sei vorangetrieben worden. Diese Entwicklung deutet daraufhin, dass die Unternehmen aus den Krisen der vergangenen Jahre gelernt haben.

Handlungsbedarf besteht laut BME aber weiterhin, denn die Sicherstellung einer nachhaltigen und resilienten Lieferkette erfordere kontinuierliche Anpassungen, Investitionen und die Weiterentwicklung der Risikomanagement-Systeme.

Herausforderungen für Einkauf, Beschaffungslogistik und Supply Chain Management werden auch weiterhin entstehen. Deshalb wird sich eine gute Vorbereitung spätestens bei der nächsten Krise auszahlen.

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